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Einleitung

  • Norbert Wokart
Chapter

Zusammenfassung

Erfahrungen verständlich zu machen, ist ein Hauptinteresse der Vernunft, ein Interesse, das sich allerdings mit den drei Fragen nicht befriedigen läßt, von denen Kant in seiner »Kritik der reinen Vernunft« behauptete, sie machten das gesamte spekulative und praktische Interesse der Vernunft aus, nämlich: »1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich tun? 3. Was darf ich hoffen?« Denn dabei ist das Können Thema allein der theoretischen Philosophie, und die Frage nach dem Handeln wird an das Sollen verwiesen. Es ist aber gar nicht einzusehen, weshalb man das Können nur auf das Wissen beziehen und beim Handeln bloß nach dem Sollen fragen dürfe, zumal doch alles Sollen in einem Können fundiert sein muß und davon nur ein Teilbereich ist; denn was man nicht tun kann, kann weder geboten, noch muß es verboten zu werden, weshalb es zwar untersagt ist, dem Nachbarn die Birnen, nicht aber, nächtens den Mond zu stehlen.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. In: Kants Werke. Akademie-Textausgabe. Berlin 1968. Werke IV, S. 427.Google Scholar
  2. 2.
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  7. 7.
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  10. 11.
    Einige Grundgedanken des I. Teils dieser Untersuchung sind unter dem Titel »Pathologische Freiheit« schon in knapper Form vorgestellt worden. Siehe N. Wokart: Ent-Täuschungen. Philosophische Signaturen des 20. Jahrhunderts. Stuttgart 1991, S. 9–25.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1992

Authors and Affiliations

  • Norbert Wokart

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