Advertisement

Süddeutsche Rheinbundstaaten

  • Ernst Weber
Chapter

Zusammenfassung

In allen wissenschaftlichen Arbeiten zur Befreiungskriegslyrik fehlt eine Darstellung der patriotischen und nationalen Lyrik in den süddeutschen Rheinbundstaaten Bayern, Baden und Württemberg. So konnte der Eindruck entstehen, als habe es sie nicht gegeben. Das dominierende Interesse an der preußischen Vorgeschichte des deutschen Nationalstaates hat dazu geführt, daß etwa ein Drittel des Textcorpus ‘Befreiungskriegslyrik’ ausgeschlossen blieb. So sucht man selbst dort vergeblich einen Hinweis, wo man sich — wie in Bayern — um den Nachweis einer neben dem Landespatriotismus schon immer vorhanden gewesenen nationalen Gesinnung bemühte.1

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Notizen

  1. 1.
    Siehe S. Riezler: Ebbe und Fluth deutscher Gesinnung. In: Beilage zur Allgemeinen Zeitung, Nr. 57, München 1901, S. 1–6;Google Scholar
  2. M. Doeberl: Bayern und die deutsche Erhebung. 1907.Google Scholar
  3. 2.
    Siehe die informative und sorgfältig differenzierende, auch die Unterschiede zu den Reformen in Preußen herausarbeitende Studie von E. Fehrenbach: Traditionale Gesellschaft und revolutionäres Recht. 1974.Google Scholar
  4. 3.
    Siehe: E. Hölzle: Württemberg im Zeitalter Napoleons und der deutschen Erhebung. 1937;Google Scholar
  5. A. Pf ister: König Friedrich von Württemberg und seine Zeit. 1888;Google Scholar
  6. A. Wohlwill: Weltbürgertum und Vaterlandsliebe der Schwaben, insbesondere von 1789 bis 1815. 1875. Friedrich war der erste unter den Rheinbündlem, der schon zu Beginn des Jahres 1813 Geheimverhandlungen mit Österreich führte mit dem Ziel, die Verbündeten zu unterstützen. Ihn, den Napoleon zum König erhoben hatte, motivierte allein die Sicherung der vollständigen Unabhängigkeit seines Staates, der ähnlich wie Baden in der Rheinbundzeit zu erheblichen Gebietsgewinnen gelangt war. Seine Haltung blieb jedoch bis zur Leipziger Schlacht schwankend. Vom Rieder Vertrag (3.10.1813) wurde er überrascht. Preußen gegenüber war er mißtrauisch. 1814 verweigerte er Steins Zentralverwaltungsbehörde den Zutritt zu seinem Land. Er opponierte gegen die Bestrebungen der preußischen Reformer, die um der nationalen Einigung willen die Mittelstaaten auf den Umfang von vor 1803 zurückführen wollten. Seine Angst vor dem Verlust der Souveränität ließ ihn von Preußen und Österreich Abstand und in dem Zaren seinen Protektor suchen. Aber Friedrich fürchtete auch wie andere Territorialfürsten das politische Erwachen seiner Untertanen und die damit verbundene Gefahrfür das durch die Aufhebung der Ständeverfassung (30.12.1805) erst verstärkte Machtmonopol. Die 100 000 Mann Landsturm, die er aufstellen mußte, ließ er nur mit Piken ausrüsten. Im Brief vom 24.4.1815 an Wintzingerode schreibt er: “Mit Hunderttausenden will man jetzt zu Felde ziehen, aber wie—auf die Folgsamkeit der Völker rechnen, auf ihren guten Willen, auf ihr Zutrauen zu den Monarchen, wenn die Stein, die Humboldt, die Gagern und ihre infamen Satelliten überall die Suprematie des Volkes gepredigt haben, wenn sie den Völkern die Sanktion der von den Monarchen ergriffenen Maßregeln zubilligen […]?” (Hölzle: Württemberg, S. 173;Google Scholar
  7. vgl. auch F. Schiele: Die Organisation des Landsturms in Württemberg 1814.1932.) Die Folge dieses absolutistischen Denkens war eine äußerst rigide Zensur und Unterdrückung aller nationalen Äußerungen im Lande. So entstanden keine Aufrufe, keine Flugschriften und keine Lyrik.Google Scholar
