Advertisement

Wolff Oder die Lehrbuchform der Philosophie

  • Christiane Schildknechit
Chapter
  • 19 Downloads

Zusammenfassung

Während Descartes seinen Weg in der Philosophie mit Blick auf den versteckten Kompaß des Illuminismus findet, soll der Weg Wolffs ausschließlich dem Wegweiser »mathematische Methode« folgen. An die Stelle einer im engeren Sinne literarischen Form tritt dementsprechend eine Wissenschaftsform von Philosophie: das (philosophische) Lehrbuch, in seiner radikalsten Form zum (mathematischen) Lexikon kondensiert. Wie bei Platon die literarische Darstellungsform auf systematische Weise Komponenten der Nicht-Propositionalität philosophischen Wissens reflektiert, wie bei Descartes über den systematischen, ebenfalls auf den Aspekt der Nicht-Propositionalität bezogenen Zusammenhang hinaus zusätzlich ein externes Kriterium — der Aspekt der Tarnung — die Form der Darstellung markiert, so läßt sich auch bei Wolff ein systematischer Zusammenhang zwischen literarischer Form und philosophischem Inhalt konstatieren.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Notizen

  1. 118.
    Leibniz (1966), 9. Cf. darüber hinaus Leibniz, Discours de Métaphysique § 24 [Leibniz (1880)], sowie Spinoza, Ethica II, 40 [Spinoza (1978)]. Noch bei Leibniz steht die Intuition im Gegensatz zu jeglicher Art veimittelter Erkenntnis, wobei hier insbesondere die Simultaneität in der Auffassung der deutlich erkannten Merkmale eines Begriffs betont wird: »In der Tat können wir, wenn der Begriff sehr zusammengesetzt ist, nicht alle in ihn eingehenden Merkmale zugleich (Hervorhebung C.S.) denken, wo das doch möglich ist, oder wenigstens insofern es möglich ist, nenne ich die Erkenntnis intuitiv (Hervorhebung im Original). Von einem deutlichen, ursprünglichen Begriff gibt es keine andere als eine intuitive Erkenntnis […]« (Leibniz [1966], 11f.). Leibniz scheidet unter Rekurs auf Descartes Perzeptionen in klare und deutliche, wobei das Kriterium für Klarheit die Wiedererkennbarkeit, das für Deutlichkeit die Zerlegtheit in klare Bestandteile ist. Cf. Gabriel (1976) und (1984). Wolff identifiziert die klare und deutliche Erkenntnis Descartes’ mit seinem — aus dem Satz vom Widerspruch abgeleiteten erkenntnistheoretischen Prinzip des Satzes vom zureichenden Grund: »Clare igitur et distincta perceptio Cartesii, si re ad vivum resecetur, est eadem cum ratione sufficiente […]« (Ontologia § 321). Des weiteren heigt bei Leibniz eine nicht-deutliche, aber noch klare Erkenntnis »verworren« (»confus«), während eine nicht-klare Erkenntnis eine »dunkle« Erkenntnis ist. Wolff behält diese Unterscheidung bei und bestimmt den Unterschied von .klar. und »deutlich« in Übereinstimmung mit Leibniz folgendermaßen: Ein Begriff ist klar, »wenn ich aus meinen Gedancken die Sache erkennen kan, so bald sie mir vorkommet. (Kurtzer Unterricht § 6); analog dazu sind klare Gedanken so beschaffen, daß .wir gar wohl wissen, was wir dencken, und sie von andem unterscheiden können« (Dt. Met. § 198). Die Deutlichkeit ihrerseits entsteht aus der Klarheit: .Der klare Begriff ist deutlich, wenn ich einem sagen kan, aus was vor Merckmahlen ich die vorkommende Sache erkenne […1. (Kurtzer Unterricht § 8); deutliche Gedanken liegen dementsprechend dann vor, »wenn wir den Unterschied dessen, was wir gedenken, bestimmen, und also auch auf Erfordem ihn andern sagen können. (Dt. Met. § 206). Die Unterscheidung zwischen .klar. und »deutlich. umfaßt Perzeptionen, Begriffe, Ideen und die Erkenntnis als diejenige Handlung der Seele, die sich den Begriff oder die Idee einer Sache erwirbt (cf. Psych. emp. §§ 48ff., 52f.).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1990

Authors and Affiliations

  • Christiane Schildknechit

There are no affiliations available

Personalised recommendations