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Das Individuum als Bestie?

Nietzsches genealogische Apologie des Individuellen
  • Enno Rudolph
Chapter

Zusammenfassung

Metaphysikkritik und Moralkritik, die bei Nietzsche eine Einheit bilden, lassen sich als eine Apologie des Individuellen lesen und anhand seiner Destruktion des kantischen Transzendentalismus vorführen. Der Sache nach kritisiert Nietzsche an Kant die These vom Primat der praktischen Vernunft vor der theoretischen. Kant hatte im theoretischen Verfahren der Vernunftkritik die Natur so definiert, daß die Vernunft in der Natur nicht vorkommt. Allein so war ihr Wesentlichstes, Freiheit, zu »retten«[1] — vor jenem Determinismus nämlich, den die Vernunft — kraft derselben Freiheit — der Natur aufnötigte. Und nur so wiederum wurde das Nötigste möglich, nämlich Ethik. Es ergibt sich, daß die Unterwerfung der Natur unter Gesetze des Denkens und ihre damit einhergehende Stigmatisierung als sinnlicher Widerpart der Vernunft im Interesse der Erhaltung einer unberührten Freiheit steht, die freilich nur unter der Last der moralischen Hypothek eine Chance hat, sich als ein Vermögen der Weltveränderung geschichtlich zu bewähren.

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Anmerkungen

  1. 4.
    Vgl. dazu Ludwig Giesz, Nietzsche. Existenzialismus und Wille zur Macht, Stuttgart 1950, S. 107ff. und 144ff.Google Scholar
  2. 10.
    Max Horkheimer, Montaigne und die Funktion der Skepsis, in: ders., Kritische Theorie, Bd. 2, Frankfurt 1968.Google Scholar
  3. 11.
    Vgl. dazu Martin Heidegger, Nietzsches Wort: Gott ist tot, in: ders., Holzwege, Frankfurt a. M. 1950.Google Scholar
  4. 12.
    Maclntyre, der Nietzsche den »hellsichtigsten der deutschen Moralphilosophen« nennt, schreibt: »Nietzsche wurde durch seine nationalistische, antisemitische und nationalsozialistische Schwester in einem völlig verkehrten Licht dargestellt…. Nietzsche war geprägt von einer tiefen historischen Verantwortungslosigkeit, die durch den Hinweis erklärt werden könnte, daß er bisweilen glaubte, die Masse der Menschen sei schon jenseits der Möglichkeit einer Erlösung.« Zuvor hatte Maclnytre resümiert, daß das, was »uns bei Nietzsche Probleme bereitet«, etwa dem entspricht, »was uns bei Kant beunruhigt«; MacIntyre, Geschichte der Ethik im Überblick (vgl. oben Kapitel I., Anm. 6), S. 208.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1991

Authors and Affiliations

  • Enno Rudolph

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