  8. 4.
    Vgl. B. Birk: Ein Jahrhundert Schwäbischer politischer und patriotischer Dichtung. Diss. München 1927.S. 81–83;Google Scholar
  9. R. Krauß: Das litterarische Leben in Württemberg. In: Schwäbische Litteraturgeschichte. Bd. 2, 1899, S. 403–438.Google Scholar
  10. O. Gerhardt: Die Württemberger im deutschen Befreiungskampf 1813–1815.1938, S. 33 f;Google Scholar
  11. 7.
    [J. Chr. Frh. von Aretin, Hg.]: Allemannia. Für Recht und Wahrheit. Sulzbach: Seidel 1815–16;Google Scholar
  12. siehe auch [Christoph von Aretin]: Was wollen wir. [o.O.] November 1813;Google Scholar
  13. Gespräch im Braustübchen über die Schrift: Was wollen wir? Straubing im November 1813 ;Google Scholar
  14. Eine mehr nationale Position bezieht der Verfasser von: Was sollen wir? Worte eines Baiern an das brave baierische Volk. München 1813.Google Scholar
  15. 9.
    Siehe die Festrede S. Riezlers zum 80. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold: Ebbe und Fluth, 1901 ;Google Scholar
  16. 10.
    Siehe z.B. die Flugschrift: Ueber Baiern’s bisheriges politisches Benehmen. Geschrieben im Januar 1814. Der Verfasser argumentiert damit, daß das Bündnis mit Napoleon einst notwendig war, da Österreich Bestand und Unabhängigkeit Bayerns bedroht hätte.Google Scholar
  17. 11.
    L. Scheibeck: Die deutsch-nationale Bewegung in Bayern 1806–1813. Diss. München 1913, S. 61f, S. 69f.Google Scholar
  18. 17.
    Scheibeck: Bewegung, S. 76. Münchner politische Zeitung, Nr. 264 (4.11.1813), S. 1241;Google Scholar
  19. K.Fr.G. Wetzel: Noch drei Lieder zum Oktoberfeuer. Bamberg 1815. — Ob auch die im Fränkischen Merkur, Nr. 327 (25.11.1813) angezeigten Einzeldrucke Ein deutscher Bauer an die besiegten Franzosen. In Knittelversen und Kriegslied der Kosacken in Bamberg gedruckt oder nur von der Kleeischen Papierhandlung vertrieben wurden, ließ sich nicht feststellen.Google Scholar
  20. 19.
    Eine weitere von [Georg Wilhelm ?] Zimmermann: Gesänge des Vaterlandes, der Freiheit und des Kampfes. Hof, Baireuth (1813 oder 1814) — angekündigt in Der Korrespondent von und für Deutschland, Nr. 38 (7.2.1814), S. 159 — ließ sich weder bibliographisch noch in den deutschen Bibliotheken nachweisen. Wetzeis Gedichtband Schriftproben, Bamberg 1814, enthält keine Befreiungskriegslyrik. Diese veröffentlichte er erst 1815 in Leipzig unter dem Titel Aus dem Kriegs- und Siegesjahre Achtzehnhundert Dreyzehn. Diese Sammlung war im Grunde nur für die literarische Kommunikation bestimmt.Google Scholar
  21. 51.
    Keine der einschlägigen pressehistorischen Arbeiten kennt dieses zwischen 1811 und 1815 erschienene Blatt, das nach J. Kirchner: Bibliographie der Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes bis 1900, Bd. 1, 1969, ein kultureller Ableger der Jahrgänge 12–16 des Baierischen Wochenblatts war. G. Hagelweide: Deutsche Zeitungsbestände, 1974, führt diese Zeitung nicht auf.Google Scholar
  22. 67.
    Gesellschaftsblatt, Nr. 93 (23.11.1814), Sp. 737f. Das Gedicht erschien anonym. Berlinische Nachrichten, Nr. 133 (5.11.1813). Christiane (auch Christine) Westphalen stammte aus Hamburg. Siehe auch: Gesellschaftsblatt, Nr. 39 (18.5.1814), Sp. 305, Ph. Schmid: Den Manen der in den Feldzügen 1813 und 1814 gebliebenen Teutschen.Google Scholar
