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Auffassung und Gebrauch der Dichtung

  • Friedrich Sengle
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Zusammenfassung

Mit gutem Sinn beschließt H. A. Korff sein vierbändiges Werk Geist der Goethezeit mit einem Kapitel über »Die Vollendung der Kunstphilosophie«. Während nämlich die Kunst und die Dichtung der Goethezeit alles andere als einheitlich sind und jeder ideengeschichtlichen Systematisierung einen unüberwindlichen Widerstand entgegensetzen, kann auf dem Gebiet der Ästhetik der Nachweis einer zusammenhängenden, »organisch« sich vollendenden Entwicklung einigermaßen gelingen. Von den Kunstphilosophien der Goethezeit darf mit einem gewissen Recht behauptet werden, daß sie in dem »Menschenalter zwischen 1790 und 1820« trotz aller Unterschiede im einzelnen »im wesentlichen zu sehr ähnlichen Ergebnissen« geführt haben und daß die Unterschiede »kein lebendiges Interesse mehr« haben [1]. In allen diesen Theorien ist die Schönheit die irdische Erscheinung des Göttlichen. Ob nun die »Mythologie« (Schelling) oder die von der »Zuchthausarbeit des Willens« erlöste Anschauung des Weltgrundes (Schopenhauer) oder die sinnlich dargestellte Vernünftigkeit des Weltprozesses (Hegel) betont wird, immer erscheint die Kunst als eine Manifestation des Absoluten. Sie widerspricht der Religion, der Sittlichkeit, der philosophischen Wahrheit in keiner Weise, doch entspricht es ihrem Wesen, daß sie die letzte Wirklichkeit nicht in begrifflicher, sondern in anschaulicher Gestalt widerspiegelt, wozu es einer besonderen Genialität bedarf. Die Kunst ist keineswegs phantastische Subjektivität, willkürliches Spiel mit den Gegenständen, vielmehr zeigt sie die Natur in ihrem wahren Wesen ; darum ist sie aber auch etwas ganz anderes als Naturnachahmung.

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Anmerkungen

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1971

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  • Friedrich Sengle

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