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Goethe und der Kindesmord 1934

  • Volker Wahl
Chapter

Zusammenfassung

Die Frage nach einer gerechten Bestrafung der Kindesmörderinnen und nach einer wirksamen Verhütung dieses Verbrechens hat weit über die juristischen Fachkreise hinaus die Menschen des 18. Jahrhunderts lebhaft beschäftigt. Noch galten damals die Bestimmungen der Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V. vom Jahre 1532, die auf Kindesmord das Begraben bei lebendigem Leibe, das Pfählen oder das Säcken (Ertränken) der straffälligen Person setzte, und noch mußte man allenthalben feststellen, daß diese grausamen Maßnahmen das Verbrechen nicht auszurotten vermochten. Auch im Herzogtum Sachsen-Weimar bestand damals infolge wiederholt vorgekommener Fälle von Kindesmord die Notwendigkeit, »auf hinreichige Mittel, diesem gottlosen und schändlichen Übel nachdrucksam zu steuern, allen möglichen Bedacht zu nehmen«. Bereits 1752 schlug man daher hier den Weg ein, die Ursachen des Verbrechens zu bekämpfen, urn damit dieses selbst unmcglich zu machen: von der Überzeugung ausgehend, »daß dadurch, wenn die dem Laster der Unzucht ergebenen Dirnen ihre Schwangerschaft sowohl als Niederkunft verheimlichen, der Tod der Kinder befördert wird, hingegen die Kinder durch den Beistand anderer Weiber beim Leben erhalten werden können«, wurde in einem Mandat vorn 17.Juli dieses Iahres verordnet, daß alle ihre Schwangerschaft und Niederkunft verbergenden Dirnen, deren Kinder nach der Geburt tot gefünden wurden, »wenn selbige auch gleich durch die geführte Inquisition keiner Schuld an dem Kindesmorde, weder aus ihrem Geständnis, noch ex inspectione cadaveris, noch aus anderen unbetriiglichen Zeichen überführt werden können, zu einer zehnjährigen Zuchthausstrafe und schwerer Arbeit codemniret werden sollene«2.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2003

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  • Volker Wahl

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