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Zusammenfassung

Das Problem der Geschichte ist innerhalb ihres eigenen Bereiches nicht zu lösen. Geschichtliche Ereignisse als solche enthalten nicht den mindesten Hinweis auf einen umfassenden, letzten Sinn. Die Geschichte hat kein letztes Ergebnis. Eine Lösung ihres Problems aus ihr selbst hat es nie gegeben und wird es nie geben, denn die menschliche Geschichtserfahrung ist eine Erfahrung dauernden Scheiterns. Auch das Christentum ist als historische Weltreligion gescheitert1. Die Welt ist noch dieselbe wie zu Zeiten Alarichs; nur unsere Mittel der Vergewaltigung und Zerstörung — wie auch des Wiederaufbaus — sind beträchtlich vollkommener geworden.

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Notizen

  1. 1.
    Siehe N. Berdjajew, Der Sinn der Geschichte, deutsch von Taube, Tübingen 1950, S. 294f.; F. Overbeck, Christentum und Kultur, Basel 1919, S. 72.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. V. S. Simkhovitch, Toward the Understanding of Jesus, New York 1927, ein Versuch, den ungeschichtlichen und unpolitischen Sinn der Botschaft Christi historisch und politisch auszulegen.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. G. Krüger, Die Geschichte im Denken der Gegenwart, Frankfurt 1947.Google Scholar
  4. 4.
    Siehe F. Rosenzweig, Der Stern der Erlösung, Berlin 1921, II, 212f.; III, 48ff.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. N. Berdjajew, a.a.O., Kap. V; C. H. Dodd: History and the Gospel, London 1938, S. 32f.Google Scholar
  6. 6.
    A. N. Whitehead, Adventures of Ideas, New York 1933, S. 19.Google Scholar
  7. 7.
    De civ. Dei, V, 1 und 8; Minucius Felix, Octavius, XI und XXXVI; Summa theol. I, qu. 116.Google Scholar
  8. 8.
    Für Boethius (De consolatione philosophiae, IV, 6) sind Schicksal und Vorsehung nur zwei Seiten derselben Wahrheit. Vgl. die Erörterung von Providence Miscalled Fortune, von Thomas Browne in: Religio Medici. Browne unterscheidet das Wirken der Vorsehung Gottes in der Natur und in der Geschichte. In der Natur sind die Wege der Vorsehung klar und verständlich; ihre Auswirkungen vorauszusehen ist nicht Prophetie, sondern Prognose. Aber in der Lenkung menschlicher Schicksale ist die Vorsehung Gottes geheimnisvoller, »full of meanders and labyrinths«. Unerwartete Zufälle schleichen sich ein und ungeahnte Ereignisse treten auf. Wir bezeichnen dies oft fälschlich als »Schicksal« oder »Zufall«, obgleich sich bei genauer Überlegung Gottes Hand kundtut. Wer der Ansicht ist, daß alles vom Schicksal bestimmt werde, würde nicht irregehen, wenn er nicht dabei verharrte. Die Römer, die der Fortuna einen Tempel errichteten, erkannten, wenn auch blindlings, etwas Göttliches. — Ähnlich bei Schelling: »Auch das Schicksal ist Vorsehung […] wie die Vorsehung das Schicksal ist […]. Um sich dem Schicksal zu entziehen, ist nur ein Mittel, sich in die Arme der Vorsehung zu werfen. Dies war das Gefühl der Welt in jener Periode der tiefsten Umwandlung, als das Schicksal an allem Schönen und Herrlichen des Altertums seine letzte Tücke übte« (Werke, I, Abt. v, 429). Vgl. auch die Analyse des heidnischen Fatums bei Kierkegaard, Der Begriff der Angst, Jena 1912, Kap. III, § 2, S. 93 ff.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. J. B. Bury, The Idea of Progress, a.a.O., S. 18 ff.Google Scholar
  10. 10.
    In allen modernen Definitionen wird der Aberglaube am Maßstab der Rationalität als irrationell beurteilt. In Wirklichkeit ist er eine primitive Form religiösen Glaubens. So wurde er von einem klassischen heidnischen Philosophen und von einem großen christlichen Gläubigen verstanden. Plutarch (Moralia, I, Leipzig 1925, 338 ff.) definiert den abergläubischen Menschen als jemanden, den das Denken an Gott auf verkehrte Weise bewegt; während der Atheist überhaupt keine Götter kennt, verkennt der Abergläubige sie nur. W. Blake (Notes ort Lavater, zitiert von A. Gilchrist, Life of W. Blake, Everyman’s Library, S. 55) bemerkt: »Niemand war je wahrhaft abergläubisch, der nicht nach dem Maße seines Wissens auch wahrhaft religiös war. Der wahre Aberglaube ist, im Unterschied zur Heuchelei, unwissende Ehrlichkeit, und Gott und den Menschen wohlgefällig.«Google Scholar
  11. 11.
    Ins Deutsche übersetzt von L. Fischer, Der Staat Gottes. Eine Katholische Geschichtsphilosophie, Karlsruhe 1933.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Augustin, De civ. Dei, IV, 8; VI, 9.Google Scholar
  13. 13.
    Siehe oben Anm. 13 zu Kap. IV; vgl. E. Frank, Philosophical Understanding and Religious Truth, New York 1945, p. 32; O. Spengler, Untergang des Abendlandes, München 1923, I, 381 ff.Google Scholar
  14. 14.
    Siehe vom Verf. Heidegger, Problem and Background of Existentialism, Social Research, September 1948.Google Scholar
  15. 15.
    Siehe Descartes, Discours de la Méthode, Teil VI.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2004

Authors and Affiliations

  • Karl Löwith

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