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Robert Bek-Gran, »gegen den Strom« und die CPUSA

  • Michael Rohrwasser
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Zusammenfassung

Robert Bek-gran, der Richard Krebs in den USA unterstützt hatte, war nicht nur wie dieser durch die Maschen der Exilforschung gefallen, sein Name wurde gar als Pseudonym mißdeutet. Rolf Recknagel rubriziert dessen 1920 in Nürnberg veröffentlichte Broschüre »Vom Wesen der Anarchie« unter das Werk von B. Traven und findet mit diesem Postulat seine Nachfolger [1]. Ähnliche Fehleinschätzungen treffen Bek-grans Zeitschrift »Gegen den Strom«, die einmal als »antikommunistisches Pamphletblatt«, dann als »offenbar den Trotzkisten nahestehende Zeitschrift« gekennzeichnet wurde [2]. Bek-gran hat nicht nur der notwendigen Korrektur wegen Aufmerksamkeit verdient, sondern auch, weil seine Zeitschrift »Gegen den Strom« zu einem frühen Sammelbecken für Renegaten-Autoren wurde; zudem ist sein Weg als Renegat gerade wegen seiner untypischen Ausprägung bemerkenswert. Er ist zu jenen Kritikern der Kommunistischen Partei zu rechnen, die zu bestimmten Zeiten aus taktischen Gründen Mitglieder geworden waren, ohne doch in der Partei eine umfassende neue Heimat zu suchen und ohne die alten Überzeugungen gänzlich aufzugeben.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Rolf Recknagel: Beiträge zur Biographie des B. Traven, Berlin: Guhl 1977 (1971) S. 452. In der korrigierten Neuauflage des Buches (Leipzig 1982) wird Bek-grans »Vom Wesen der Anarchie« nicht mehr unter den Werken Travens aufgeführt. Zu seiner Pseudonym-Auflösung mögen ihn die Tatsachen verführt haben, daß sich Bek-gran in diesem Schriftchen wie B. Traven und dessen Alias Ret Marut zu einem stirnerianisch geprägten Individualanarchismus bekannte und durch Erscheinungsort und -jahr sowie den inhaltlichen Bezug auf Gustav Landauer der Zusammenhang mit der sogenannten anarchistischen Münchner Räterepublik (7.4.13.4.1919) deutlich wurde, der Marut als Leiter der Presseabteilung des Zentralrats diente. Fähnders u. Rector (1974, I 316 f), Hansjörg Viesel (Literaten an der Wand. Die Münchner Räterepublik und die Schriftsteller. Frankfurt 1980, S. 539 ff), Will Wyatt (The Man Who Was B. Traven. London 1980, S. 321), Uli Bohnen und Dirk Backes (Franz W. Seiwert: Schriften. Berlin 1978, S. 15) übernehmen die Entschlüsselung Recknagels. Bohnen und Backes glauben zudem, daß Bek-grans Schrift eine Gemeinschaftsarbeit von Marut-Traven und dessen Freundes Franz Wilhelm Seiwert sei. Eine Neuauflage der Broschüre im Verlag Guhl (Berlin o. J. (1977)) trug dann auch folgerichtig die Autorenangabe B. Traven/ Robert Bek-gran. Auch im jüngsten Pseudonymen-Schlüssel des »Lexikons der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur« (München 1987) wird Bek-gran noch — wenn auch mit Fragezeichen — als Pseudonym von Traven angeführt.Google Scholar
  2. 10.
    Vgl. Valeriu Marcu: Ein Ketzer unter Sozialisten. In: NTB 5. Jg., H. 6 (17.4.1937) S. 377–379.Google Scholar
  3. 14.
    Zit. n. William Weinstone: The Formative Period of the CPUSA. In: »Political Affairs« (New York) Sept./Okt. 1969, S. 18 f.Google Scholar
  4. 15.
    Zahlenangaben nach Grace Arnold: Zur Geschichte der kommunistischen Partei der USA. Frankfurt 1976, S. 57 f und J. Starobin 1973, 3178. Leo Löwenthal spricht von einem »große〈n〉 Schock, als wir nach Amerika kamen (und sahen), daß all diese kommunistischen und trotzkistischen Organisationen kleine sektiererische Grüppchen ohne jeden Massenzusammenhangwaren« (1980, 46).Google Scholar
