Advertisement

Karl Immermann (1796–1840)

  • Friedrich Sengle
Chapter
  • 30 Downloads

Zusammenfassung

Immermann ist zu interessant, ja, in einem noch näher zu bestimmenden Sinne zu gewichtig, als daß ihn die Literaturgeschichte übergehen könnte. Trotzdem gibt es keine Immermann-Gemeinde. Es gibt keinen Immermann-Kult, — wenn man nicht die etwas mühsamen kommunistischen Annäherungsversuche als solche ansprechen will. Zur Rechtfertigung dieser Minderbewertung könnte man ein Riesenaufgebot verläßlicher Zeugen aufbieten. Von Grillparzer und F. Th. Vischer bis zu Erich Schmidt und Friedrich Gundolf kommen fast alle berufenen Kritiker, wieviel sie auch immer im einzelnen an Immermann rühmen mögen, zu dem Gesamturteil, daß Immermann kein wirklicher Dichter gewesen ist. Das Alter und die Häufigkeit dieser Wertung machen es sicher, daß nicht nur eine einseitige, zum Beispiel klassizistische, naturalistische oder ästhetizistische Auffassung des Sprachkunstwerks zu dieser Beurteilung des Dichters führte. Hätten wir es nur mit solcher Einseitigkeit zu tun, so gäbe es wie bei Heine, Platen, Stifter und Gotthelf einen Streit, eine Parteien- und Gemeindebildung um ihn. Sein Fall liegt aber grundsätzlich anders. Bei den verschiedensten Geistern und Temperamenten überwog am Ende ein unüberwindliches, tiefbegründetes Mißbehagen jede partielle Bewunderung*.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    Hans-Georg Gadamer, Karl Immermanns »Chiliastische Sonette«, in: NR, Jg. 60 (1949), S. 491.Google Scholar
  2. 3.
    David Friedrich Strauß, Kleine Schriften, Leipzig 1862, S. 198.Google Scholar
  3. 4.
    Vgl. Manfred Windfuhr, Immermanns erzählerisches Werk, Zur Situation des Romans in der Restaurationszeit, Gießen 1957, S. 73 f.Google Scholar
  4. 5.
    Franz Grillparzer, Sämtliche Werke, hg. v. August Sauer und Reinhold Backmann, 1. Abt., Bd. 14/15, Wien 1925, S. 109.Google Scholar
  5. 6.
    Eduard Devrient, Geschichte der deutschen Schauspielkunst, in zwei Bänden neu hg. v. Rolf Kabel und Christoph Trilse, Bd. 2, München/Wien 1967, S. 231 ff.Google Scholar
  6. 8.
    Karl Immermann, Werke in fünf Bänden, hg. v. Benno von Wiese, Bd. 4, Frankfurt/M. 1973, S. 47 f.Google Scholar
  7. 9.
    Norbert von Hellingrath, Hölderlin-Vermächtnis, Forschungen und Vorträge, eingel. v. Ludwig v. Pigenot, München 21944, S. 276. Hervorhebung von mir.Google Scholar
  8. 15.
    Ralf Stamm, Ludwig Tiecks späte Novellen, Grundlage und Technik des Wunderbaren, Stuttgart u.a. 1973.Google Scholar
  9. 24.
    Heinrich Laube, Gesammelte Werke, hg. v. Heinrich Hubert Houben, Bd. 49, Leipzig 1909, S. 268–284, die folgenden Zitate S. 270, 276 und 277.Google Scholar
  10. 26.
    Friedrich Engels, Immermanns »Memorabilien« (1841), in: Meisterwerke deutscher Literaturkritik, hg. v. Hans Mayer, Bd. 2, Berlin 1956, S. 255.Google Scholar
  11. 28.
    Bruno Hillebrand, Immermann und die Geschichte, in: Sprache und Bekenntnis, Fs. f. Hermann Kunisch, Berlin 1971, S. 231.Google Scholar
  12. 35.
    Walter Höllerer, Zwischen Klassik und Moderne, Lachen und Weinen in der Dichtung einer Übergangszeit, Stuttgart 1958, S. 229.Google Scholar
  13. 37.
    Alexander Jung, Vorlesung über die moderne Literatur der Deutschen, Danzig 1842, S. 102 f.Google Scholar
  14. 39.
    Bernd Kortländer und Axel Marquardt, Poetische Kontaktstellen, Die Anregungen Ch. B. Schlüters zu Gedichten der Droste, in: Kleine Beiträge zur Drosteforschung, Nr. 4 (1976/77), S. 22–52.Google Scholar
  15. 41.
    Karl Immermann, Sein Werk und sein Leben, Bad Homburg u.a. 1969, S. 42.Google Scholar
  16. 59.
