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August Graf von Platen (1796–1835)

  • Friedrich Sengle
Chapter

Zusammenfassung

Platen gehört, wie Heine, sein feindlicher Bruder, zu den umstrittensten Dichtern deutscher Sprache. In solchen Fällen ist es besonders ratsam, nicht mit Werturteilen zu beginnen, sondern sich ernsthaft um ein historisches Verständnis zu bemühen; denn die Geschichte gibt, ohne die letzte Instanz zu sein, manchem Streitpunkt erst die ihm zukommende Bedeutung. Und gerade Platen ist, trotz seines Ewigkeitsanspruches, ein echter Sohn der Restaurationsepoche und an keiner anderen historischen Stelle zu denken. Die Versuche, ihn einseitig der Klassik oder der Romantik zuzuordnen, mußten von vornherein vergeblich sein, denn das Erbe beider Richtungen ist seit 1815 selbstverständlich, ebenso das bei Platen zu beobachtende Schwanken zwischen der Klassik- und Romantiktradition*. Auch die Vorstellung, er sei im Grunde schon ein heimlicher Angehöriger der nachrealistischen Kunstperiode, ein Verwandter Stefan Georges oder noch jüngerer Dichter gewesen, ist bei ihm ebenso irreführend wie bei anderen Dichtern dieser zwiege-sichtigen, ebenso vorwärts wie rückwärts blickenden Periode. Solche Stilisierungen sind nicht besser als die marxistischen Interpretationen, die das Vormärz-Element in Platen übersteigern und ihn zum Verwandten Bert Brechts machen [1].

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Anmerkungen

  1. 1.
    August Graf von Platen, Dichtungen, hg. v. Günther Voigt, Berlin 1957, Einleitung,Google Scholar
  2. vgl. dagegen Paul Reimann, Hauptströmungen der deutschen Literatur 1750–1848, Beiträge zu ihrer Geschichte und Kritik, Berlin 1956, S. 652–656.Google Scholar
  3. 3.
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  4. Vgl. auch Roger Paulin, Six Sapphic Odes 1753–1934, in: Seminar, X, 3 (Sept. 1974), S. 187.Google Scholar
  5. 4.
    Vgl. Romantik. Mit Beiträgen von Joh. Bekh, H. Graßl u. a., München 1973 (Reihe Bayern für Liebhaber). Das Buch enthält einen Abschnitt über Platen. Dgl. Michael Dirrigl, Residenz der Musen: München Magnet für Musiker, Dichter und Denker, München 1968, Kapitel über Platen: S. 333–358.Google Scholar
  6. 5.
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    Vgl. dagegen K. Wölfel, Platens poetische Existenz, Diss. Würzburg 1951, S. 130.Google Scholar
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Authors and Affiliations

  • Friedrich Sengle

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