Advertisement

Karl Postl, Pseud. Charles Sealsfield (1793–1864)

  • Friedrich Sengle
Chapter
  • 30 Downloads

Zusammenfassung

Karl Postl, der zunächst anonym oder als C. Sidons publizierte, später aber die literarische und persönliche Rolle eines Amerikaners namens Charles Sealsfield spielte, war in den 1840er Jahren wie Stifter und Gotthelf ein gefeierter Prosaerzähler, in der liberalen Kritik der gefeiertste. Seinen Ruhm verlor er, nach der Meinung seines phantasievollen Biographen Eduard Castle (Der große Unbekannte, Das Leben von Charles Sealsfield, Wien und München 1952), durch die hartnäckige Vernachlässigung seines Stuttgarter Verlegers Erhard (Metzlersche Verlagsbuchhandlung) und durch den bösen Willen der hinter Erhard stehenden Freimaurer. Die Leser dieses Buches wissen, daß fast alle Dichter der Biedermeierzeit durch die kritischen Schläge der jungen programmatischen Realisten ausgeschaltet wurden und daß die Prosaerzähler am härtesten von diesem Schicksal betroffen wurden, weil sie den neuen Maßstäben einer nicht nur handwerklichen (rhetorischen), sondern »künstlerischen« (Tendenz, Reflexion, Detailrealismus vermeidenden) Erzählweise nicht entsprachen. Das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschende Sealsfield-Bild erscheint noch in R. M. Meyers weitverbreiteter Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts: »Der entflohene Mönch Postl war wirklich zum amerikanischen Pflanzer Sealsfield geworden. Hatte er doch auch seine Vatersprache fast verlernt und sich durch Anpassung an die Redeweise der Yankees, der spanischen und französischen Ansiedler ein transatlantisches Kauderwelsch‹ zusammengebraut. Gleich sorglos ist er in der Komposition; er läßt wohl ganz einfach, wie im 17. [sic] Jahrhundert die altväterische ›Insel Felsenburg‹, eine Anzahl Reisende zusammenkommen und nun jeden seine Geschichte erzählen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    Richard M. Meyer, Die deutsche Literatur des neunzehnten Jahrhunderts, Berlin 1900, S. 98.Google Scholar
  2. 2.
    Eduard Frank, Probleme einer Sealsheld-Edition, in: Sudetenland, Bd. 7 (1965), S. 310–316.Google Scholar
  3. 4.
    Adolf E. Schroeder, A Century of Sealsfield Scholarship, in: Society for the History of the Germans in Maryland, Thirty-Second Report, Baltimore 1966, S. 14.Google Scholar
  4. 5.
    Felix Bornemann, Katalog der Charles-Sealsfield-Gedächtnisausstellung anläßlich des 100. Todestages des Dichters, Stuttgart 1964, S. 35.Google Scholar
  5. 11.
    Walter Weiss, Der Zusammenhang zwischen Amerika-Thematik und Erzählkunst bei Charles Sealsfield, in: Litwiss. Jb. d. Görresges., N.F., Bd. 8 (1967), S. 95–117. Vorsichtigere Formulierung bei Weiss, Charles Sealsfield, in: Tausend Jahre Österreich, hg. v. Walter Pollak, Bd. 2, Wien und München 1973, S. 62.Google Scholar
  6. 12.
    Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart, hg. v. Hans-Günther Thalheim u.a., Bd. 8,1: Von 1830 bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts, Berlin 1975, S. 115.Google Scholar
  7. 14.
    Ritter, Charles Sealsfields gesellschaftspolitische Vorstellungen und ihre dichterische Gestaltung als Romanzyklus, in: Jb. d. dt. Schillerges. Jg. 17 (1973), S. 395–414, bes. 399 ff.Google Scholar
  8. 16.
    Eduard Castle, Der große Unbekannte. Das Leben von Charles Sealsfield (Karl Postl), Wien und München 1952, S. 154.Google Scholar
  9. 17.
    Auch Ritter, der sonst die amerikanische Komponente stark betont, äußert sich gelegentlich in diesem Sinn (Bemerkungen zur Exilsituation Charles Sealsfields anläßlich wiedergefundener Brieftexte, in: Lit.wiss. Jb. d. Görresges., N.F., Bd. 14 (1975), S. 416.Google Scholar
  10. 18.
