Advertisement

«Wohlregulierte Haushaltung»

  • Elfriede Moser-Rath
Chapter

Zusammenfassung

Das Wort «Familie» ist in Deutschland erst im Laufe des 18. Jahrhunderts in die Umgangssprache eingegangen. Zuvor bezeichnete man die nächsten Angehörigen eines Mannes als «Weib und Kind», die gesamte Wohn- und Arbeitsgemeinschaft der Bauern- und Handwerkerfamilie mit gegebenenfalls mehreren Generationen, unverheirateten Verwandten und dem Gesinde als das «Haus». Im alltäglichen Verkehr der süddeutschen Landbevölkerung war bei besitzenden Bauern der gleichbleibende Hausname gebräuchlicher als der durch Einheirat oder Verkauf des Hofes wechselnde Familienname der Bewohner. Das Verbum «hausen» stand für Wohnen und Wirtschaften unter der Befehlsgewalt des Hausherrn und hatte nicht den heutigen Beigeschmack des Unordendichen; im Gegenteil, Balthasar Knellinger widmete eine Predigt speziell dem Thema «Kunst zuhausen», in der er seinen Zuhörern das in jeder Hinsicht vorbildliche Verhalten des Hausvaters im Weinberg nach dem Matthäusevangelium (20, 21) vor Augen hielt Wiewohl viele Eheleute meinten, so und soviele Jahre miteinander gehaust zu haben, verstünden sich, so Knellinger, nur wenige auf die wahre Kunst, sorgsam, fleißig, ehrlich und somit gottwohlgefällig mit ihrer Habe umzugehen. «Höre man nur die Nachbaren reden; O wie können / sagen sie / dise Leut so gar nicht hausen wiewolen ihnen bißhero noch niemahlen einiges grosses Unglück / als da seyn möchten Feursbrunst / Kriegs-Gewalt / diebischer Einbruch / rauberische Anfäll / oder dergleichen zugestanden / so gehet es doch mit ihnen von Tag zu Tag mehr Bergab.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1991

Authors and Affiliations

  • Elfriede Moser-Rath

There are no affiliations available

Personalised recommendations