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Politische Funktionalisierung der literarischen Tradition: der publizistische Einsatz patriotischer Lyrik des 18. Jahrhunderts in den Befreiungskriegen

  • Ernst Weber
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Zusammenfassung

“Wir haben uns bei diesen Gedichten [Arndt, Lieder für Teutsche] übrigens der Gleimschen Grenadierlieder aus dem siebenjährigen Kriege erinnert, die damals mit so allgemeiner Bewunderung aufgenommen wurden, und von welchen auch noch jetzt die allgemeine Meinung umgehet, daß sie vortrefflich seyen, wenn gleich Viele dieses glauben mögen, ohne sie zu kennen. Gewiß verdienen sie auch hohes Lob, weil gerade die Bewunderung, die sie erregten, beweiset, daß sie für die Zeit ihrer Erscheinung paßten. Aber, wie tief stehen diese Gedichte unter den Arndtschen! Eben so tief, als der Krieg von 1756 unter dem Kriege von 1813 steht! Es ist jetzt kaum möglich, den Grenadiergesang hinauszulesen. Aber Arndt’s Lieder haben vor den Gleimschen, stets in Einer Weise unendlich fortgehenden, Reimen nicht bloß die Glut des Gefühls, die Fülle der Gedanken, die Hoheit der Gesinnung, die Größe der Grundsätze voraus, sondern sie haben auch den Vorzug, daß sie fast Alle gesungen werden können, geistliche Lieder, wie weltliche, und zum Theil nach bekannten und beliebten Weisen.”1

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Notizen

  1. 1.
    Rezension von E.M. Arndt: Lieder für Teutsche. Im Jahr der Freiheit 1813. In: [H. Luden, Hg.]: Nemesis. Zeitschrift für Politik und Geschichte. Weimar: Fr.J. Bertuch, Bd. 1, 1814, S. 275f.Google Scholar
  2. 2.
    J. Schönert: Schlachtgesänge vom Kanapee. Oder: “Gott donnerte bei Losowitz”. In: Gedichte und Interpretationen 2. Aufklärung und Sturm und Drang, hg. von K. Richter. 1984, S. 126.Google Scholar
  3. 3.
    Die Forschung hat nach diesem politischen Bedeutungspotential nie gefragt. Im wesentlichen beschränkte sie sich darauf, akribisch die “Übernahme ganzer Vorstellungs- und Wortreihen” nachzuweisen (G. Adam: Die vaterländische Lyrik. 1962, S. 67). Adam, O. Richter (Die Lieblingsvorstellungen der Dichter des deutschen Befreiungskrieges. 1909), G. Lange (Der Dichter Arndt. 1910), A. Köhler (Die Lyrik Max von Schenkendorfs. 1915) u.a. suchten zwar auch “die Übereinstimmung im Gedanklichen” (Adam: Lyrik, S. 71). Größeren Wert jedoch legte man auf den Nachweis wörtlicher Entsprechungen, vor allem in den Studien zu Körner. Bei ihm konstatierte man eine “rein literarische Abhängigkeit von Schiller” (Adam: Lyrik, S. 67;Google Scholar
  4. siehe auch G.E. Reinhard: Schillers Einfluß auf Th. Körner. 1899;Google Scholar
  5. E. Ermatinger: Die deutsche Lyrik. 1921;Google Scholar
  6. K. Berger: Th. Körner. 1912). Die Autoren wurden als “Eklektiker” abgestempelt, die auf den Schultern anderer stünden (Köhler: Schenkendorf, S. 68, S. 142;Google Scholar
  7. Lange: Arndt, S. 91) — “das Thema war neu, die Formen blieben dieselben” (E. Groß: Einleitung zu Max von Schenkendorf: Gedichte. 1911, S. LXIII). So erscheint Arndt als “volkstümlich gewordener Klopstock” (D.A. Schmidt: Klopstock, der Vater unserer Vaterlandsdichtung. In: Preuß. Jahrbücher 97, 1899, S. 490), Körner als Schiller-Epigone und Schenkendorf als romantisierender Arndt (Adam: Lyrik, S. 70ff).Google Scholar
  8. 5.
    Vgl. K. Goedeke: Grundriß zur Geschichte der Deutschen Dichtung. Bd. 7, Dresden 21890, S. 856, Nr. 58;Google Scholar
  9. 23.
    Kant, zitiert nach O. Dann: Vernunftfrieden und nationaler Krieg. Der Umbruch im Friedensverhalten des deutschen Bürgertums zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In: W. Hubatsch/J. Schwerdtfeger: Kirche zwischen Krieg und Frieden. 1976, S. 169–224, hier S. 170.Google Scholar
  10. 40.
    Zur Vorgeschichte siehe G. Kaiser: Pietismus und Patriotismus im literarischen Deutschland. Ein Beitrag zum Problem der Säkularisation. Frankfurt/M. 1961.Google Scholar
  11. 43.
    Bis Mitte des Monats waren folgende wichtige Titel erschienen: von Arndt der Kurze Katechismus für teutsche Soldaten, die Fünf Lieder für deutsche Soldaten und Lieder, dem Vaterlande gesungen im März 1813;Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1991

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  • Ernst Weber

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