  5. 16.
    Die ›patriotische‹, ›revisionistische‹ Linie wurde 1945 nach Kriegsende korrigiert; Earl Browder, KP-Chef während der Kriegsjahre, wurde als Sündenbock aus der KP ausgeschlossen. Zur amerikanischen Arbeiterbewegung: Forster Rhea Dulles (Die Arbeiterbewegung in den USA. Geschichte der amerikanischen Gewerkschaften von ihren Anfängen bis heute. Paderborn 1956), Daniel Guerin (Die amerikanische Arbeiterbewegung 1867–1967. Frankfurt 1970) und Jeremy Brecher (Streiks und Arbeiterrevolten. Amerikanische Arbeiterbewegung 18771970. Frankfurt 1975). Zur Geschichte des CIO: Elizabeth Jones (Der CIO — Reform zur Reaktion. In: Jahrbuch Arbeiterbewegung Bd. 6, hg. Claudio Pozzoli. Frankfurt 1979, S. 78–114). Zur Rolle der CPUSA: Starobin 1973; Hoover 1959; William F. Foster (History of the Communist Party of the United States. New York 1952) und Irving Howe/Lewis Coser (The American Communist Party. A Critical History 1919–1957. Boston 1957).Google Scholar
  6. 19.
    E. W. Mareg. Geschichte der Deutschen Arbeiterklubs. In: GDS, 1. Jg., H. 3 (Mai 1938) S. 9–11.Google Scholar
  7. 20.
    GDS, 1. Jg., H. 4 (Juni 1938), S. 14. Der »Arbeiter«, das offizielle Organ der deutschen Sektion der CPUSA, erschien 1930–1937 und wurde nach Gründung des »Deutschen Volksechos«, das ab Februar 1937 in New York erschien (Chefredakt.: Stefan Heym), eingestellt (Cazden 1970, 187; Stefan Heym: Wege und Umwege — Streitbare Schriften aus fünf Jahrzehnten. München 1980, S. 20 ff).Google Scholar
  8. 36.
    Kurt Tucholsky: Qui Potest Mori, Brief an A. Zweig vom 15.12.1935. In GDS, 2. Jg., H. 8/9 (Jan. 1939), S. 2–6 (Titel von Bek-gran). In gekürzter Fassung erschien der Brief in der »Neuen Weltbühne« (Prag) (Nr. 6, 6.2. 1936, S. 159–165). Das Zentralorgan der SS, »Das Schwarze Korps«, übernahm ihn (in der Weltbühnen-Fassung) am 27.2.1936 (2. Jg., 9. Folge, unter dem Titel »Jüdische Schlußbilanz«); die »Jüdische Rundschau» (Berlin) druckte ihn am 3.3.1936 (Nr. 18, S. 2, unter dem Titel »Jüdische Selbstflucht«) ebenfalls ab; gegen deren Interpretation eines »jüdischen Selbsthasses« wendet sich Kurt Hiller (1950, 290–293). Tucholsky übt im Brief Kritik an den deutschen Juden: »Das Judentum ist besiegt, so besiegt, wie es das verdiente — und es ist auch nicht wahr, dass es seit Jahrtausenden kämpft. Es kämpft eben nicht 〈…〉 ich sage, es gibt auch anständige Juden 〈…〉 aber -? der Rest taugt nichts. Es 〈ist〉 nicht wahr, dass die Deutschen verjudet sind. Die deutschen Juden sind verbocht« (GDS, H. 8/9, S. 2). Hans Dieter Heilmann, der Tucholskys Brief »sein politisches und philosophisches Testament« nennt, gibt als erste Veröffentlichung des Briefes allerdings die Zeitschriften »Ordo« 〈1938〉 (ein in Paris erscheinendes jüdisches Blatt) und »Deutsches Adelsblatt« 〈1936〉 an (Kurt Tucholsky in Berlin. Berlin: Hentrich 1983). Ich konnte diese Angabe nicht überprüfen. Der vollständige Brief in K. Tucholsky: Ausgewählte Briefe 1913–1935, Hamburg 1962, S. 333–339. Arnold Zweigs Antwort ist in derselben Nummer der »Neuen Weltbühne« (Nr. 6, 6.2.1936, S. 165–170) abgedruckt.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1991

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  • Michael Rohrwasser

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