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»Herher, frisch dran, cristliche gemein!«: Zur Strategie der Überredung

  • Jürgen Schutte
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Zusammenfassung

Im Rückgang auf das Evangelium und dessen Auslegung im Sinne einer gewandelten Wirklichkeitsauffassung enthüllt die lutherische Theologie den theologisch fundierten Herrschaftanspruch der Kirche als Ideologie. [1] Die Forderung nach der Auslieferung des unverkürzten Wortes Gottes auch an die Laien stößt folgerichtig zentral auf die Frage nach einer Legitimierung der Herrschaft — und zwar auch der weltlichen, sofern diese sich theologisch begründete. Deswegen tritt in der konfessionellen Polemik mindestens seit Luthers großen Programmschriften von 1520 die Frage nach den Herrschaftspositionen der Kirche und den Medien ihrer Reproduktion ins Zentrum der Erörterung: »Die Lehre von der Kirche, vom Amt, vom Primat des Papstes« auf der einen, die Frage der Sakramente auf der anderen Seite. [2] Um diese Themen kreisen wesentlich die verschiedenen Streitschriften Murners gegen Luther und auch im Lutherischen Narren bilden sie, spezifisch verkürzt, den Problemhorizont im engeren Sinne. Das geht bündig aus der Feststellung des Exorzisten hervor, die besten Hilfsmittel zur Beschwörung der groß gefiltzten doren seien Der bobst / die pfaffheit / sacrament (LN 1549 ff.).

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Anmerkungen und Exkurse

  1. 75.
    Das Glaubensbekenntnis des Autors ist ein »Mythos« im Sinne der semiologischen Theorie Barthes’, eine gestohlene und zurückgegebene Aussage: »Nur ist die Aussage nicht mehr ganz dieselbe, die man entwendet hat.« Die Analogie zwischen Murners Glaubensbekenntnis und dem des Lesers erscheint als Identität; dabei ist Murners reales Verhältnis zur Autorität durchaus nicht mit der völligen Identifizierung vereinbar, die der LN erreichen will; ebensowenig ist die reale Lage der Leser des LN mit der des Autors vergleichbar (Roland Barthes, Mythen des Alltags. — Frankfurt a. M. 1964, bes. S. 107 f.).Google Scholar
  2. 79.
    Nach Luther, Grund und Ursach aller Artikel, 1521 (WA VII, 317).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1973

Authors and Affiliations

  • Jürgen Schutte

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