  23. 84.
    Auch in Mannheim erschienen einige wenige Drucke, die heute nur z.T. noch greifbar sind: Teutsche Kraft und teutsche Treue. Blätter der Rückerinnerung. Mannheim 1814 (enthält mindestens ein Gedicht);Google Scholar
  24. 87.
    Gedichte enthalten auch: Heidelberger Wochenblatt. Heidelberg 1813–1815;Google Scholar
  25. 89.
    A. Waller: Baden und Frankreich in der Rheinbundzeit 1805–1813. Diss. Freiburg 1935, S. 146;Google Scholar
  26. zum Folgenden vgl. auch W. Windelband: Badens Austritt aus dem Rheinbund 1813. In: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins NF 25, 1910, S. 105.Google Scholar
  27. Fr. Weech: Badische Geschichte. 1890, S. 509.Google Scholar
  28. 94.
    Siehe E. Fehrenbach: Traditionale Gesellschaft und revolutionäres Recht. 1974.Google Scholar
  29. 95.
    Zitiert nach H. Haering: Die Organisation der Landwehr und Landsturm [sic!] in Baden in den Jahren 1813–14. In: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins NF 29. 1914. S. 473.Google Scholar
  30. 98.
    Zitiert nach K. Hoffmann: Baden im Deutschen Freiheitskriege 1813–14. 1913, S. 17.Google Scholar
  31. erneut mit Veränderungen abgedruckt in: G. Feuerlein: Gedichte. Nürnberg 1815, S. 32 ff, S. 50 ff, S. 55 ff (Titel hier: Preußens Wiedergeburt).Google Scholar
  32. Claudius: Der deutsche Jüngling. Diese Gedichte wurden 1813/14 mehrfach nachgedruckt.Google Scholar
  33. Hanauer privilegirte Wochennachricht, Nr. 32 (19.8.1814), S. 394. Gedruckt und vertrieben hat sie — wie nahezu die gesamte in Baden erschienene Befreiungskriegslyrik — Joseph Engelmann in Heidelberg. Daß dieser Lyrik veröffentlichte, entsprach nicht seinem Verlagsprogramm. [Zu J. Engelmann siehe: O. Reichel: Der Verlag Mohr und Zimmer in Heidelberg. Diss. München 1913, S. 59;Google Scholar
  34. W. Siebeck: Der Heidelberger Verlag von J.Chr.B. Mohr. Ein Rückblick. 1926, S. 66 f;Google Scholar
  35. H. v. Chézy: Gemälde von Heidelberg, Mannheim, Schwetzingen. Wegweiser für Reisende. Heidelberg 1816, S. 108;Google Scholar
  36. A. Schreiber: Heidelberg und seine Umgebung. Heidelberg 1811, S. 176.] Er brachte vor allem Reiseberichte und Kunstblätter heraus, während die von J.Chr.B. Mohr und J.G. Zimmer geführte Akademische Buchhandlung als der literarische (und wissenschaftliche) Verlag Heidelbergs galt, an den sich aufstrebende Autoren wandten. Engelmann war denn auch in erster Linie Buchdrucker, der — wie der Briefwechsel zwischen Zimmer und A. von Arnim zeigt, für Mohr druckte. Von diesem hatte er 1808 die Genehmigung zur Errichtung einer Druckerei übernommen, die Mohr selbst nicht nutzen konnte. Eine für den Verlag von Befreiungskriegslyrik aufschlußreiche Erklärung dafür, daß Engelmann sich für diesen Gattungstyp engagierte, liefert die Druckgeschichte von Rückerts Deutschen Gedichten. Aus dem Briefwechsel mit Abraham Voß sowie Zimmer geht hervor, daß Rückert Zimmer als seinen Verleger betrachtete (siehe Fr. Rückert: Briefe, hg. von Rüdiger Rückert, 1977, Bd. 1, S. 50), obgleich die Deutschen Gedichte in allen Anzeigen stets als Engelmanns Verlagsgut geführt werden. Zumindest bei Rückert scheinen sich Verleger und Drucker das Risiko, das mit dem Druck politischer Literatur verbunden war, geteilt zu haben. Das großherzogliche Dekret vom 25.2.1814, das “Verfassung, Druck und Verbreitung” der in Umlauf gekommenen aufwieglerischen Schriften unter strenge Strafe stellte (Großherzoglich Badisches Regierungsblatt. 