Advertisement

Vom Individualismus zum politischen Dezisionismus

Heideggers Weg von der Ontologie des Daseins zur »Ethik« des Volkes
  • Enno Rudolph
Chapter

Zusammenfassung

Bei Heidegger hat der Begriff des Individuums, im traditionellen Sinn als Einzelsubjekt verstanden, so wenig Chancen wie die Kategorie des Subjekts selbst. Durch zwei Grundannahmen bricht Heidegge aus deren Schematismus aus. Seine Frage lautet nicht mehr, wie das Subjekt zum archimedischen Punkt der Welterklärung werden kann, sondern, was es heißt, Subjekt zu sein. An der Stelle des Subjektbegriffs begegnet bei ihm die Kategorie des »Daseins«. »Dasein« ist nicht durch die Strukturen des animal rationale charakterisiert, sondern durch solche Strukturen, die die besondere Seinsweise des menschlichen Daseins gegenüber allem auszeichnen, was Heidegger »nicht daseinsmäßiges Seiendes« [1] nennt. Und dies ist der Rest der Welt. Auf diese Weise aber bleibt der neue Stellvertreter des Subjekts, das Dasein, auch bei Heidegger weiterhin der archimedische Punkt der Weltdeutung. Modifiziert hat sich lediglich die Methode der Beschreibung des Weltverhältnisses: der bescheidene Anspruch transzendentaler Subjektivität hat dem stolzen einer Fundamentalontologie (wieder) Platz zu machen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 4.
    Karl Löwith, Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933. Ein Bericht, Stuttgart 1986.Google Scholar
  2. 5.
    Hugo Ott, Martin Heidegger. Unterwegs zu seiner Biographie, Frankfurt/New York 1988, S. 131.Google Scholar
  3. 6.
    George Steiner, Martin Heidegger. Eine Einführung, München 1989, S. 33.Google Scholar
  4. 7.
    Martin Heidegger, Die Selbstbehauptung der deutschen Universität. Rede, gehalten bei der feierlichen Übernahme des Rektorats der Universität Freiburg i. Br. am 27. S. 1933, 2. Auflage Breslau 1934. Die Rede ist zusammen mit dem Text Das Rektorat 1933/34. Tatsachen und Gedanken von Hermann Heidegger, Frankfurt a. M. 1983 erneut herausgegeben worden. Im folgenden wird die erstgenannte Ausgabe zitiert. Hier: S. 13.Google Scholar
  5. 8.
    Heidegger, Brief über den Humanismus, in: ders., Wegmarken, Frankfurt a. M. 1967, S. 183.Google Scholar
  6. 20.
    Jacques Derrida, Vom Geist. Heidegger und die Frage, Frankfurt a. M. 1988, S. 45.Google Scholar
  7. 27.
    Karl Löwith, Politischer Dezisionismus (C. Schmitt), in: ders., Der Mensch inmitten der Geschichte. Philosophische Bilanz des 20. Jahrhunderts, hg. von Bernd Lutz, Stuttgart 1990, S. 36. Löwith verweist hier auf die §§ 9 und 29 von Sein und Zeit. Vgl. dazu auch Bernd Rüthers, Carl Schmitt im Dritten Reich. Wissenschaft als Zeitgeist-Verstärkung?, 2. Aufl. München 1990.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1991

Authors and Affiliations

  • Enno Rudolph

There are no affiliations available

Personalised recommendations