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«Irdischer Himmel des Guten / Irdische Höllen des Bösen Ehestands»

  • Elfriede Moser-Rath

Zusammenfassung

Die Einstellung der Prediger zur Ehe mußte zwiespältig sein. Aus ihrer Praxis als Seelsorger war ihnen bewußt, daß die ihnen selbst durch das Zölibat auferlegte, kirchlicherseits so hoch bewertete sexuelle Enthaltsamkeit von der Mehrheit der Laien nicht zu erwarten war, und sie konnten sich immerhin auf den 1. Korintherbrief des Apostels Paulus (7,2 und 7,9) berufen, wonach die Ehe ein Zugeständnis an schwache Menschen, demnach ein Mittel gegen Unzucht war : Es sei besser freien, «denn Brunst leiden». Gleichwohl galt jede Form der Sexualität als von der Erbsünde belastet, sofern Geschlechtsverkehr nicht zu dem einzigen ihn rechtfertigenden Zweck erfolgte, nämlich zur Zeugung von Nachkommenschaft; Kinder in die Welt zu setzen und im chrisdichen Sinne aufzuziehen, wurde als verdienstvolle eheliche Pflicht angesehen. Während die Heirat den alten germanischen Volksrechten nach als weltlicher Privatvertrag aufgefaßt worden war, sicherte sich die Kirche ihren Einfluß, indem sie der Ehe die Weihe eines Sakraments verlieh. Dennoch wurde die Ehelosigkeit der Mönche und Priester aus der Sicht der Geistlichkeit weiterhin höher eingeschätzt als das Eheleben; auch Martin Luther, der den sexuellen Bedürfnissen von Mann und Frau gegenüber eine liberalere Haltung einnahm und Keuschheitsgelübde und Zölibat ablehnte, war der Meinung, daß Geschlechtsverkehr kaum ohne Sünde abgehe.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1991

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  • Elfriede Moser-Rath

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