12. Jg., 1.3.1814, S. 26f), dürfte seine Wirkung nicht verfehlt haben. Auch Chezys Blumen nahmen Mohr und Zimmer nur in Kommission, obgleich Chezy Autorin des Verlages war. Engelmann, der Drucker, stand offenbar mit seinem Namen für die politisch brisante Literaturein. Ob dies auch für die Ergießungen gilt, ob Mohr und Zimmer auch hier der Verleger und Engelmann nur der Drucker war, ließ sich nicht feststellen. — Mit Ausnahme des Rheinübergangsliedes und Ewalds Abhandlung Zwei Weissagungen wird keine der bei Engelmann verlegten Sammlungen im Heidelberger Wochenblatt angezeigt. Zwischen März 1814 und März 1815 entsteht bei den Buchanzeigen eine auffällige Lücke. Im Gegensatz zu den Monaten Januar und Februar 1814 wird nur noch selten publizistische Literatur angeführt. Ob dies politische Gründe oder mit der anzeigenden Verlagsbuchhandlung Schwan in Mannheim zu tun hatte, ließ sich nicht ermitteln.Google Scholar
  37. 125.
    Ebd., S. IV. Der Herausgeber täuscht sich, wenn er glaubt, daß er “die meisten der gedruckten Gesänge, die auf die hohe Angelegenheit der Menschheit Bezug” nehmen, gesichtet habe. Ihm kam nur ein kleiner Teil der 1813 verbreiteten Befreiungskriegslyrik in die Hände. Hier seien einige wichtige Sammlungen aufgeführt, die ihm offenbar nicht zur Verfügung standen, die ihm jedoch aufgrund ihrer Verbreitung durch literarisch gebildete Patrioten und Freiwillige hätten bekannt sein können: Jahn, Deutsche Wehrlieder, Heiligenstadt Ostern 1813 ;Google Scholar
  38. 126.
    Ebd., S. IV. Zum Herausgeber, seinem Bildungsstand und zum Ort der Zusammenstellung der Anthologie siehe Verf.: Preußische Lyrik im Rheinbundstaat Baden. In: Ergießungen, 1983, S. 3–6.Google Scholar
  39. 132.
    Friedrich Wilhelm III. in einer Kabinettsorder vom 31.12.1803. Zitiert nach H. König: Zur Geschichte der Nationalerziehung in Deutschland im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. 1960, S. 279.Google Scholar
  40. 147.
    Vgl. W. Schmitz: Friedrich Rückert und einige seiner Zeitgenossen. In: W. Schmitz (Hg.): Friedrich Rückert. Gedichte. 1988, S. 305–324.Google Scholar
  41. 174.
    A. Duhr (Hg.): Ernst Moritz Arndt. Briefe. Bd. 1, 1972, S. 449 (Arndt an Boisseré, 20.5.1815).Google Scholar
  42. 183.
    Siehe die richtungsgebenden, die ältere Forschung korrigierenden Ausführungen von G. Petrat: Das Intelligenzblatt — eine Forschungslücke. In: E. Blühm/H. Gebhardt (Hg.): Neue Beiträge zur Kommunikationsforschung. 1987, S. 207–231.Google Scholar
  43. Vgl. auch H. Böning: Das Intelligenzblatt als Medium der praktischen Aufklärung. In: JASL 12, 1987, S. 107–133,Google Scholar
  44. sowie jüngst die exemplarische Studie von Fr. Huneke: Die Lippischen Intelligenzblätter, 1989, in denen der Verf. u.a. ausführlich auf die Struktur der Leserschaft dieses Mediums eingeht.Google Scholar
  45. 183.
    G. Petrat: Das Intelligenzblatt, 1987, S. 217. Petrat spricht in diesem Zusammenhang von “semantischer”, “syntaktischer” und “pragmatischer” Ordnungsarbeit (bes. S. 212–220).Google Scholar
  46. 203.
    M. Welke: Zeitung und Öffentlichkeit im 18. Jahrhundert. In: E. Blühm (Hg.): Presse und Geschichte. 1977, S. 81;Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1991

Authors and Affiliations

  • Ernst Weber

There are no affiliations available

Personalised recommendations