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Friedrich Hebbel (1813–1863)

  • Friedrich Sengle
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Zusammenfassung

In der Einleitung zu seinem Hebbelessay in dem von Benno von Wiese herausgegebenen Sammelband Deutsche Dichter des 19. Jahrhunderts (Berlin 1969, 2. Aufl. 1978) macht Helmut Kreuzer, nach einem Rückblick auf die bisherige Hebbelwirkung, darauf aufmerksam, daß der Streit um den Dichter unvermeidlich erscheint: »Es ist offenbar schwer, Hebbel gelassen und rein literarisch zu würdigen, und anscheinend bislang unmöglich, ein Urteil über ihn abzugeben, das nicht entweder selber ambivalent oder kontradiktorisch auf ein anderes zu beziehen ist. Er reizt mehr als andere deutsche Künstler seiner Generation (Richard Wagner ausgenommen) zu einer subjektiv-persönlichen, oft pathetisch-emotionell oder moralisch gefärbten Rezeption, und er verführt den Kritiker (Freunde wie Gegner) dazu, mit ihm zu rechten und mit anderen über ihn zu streiten. Darin bezeugt sich eine eigentümliche Kraft seines Werkes, das abweisend spröde anmutet und doch nie zum Gegenstand unbetroffener, einmütig konventionalisierter Pietät geworden, sondern einer Schicht von Kennern im literarischen Leben Anlaß der Parteiung, Gegenstand der Auseinandersetzung geblieben ist und sich (wie neuerdings auf dem Bildschirm) auch auf der Bühne, ohne sie je triumphal erobert zu haben, hartnäckig behauptet« [1]. Man kann hinzufügen, daß nicht nur Richard Wagner, sondern auch andere um 1800 geborene Dichter die literarische Kritik zur Überschätzung oder zur Unterschätzung herausgefordert haben. Ich nenne nur Heine, Nestroy, Grabbe und auf der konservativen Seite Stifter, Gotthelf, Mörike. Die Biedermeierzeit ist nicht mehr verachtet, sondern sie erscheint heute als eine der interessantesten deutschen Literaturperioden; aber die Spannung zwischen Restauration und Revolution, die sie aktuell macht, fördert auch den Streit um ihre Dichter.

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Anmerkungen

  1. 2.
    Felix Bamberg, lieber den Einfluß der Weltzustände auf die Richtungen der Kunst, und über die Werke Friedrich Hebbel’s, Hamburg 1846, S. 19.Google Scholar
  2. 7.
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  5. 10.
    Unter andern korrigiert Detlef Cölln (Friedrich Hebbel und seine Heimat, Hebbel-Jahrbuch 1949/50, S. 82–111) diese Meinung, hält aber wohl noch zu stark am Dithmarschen-Mythos fest.Google Scholar
  6. 13.
    Darüber vgl. Friedrich Sengle, Das historische Drama in Deutschland, Stuttgart 21974, S. 145 ff.Google Scholar
  7. 14.
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