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»sich dem marckt vergleichen«: Die Narrensatire als Mittel der Apologetik

  • Jürgen Schutte
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Zusammenfassung

Im Übergang von der Streitschrift zur Satire gewinnt die gegenreformatorische Agitation Murners eine neue Qualität. Das rücksichtslose Hin und Her der Schmähungen hatte inzwischen einen Punkt errreicht, an dem sich die hyperbolischen Schimpf — tiraden beider Seiten gegenseitig aufhoben; eine Überbietung schien nicht mehr sinnvoll und möglich. Michael Stifels Invektive Wider D. Murnars falsch erdycht lyed: von dem under gang Christiichs glaub ens […] [1] und Murners Replik auf diesen mit höchst persönlichen Anzüglichkeiten und Derbheiten gespickten Angriff [2] werden mit einigem Recht als Übergang von der vornehmlich »sachlichen Kampfesweise zur persönlichen Satire« gewertet. [3] Die Vorstellung von einer allmählich sich verstärkenden Polemik, die in der Satire auf ihre Spitze getrieben wird, macht jedoch den qualitativen Unterschied unkenntlich, der für das zeitgenössische wie moderne Bewußtsein zwischen polemischer und satirischer Schärfe besteht, und der jedenfalls nicht mit dem Unterschied zwischen sachlich-enragierter und persönlich-anzüglicher Behandlung eines Gegners zusammenfällt. Einer ersten Charakterisierung des Lutherischen Narren dient daher eher der Hinweis, daß die Schärfe und Unerbittlichkeit der Verurteilung gegenüber den vorausgegangenen Streitschriften auf weite Strecken eher herabgemildert scheine; ein Eindruck, der unmittelbar mit der Einkleidung in die Narrenmaske zusammenhängt. [4] Zwar hat Murner ohne Zweifel die »bissigste Reformationssatire« [5] geschrieben; aber er hat eine Satire verfaßt, ein Werk, das auch eine literarische Funktion hat und diese keineswegs verleugnet.

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Anmerkungen und Exkurse

  1. 43.
    Alles nach Sengle, Die literarische Formenlehre — Stuttgart 1967, S. 24.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1973

Authors and Affiliations

  • Jürgen Schutte

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