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Forschungsstand und Vorgehensweise

  • Hartmut Dedert
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Zusammenfassung

Die Prosaerzählungen des Sturm und Drang reflektieren eine kurze, aber bedeutsame Phase der neueren deutschen Literaturgeschichte. Neben den dominanten Ausdrucksformen der Zeit versuchen auch sie, ihren Widersprüchen und Problemen mit utopischen Gegenentwürfen beizukommen, sie mit Zweifeln und kritischen Fragen zu bedenken. Obwohl sie dabei im einzelnen höchst bemerkenswerte Beiträge liefern und auch in ihrer Gesamtheit betrachtet ein überraschend buntes Bild ergeben, haben sie ihren historischen Ort freilich eher in den Außenbezirken der Bewegung. Einige der profiliertesten Stürmer, fasziniert vor allem von der mimetischen Suggestivkraft des Theaters, sehen ganz davon ab, mit den Möglichkeiten der kleinen Prosa zu experimentieren; andere widmen sich ihr allenfalls am Rande, zuweilen erst nach Abschluß ihres (dramatischen) Hauptwerks; und unter jenen Autoren, die sich ernsthaft um das Genre bemühen, lassen sich mehrere nur dem weiteren Umkreis des Sturm und Drang zuordnen oder setzen sich bereits kritisch mit seinen Positionen auseinander. Anders als die zentralen Gattungen der Geniezeit, die einen radikalen Neuanfang begründen, müssen sich die Erzählungen zudem in den meisten Fällen mit einem vergleichsweise schwachen Innovationspotential begnügen: Anstatt mit der Tradition zu brechen, übernehmen sie vielfach die von der Aufklärung bereitgestellten Modelle, um sie in einem Prozeß produktiver Aneignung mehr oder minder konsequent fortzuführen.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. etwa Kraft, Herbert: Um Schiller betrogen. Pfullingen 1978; oder Haas, Norbert: Spätaufklärung. Johann Heinrich Merck zwischen Sturm und Drang und Französischer Revolution. Kronberg 1975Google Scholar
  2. 2.
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  3. 3.
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  4. 4.
    Vgl. etwa Schneider, Ferdinand Josef: Die Prosaerzählung der Geniezeit. In: Ders.: Die deutsche Dichtung der Geniezeit. Stuttgart 1952, S. 289–342. Positive Ausnahmen, insofern sie die Erzählungen des achtzehnten Jahrhunderts in gewissem Umfang zumindest berücksichtigen, bilden allenfalls die Darstellungen von Newald, Richard: Von Klopstock bis zu Goethes Tod. 1750–1832. 6. Aufl. München 1973 (= Boor, Helmut de und Richard Newald: Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bd. 6,1); Kaiser, Gerhard: Aufklärung. Empfindsamkeit. Sturm und Drang. 2. Aufl. München 1976 (= Ders.: Geschichte der deutschen Literatur. Bd. 3); und Zmegac, Viktor (Hg.): Geschichte der deutschen Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Bd. 1,1. 1700–1848. Königstein 1979Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. hierzu etwa Herbst, Hildburg: Frühe Formen der deutschen Novelle im 18. Jahrhundert. Berlin 1985, S. 21 ff. (Im folgenden zitiert als ›Herbst 1985‹)Google Scholar
  6. 6.
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  9. 9.
    Vgl. etwa Arx, Bernhard von: Novellistisches Dasein. Spielraum einer Gattung in der Goethezeit. Zürich 1953, S. 16 f.; Bennett, E.K.: A History of the German Novelle. Revised and continued by H.M. Waidson. Cambridge 1961, S. 21 ff.; Pongs, Hermann: Grundlagen der deutschen Novelle des 19. Jahrhunderts (1930). In: Ders.: Das Bild in der Dichtung. Bd. 2. 3. Aufl. Marburg 1967, S. 110–183; hier S. 127; Wiese, Benno von: Novelle. 7. Aufl. Stuttgart 1978; hier S. 41 f. (Als rühmenswerte Ausnahme muß bereits Hellmuth Himmel gelten, der auf wenigen Seiten zumindest eine ›Vorgeschichte‹ zu skizzieren versucht. Vgl. Himmel, Hellmuth: Geschichte der deutschen Novelle. Bern. München 1963, S. 19 ff.)Google Scholar
  10. 10.
    Bennett, S. 21Google Scholar
  11. 11.
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  14. 14.
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  17. 17.
    op. cit., S. 76Google Scholar
  18. 18.
    Herbst, Hildburg G.: Frühe Formen der deutschen Novelle im achtzehnten Jahrhundert. Phil. Diss. Princeton 1979 (Im folgenden zitiert als ›Herbst 1979‹; vgl. Anm. 5)Google Scholar
  19. 19.
    Herbst 1985, S. 10Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. Borchmeyer, S. 1Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. etwa Rowland, Herbert: Matthias Claudius’s ›Paul Erdmanns Fest‹ and the Utopian Tradition. In: Seminar 18 (1982) Nr. 1, S. 14–26; oder Lohmeier, Anke-Marie: Arbeit und Autonomie. Über Johann Heinrich Mercks ›Geschichte des Herrn Oheims‹. In: GRM 32 (1982) H. 1, S. 29–59Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. Fink, Gonthier-Louis: Théologie, psychologie et sociologie du crime. Le conte moral de Schubart à Schiller. In: Recherches germaniques 6 (1976), S. 55–111; oder Pilling, Dieter: Der Anteil der Zeitschriften des 18. Jahrhunderts an der Entwicklung der Prosaerzählung in Deutschland. In: Impulse 6 (1983), S. 96–116Google Scholar
  23. 23.
    Pilling, Dieter (Hg.): Deutschsprachige Erzähler von Schubart bis Hebel. Leipzig 1976 (Vgl. die entsprechende Sammlung für die erste Hälfte des Jahrhunderts von Schubert, Werner (Hg.): Deutschsprachige Erzähler von Gottsched bis Nicolai. Leipzig 1979)Google Scholar
  24. 24.
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  25. 25.
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  26. 26.
    Heinzle, Joachim: Vom Mittelalter zum Humanismus. In: Polheim: Handbuch, S. 17–27; hier S. 17Google Scholar
  27. 27.
    Vgl. Siegrist, Christoph: Aufklärung und Sturm und Drang: Gegeneinander oder Nebeneinander? In: Hinck, S. 1–13; hier besonders S. 10Google Scholar
  28. 28.
    Polheim, Karl Konrad: Novellentheorie und Novellenforschung. Ein Forschungsbericht. 1945–1964. Stuttgart 1965, S. 43Google Scholar

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  • Hartmut Dedert

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