    Karl J. R. Arndt, Sealsfield’s Command of the English Language, in: MLN, Bd. 67 (1952), S. 310–313.Google Scholar
  11. 22.
    Bernhard Fehr, Die englische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, Potsdam 1931, S. 153.Google Scholar
  12. 23.
    Arndt, The Litigious Mr. Sealsfield, in: MLN, Bd. 78 (1963), S. 527–532.CrossRefGoogle Scholar
  13. 24.
    Ders., Newly discovered Sealsfield relationships documented, in: MLN, Bd. 87 (1972), S. 464.CrossRefGoogle Scholar
  14. 28.
    Neudruck in den S. W., hg. v. Arndt, Bd. 3. »Die erste unzureichende [deutsche] Übersetzung… von 1834« fand »wenig Verbreitung« (Ritter, Charles Sealsfield, in: Deutsche Dichter des 19. Jahrhunderts, hg. v. Benno v. Wiese, Berlin 21979, S. 110).Google Scholar
  15. 31.
    Manfred Windfuhr, Heinrich Heine. Revolution und Reflexion, Stuttgart 21976, S. 144.Google Scholar
  16. 33.
    Hildegard Emmel, Recht oder Unrecht in der Neuen Welt. Zu Charles Sealsfields Roman »Der Legitime und die Republikaner«, in: Amerika in der deutschen Literatur, hg. v. S. Bauschinger, H. Denkler und W. Maisch, Stuttgart 1975, S. 75–80.Google Scholar
  17. 37.
    Alfred Hartmann, Der deutsch-amerikanische Romantiker, Gartenlaube 1864, in: Thomas Ostwald, Charles Sealsfield, Braunschweig 1976, S. 41 f.: »die meiste künstlerische Abrundung«.Google Scholar
  18. 41.
    Dies gegen die zu starke Systematisierung durch Ritter, der in seinen Schriften nicht nur eine »Reaktion auf die etablierte europäische Staats- und Gesellschaftsordnung«, sondern auch eine solche »auf die Inhumanität der technisch-industriellen Entwicklung« erblickt. Diese Verschärfung von Sealsfields Konturen durch Ritter hängt mit der Überbetonung der »konservativen Agrarromantik« des Erzählers zusammen (Charles Sealsfield, 21979, S. 118 und 108).Google Scholar
  19. 57.
    Nach der übereinstimmenden Meinung von Oskar Hackel (Die Technik der Naturschilderung in den Romanen von Charles Sealsfield, Prag 1911, S. 47 f., 68 f.) und Gerhard Muschwitz (Charles Sealsfield und der exotische Roman, Diss. Hannover 1969, S. 149) nehmen die metaphorische Hyperbolik und der Exotismus im Laufe von Sealsfields Entwicklung zu. Nach Muschwitz (S. 193) ist »Süden und Norden« Sealsfields »exotischstes« Werk.Google Scholar
  20. 59.
    Norman L. Willey, Sealsfield’s Unrealistic Mexico, in: Monatshefte, Bd. 48 (1956), S. 127–136.Google Scholar
  21. 62.
    Max L. Schmidt, Amerikanismen bei Charles Sealsfield, Würzburg 1937.Google Scholar
  22. 63.
    Gunter G. Sehm, Charles Sealsfields Sprache im ›Kajütenbuch‹, eine linguistische Studie, Jahresgabe der Charles Sealsfield-Ges., Stuttgart 1975, S. 3.Google Scholar
  23. 70.
    Charles Sealsfield. Besonderheit und Grenzen eines Schriftstellers, Diss. Bonn 1955.Google Scholar
  24. 79.
    Aus einer Auseinandersetzung in den »Deutsch-amerikanischen Wahlverwandtschaften« (1839/40) nach Bernhard Uhlendorf, Sealsfield und seine Zeitgenossen, in: Der Wächter, Bd. 7 (1924), S. 549.Google Scholar
  25. 80.
    Weiss, Der Zusammenhang zwischen Amerika-Thematik und Erzählkunst, S. 116 f.; Gerhard Friesen, The German Panoramic Novel of the 19th Century, Bern und Frankfurt 1972.Google Scholar
  26. 82.
    Jutta Faber, Friesen-Rezension, in: Aurora Bd. 34 (1974), S. 107.Google Scholar
  27. 92.
    Hugo von Hofmannsthal, Ges. Werke, hg. v. Herbert Steiner, Prosa III, Frankfurt/M. 1952, S. 108.Google Scholar
  28. 93.
    Fritz Peter Kirsch, Probleme der Romanstruktur bei Victor Hugo, Wien 1973, S. 21 f., 273.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1980

Authors and Affiliations

  • Friedrich Sengle

There are no affiliations available

Personalised recommendations