    Friedrich Sengle, Das historische Drama in Deutschland, Geschichte eines literarischen Mythos, Stuttgart 21969, S. 154.Google Scholar
  17. 63.
    Adolf Stahr, Karl Immermann (1844), in: A. St., Kleine Schriften zur Litteratur und Kunst, Bd. 2, Berlin 1872, S. 75.Google Scholar
  18. 70.
    Michael Beer, Briefwechsel, hg. v. Eduard von Schenk, Leipzig 1837, S. 121.Google Scholar
  19. 74.
    Immermann, Tulifäntchen, ein Heldengedicht in drei Gesängen, mit den Änderungsvorschlägen von Heinrich Heine und einem Dokumentenanhang, hg. v. Peter Hasubek, Stuttgart 1968, S. 142.Google Scholar
  20. 77.
    Renate Böschenstein-Schäfer, Idylle, Stuttgart 1967, S. 2 ff.Google Scholar
  21. 78.
    Max Kommereil, Immermann und das 19. Jahrhundert, in: M. K., Essays, Notizen, Poetische Fragmente, hg. v. Inge Jens, Olten und Freiburg i.B. 1969, S. 216 f.Google Scholar
  22. 112.
    Karl Immermanns »Epigonen«, in: H. M., Von Lessing bis Thomas Mann, Pfullingen 1959, S. 247–272, hier S. 265 f., 272.Google Scholar
  23. 113.
    Gustav zu Putlitz, Karl Immermann, Sein Leben und seine Werke aus Tagebüchern und Briefen an seine Familie zusammengestellt, Bd. 2, Berlin 1870, S. 153.Google Scholar
  24. 114.
    Immermann, S. 183 f. Neuerdings vergleiche auch: Heinz Josef Halm, Formen der Narrheit in Immermanns Prosa, Marburg 1972.Google Scholar
  25. 119.
    Z.B. Fritz Rumler, Realistische Elemente in Immermanns »Epigonen«, Diss. München 1964, S. 76.Google Scholar
  26. 120.
    Ich denke an die Arbeiten und an die Anthologie von Gonthier-Louis Fink, bes.: Die Bildung des Bürgers zum »Bürger«, Individuum und Gesellschaft in »Wilhelm Meisters Lehrjahren«, in: Recherches germaniques Bd. 2, hg. v. Fink, Strasbourg 1972, S. 3–37.Google Scholar
  27. 124.
    Wolfgang Pross, Jean Pauls geschichtliche Stellung, Tübingen 1975, S. 170 ff.Google Scholar
  28. 129.
    Gutzkow, Götter, Helden, Don-Quixote, Abstimmungen zur Beurtheilung der literarischen Epoche, Hamburg 1838, S. 158 (Erstdruck). Deutlicher heute bei Joachim Worthmann (Probleme des Zeitromans, Heidelberg 1974, S. 52): »Zeitreflexion und Abenteuerhandlung klaffen in der Gestaltung auseinander.«Google Scholar
  29. 132.
    Werner Hahl, Gesellschaftlicher Konservativismus und literarischer Realismus, in: Realismus und Gründerzeit, Manifeste und Dokumente zur deutschen Literatur 1848–1880, hg. v. Max Bucher u.a., Bd. 1, Stuttgart 1975, S. 50, 71–93.Google Scholar
  30. 137.
    Gustav Konrad, Immermanns ›Münchhausen‹, in: Acta Germanica, Bd. 3, 1968, S. 170, 183.Google Scholar
  31. 138.
    Dimiter Statkov, Über die dialektische Struktur des Immermann-Romans »Münchhausen«. Zum Problem des Übergangs von der Romantik zum Realismus, in: WB, Bd. 11 (1965), S. 203.Google Scholar
  32. 140.
    Siegfried Kohlhammer, Resignation und Revolte, Immermanns »Münchhausen«: Satire und Zeitroman der Restaurationsepoche, Stuttgart 1973, S. 108.Google Scholar
  33. 142.
    Ansätze dazu bei William Mc Clain (K. L. Immermann’s Portrait of a Folk-Hero in Münchhausen, Studies in German Literature of the 19th and 20th Centuries, hg. v. S. Mews, Chapel Hill 1970, S. 55–63). Er betont die heroische Tragik des Hofschulzen wohl zu stark, sieht aber richtig, daß der Erzähler die (groteske!) heroische Selbständigkeit des Bauern durch das weniger traditionelle Selbständigkeitsideal des Diakonus korrigiert. Die Naivität des Bauern wird noch nicht zu einer absoluten Norm!Google Scholar
  34. 143.
    Jeffrey L. Sammons, Six Essays on the Young German Novel, Chapel Hill 1972, S. 141.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1980

Authors and Affiliations

  • Friedrich Sengle

There are no affiliations available

Personalised recommendations