Advertisement

Einleitung

  • Katharina Poggendorf-Kakar
Chapter
  • 9 Downloads
Part of the Ergebnisse der Frauenforschung book series (ERFRAU)

Zusammenfassung

Hinduistische Ikonographie, rituelle Praktiken, religiöse Wertvorstellungen und mythologische Geschichten spiegeln auf eindrucksvolle Weise implizite und explizite Geschlechterkonstruktionen wieder, die bis heute auch das Alltagsleben der urbanen Mittelklasse in Indien prägen. Während sich die wis¬senschaftliche Beschäftigung mit weiblicher Religiosität im Hinduismus bis¬her häufig darin erschöpfte, Frauen keine religiösen Interessen außerhalb ihres familiären Rahmens als Gattin, Mutter und Schwiegertochter zuzugestehen, hat sich innerhalb der letzten fünfzehn Jahre ein neuer Forschungsansatz kon¬stituiert, der die männlich dominierte Geschichtsschreibung von Religionen in Frage zu stellen beginnt. In Studien unterschiedlichster Disziplinen, die sich mit religiösen Praktiken von Frauen befassen, werden Kategorien der Geschlechterkonstruktion aus neuen Perspektiven beleuchtet. Wissenschaft¬lerinnen in und außerhalb Indiens setzen sich dabei zunehmend mit dem Zu¬sammenspiel von Religion, Politik und Gender in Geschichte und Gegenwart auseinander, wobei verschiedenste Methodologien und Schwerpunkte zum Tragen kommen. Während herausragende Beiträge indischer Wissenschaft¬lerinnen Gender-Fragen in sozio-historischen und sozio-politischen Bereichen beleuchten, wird das Thema Gender im Kontext der Religionswissenschaft und Religionsanthropologie überwiegend von Wissenschaftlern und Wissen¬schaftlerinnen in den USA und zunehmend auch in Europa aufgegriffen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    So untersuchen beispielsweise M. McGee in ›Fasting and Feasting‹ (1987)Google Scholar
  2. und A Mackenzie Pearson in ›Because It Gives Me Peace of Mind‹ (1996) die Bedeutung von Fastenpraktiken (vrats) im Leben hinduistischerGoogle Scholar
  3. Frauen A. Grodzins Gold und G. Goodwin Raheja befassen sich in ›Listen to the Heron’s Words‹ (1994) damit, inwiefern Frauenlieder in Nordindien Gender-Identität schaffen und verhandeln.Google Scholar
  4. L. Harlan unter¬sucht in ›Religion and Rajput Women‹ (1992) das Verhältnis von Kaste und Gender und geht der Frage nach, warum bestimmte religiöse Prak¬tiken in der Selbstwahrnehmung rajputischer Frauen von Bedeutung sind.Google Scholar
  5. K. Erndl geht in ›Victory to the Mother‹ (1993) Pilgerorten und Ritualen nordindischer Göttinnenkulte nach und beschäftigt sich mit Fallstudien von Frauen, die von der Göttin besessen sind.Google Scholar
  6. H. Basu do¬kumentiert in ›Die Genealogien von Kacch‹ (2002) Traditionen hinduis¬tischer ›Göttinnen-Asketinnen‹, die in Gujarat als lebende Repräsen¬tantinnen der Göttin verehrt werden.Google Scholar
  7. V. K. Duwury untersucht in ›Play, Symbolism, and Ritual ‹ (1991) Übergangsrituale und Riten tamilischer Brahmaninnen.Google Scholar
  8. P. Bacchetta befasst sich in ›All Our Goddesses are Armed‹ (1994) mit Diskursen und Aktivitäten von Frauen in hindufun¬damentalistischen Bewegungen.Google Scholar
  9. R. F. McDermott platziert in ›Singing to the Goddess‹ (2001) bengalische Lyrik der Hindu-Göttinnen Kāl und Umä in ihren geschichtlichen Kontext.CrossRefGoogle Scholar
  10. T. Pintchman erläutert in ›The Rise of the Goddess in the Hindu Tradition‹ (1994) die Entwicklung weiblicher Prinzipien von den Veden bis zu den Puränas, und trägt mit ›Seeking Mahādevï‹ (Hg., 2001) zum Diskurs der vielfältigen Identität der ›Großen Göttin‹ bei.Google Scholar
  11. D. Kinsley vermittelt mit ›Hindu Goddesses‹ (1986a) profunde Einsichten in das Pantheon hinduistischer Göttinnen.Google Scholar
  12. A. Hiltebeitel und K. Erndl tragen mit ›Is the Goddess a Feminist?‹ (Hgs., 2000) zu neuen und kontroversen Perspektiven über das Verhältnis von Frauen und Göttinnen bei.Google Scholar
  13. T. Coburn wirft mit der Übersetzung und Auslegung von Sanskrit-Texten in ›Devī Māhātmya‹ (1985) und ›Encountering the Goddess‹ (1991) neues Licht auf die Bedeutung der Göttin im Tantrismus.Google Scholar
  14. J. Leslie trägt mit ›Roles and Rituals for Hindu Women‹ (Hg., 1991) dazu bei, die Konstruktion weiblicher Identität in unterschiedlichen sozio-religiösen Kontexten zu beleuchte, undGoogle Scholar
  15. B. Heller vergleicht in ›Heilige Mutter und Gottesbraut‹ (1999) Weiblichkeits-Vorstellungen und -ideale zweier religiöser Bewegungen im Hinduismus. Mit diesen und einer Vielzahl weiterer bemerkenswerter Publikationen zum Thema Hinduismus und Gender werden überwiegend- und zuneh¬mend — die gelebten Traditionen von Frauen und deren Modifikationen in den Vordergrund gerückt.Google Scholar
  16. 2.
    Mit dem Versuch einer ›poststrukturalistischen Dekonstruktion des Ge¬schlecht‹ fordert Judith Butler einen neuen feministischen Diskurs zur Auflösung der Geschlechterdifferenzierung: »Gender ought not to be conceived merely as the cultural inscription of meaning upon a pregiven sex (a juridical conception); gender must also designate the very apparatus of production whereby the sexes themselves are established. As a result, gender is not to culture as sex is to nature; gender is also the discursive/ cultural means by which »sexed nature« or »natural sex« is produced and established as »prediscursive«, prior to culture, a politically neutral surface on which culture acts.« Vgl. J. Butler, Gender Trouble, London, 1990: 7.Google Scholar
  17. 3.
    Vgl. G. D. Sontheimer / H. Kulke (Hgs.), ›Hinduism Reconsidered‹, New Delhi, 1989;Google Scholar
  18. H. v. Stietencron, ›Der Begriff der Religion in der Re¬ligionswissenschaft‹, in: W. Kerber (Hg.), Der Begriff der Religionen, München, 1993: 111–158;Google Scholar
  19. vgl. auch A. Sharma, ›What is Hinduism?‹, in: G. R. Gupta (Hg.), Religion in Modern India, New Delhi, 1983: 40–48;Google Scholar
  20. R. King, ›Orientalism and Religion‹ London 1999.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2002

Authors and Affiliations

  • Katharina Poggendorf-Kakar

There are no affiliations available

Personalised recommendations