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Von der Restauration zur Vorromantik

  • Johann N. Schmidt
Chapter

Zusammenfassung

Da die Epochenetikettierungen für das 18. Jahrhundert sich nur selten auf die Namen von Herrschern oder Regierenden beziehen — allenfalls könnte man von einer »Ära Walpole« oder einem »Jahrhundert der Hannoveraner« sprechen —, beinhalten sie bereits interpretative Aussagen, die erklärungsbedürftig sind. Bezeichnungen wie »Zeitalter der Vernunft« und »Zeitalter der Aufklärung« vermitteln einen Eindruck von Harmonie, Stabilität und Ordnung, der sich schnell ins Gegenteil verkehrt, wenn man sich die vehementen Angriffe der großen Satiriker auf gesellschaftliche Unvernunft, Dummheit und politische Spaltungstendenzen vergegenwärtigt. Swifts A Modest Proposal etwa, in dem die Schlachtung und Zubereitung von schmackhaften Babys zur Linderung der Not in Irland empfohlen wird, ist die wohl gnadenloseste Verdammung einer verrückten Geisteshaltung, die sich dennoch als Stimme von Vernunft und Mäßigung ausgeben kann. Daß für das Fällen von Bäumen in einer Avenue und den Diebstahl von Sixpence die Todesstrafe verhängt wurde, so wie auch barbarische Gesetze gegen Vagantentum zum Vollzug kamen, deutet aus heutiger Sicht nur sehr bedingt auf eine »aufgeklärte Gesellschaft« mit optimistischem Menschenbild. Der Schmutz der Städte, die vielen, in Hogarths Stich »Beer Street and Gin Lane« unnachahmlich festgehaltenen Ginshops, die verheerenden Pocken- und Grippeepidemien und der Übergang eines leidlich prosperierenden freien Bauernstands (yeomanry) in ein ausbeuterisches Pachtsystem haben in großen Teilen der Bevölkerung ein Klima des Mangels und der Verelendung geschaffen.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1999

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  • Johann N. Schmidt

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