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„Alle die Infamen Gefühle“

Überlegungen zu Fanny Hensels Klavierstück Abschied von Rom
  • Hans-Günter Klein
Chapter

Zusammenfassung

Fanny Hensels Klavierstück in a-Moll, das in drei unterschiedlichen Niederschriften mit jeweils eigenem Titel überliefert ist, darf als ein für die Komponistin einzigartiges Zeugnis autobiographischen Charakters angesehen werden. In der ersten Reinschrift (1840) ist es Ponte molle bezeichnet, in der zweiten (1841) Abschied und in der Dedikationsfassung für Julius Elsasser (1845) Abschied von Rom.1 Nur selten hat sie im Titel einer Komposition einen so eindeutigen Hinweis auf ihre eigenen Empfindungen gegeben wie hier in der zweiten und dritten Niederschrift. Dies verdient deswegen hervorgehoben zu werden, da sie ihre Klavierstücke — ähnlich wie ihr Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy in seinen Kompositionen — nur selten mit Titeln versehen hat und Programmatisches wie auch ihre eigenen Gefühle eher verbarg als in verbalen Hinweisen mehr oder weniger deutlich zu erkennen zu geben.

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Notizen

  1. 2.
    Ponte molle: datiertes Autograph in einem Konvolut mit Kompositionen von Fanny Hensel aus den Jahren 1839/40 (Staatsbibliothek zu Berlin, Mendelssohn-Archiv [SBB], MA Depos. Lohs 3, S. 47–49). Ausgabe in: Fanny Hensel, Vier römische Klavierstücke, hrsg. von C. Lambour, Kassel Wiesbaden Leipzig 1999, S. 33–36. Zum Konvolut siehe H.-G. Klein, Die Kompositionen Fanny Hensels in Autographen und Abschriften aus dem Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin — Preußischer Kulturbesitz. Katalog, Tutzing 1995 (= Musikbibliographische Arbeiten 13), S. 89–91.Google Scholar
  2. Zur Komposition siehe R. Hellwig-Unruh, Fanny Hensel, geb. Mendelssohn Bartholdy. Thematisches Verzeichnis ihrer Kompositionen, Adliswil Lottstetten 2000, S. 299 (Nr. 352).Google Scholar
  3. 3.
    Brief vom 274. Mai 1840: siehe F. Hensel, Briefe aus Rom an ihre Familie in Berlin 1839/40, hrsg. von H.-G. Klein, Wiesbaden 2002, S. 93.Google Scholar
  4. 7.
    Eintragung für den 26. November 1839 (F. Hensel, Tagebücher, hrsg. von H.-G. Klein und R. Elvers, Wiesbaden Leipzig Paris 2002, S. 115).Google Scholar
  5. 9.
    Fanny Hensels Tagebuchaufzeichnungen zwischen dem 19. und 29. Dezember 1839 und dem 1. Januar und 1. Juni 1840 müssen heute als verschollen gelten; erhalten sind nur die redigierten Auszüge, die Sebastian Hensel überliefert (S. Hensel, Die Familie Mendelssohn 1729–1847. Nach Briefen und Tagebüchern, 2. durchgesehene Auflage, Berlin 1880). — Sebastian Hensel führte ein eigenes Tagebuch, nach dem er später in Berlin eine Abschrift für seine Großmutter Lea Mendelssohn Bartholdy anfertigte (SBB, MA Depos. Berlin 500,5).Google Scholar
  6. 15.
    Die Blätter für Julius Elsasser wurden später zu einem kleinen Buch zusammengebunden (SBB, MA Ms. 50; Abschied von Rom: S. 5–9); danach die gedruckte Ausgabe in: Fanny Hensel, Ausgewählte Klavierwerke, hrsg. von F. Kistner-Hensel, München 1986, S. 21–24). Diese Version des Klavierstücks ist als eine sehr sorgfältige Schlussredaktion anzusehen, in deren zahlreichen Änderungen in kleinsten Details die Substanz der Komposition unverändert geblieben ist.Google Scholar
  7. 16.
    Zur Person des Malers Julius Elsasser siehe H.-G. Klein, Fanny und Wilhelm Hensel und die Brüder Elsasser, in: Mendelssohn-Studien 13, 2003, S. 125–167.Google Scholar
  8. 21.
    Siehe dazu die Erläuterungen bei H.-G. Klein, Die Mendelssohns in Italien. Ausstellung des Mendelssohn-Archivs der Staatsbibliothek zu Berlin 2002/03. Katalog, Wiesbaden 2002 (= Staatsbibliothek zu Berlin, Ausstellungskataloge, Neue Folge 46), S. 58 f.Google Scholar
  9. 25.
    Siehe dazu auch U. Büchter-Römer, Fanny Mendelssohn-Hensel, Reinbek 2001 (= rowohlts monographien 619), S. 78 f.Google Scholar
  10. 26.
    E. Istel, Die Blütezeit der musikalischen Romantik in Deutschland, Leipzig 1909, S. 43;Google Scholar
  11. E. Kurth, Romantische Harmonik und ihre Krise in Wagners „Tristan“ Bern Leipzig 1920, S. 71;Google Scholar
  12. H. Danuser, Artikel „Tristanakkord“, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. Auflage, Sachteil, Bd. 9, Kassel 1998, Sp. 841.Google Scholar
  13. 28.
    Orchesterpartitur und Textbuch lagen zwar mehrere Jahre beim Intendanten der Berliner Hofoper zur Prüfung einer Aufführung — bis zum negativen Entscheid 1834 (siehe L. Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. von F. Göthel, Bd. 2, Tutzing 1968, S. 258, Anm. 83), aber es ist unwahrscheinlich, dass Fanny Hensel sie eingesehen hat.Google Scholar
  14. 29.
    Ursprüngliche Notation und Korrekturen sind im Autograph deutlich erkennbar (SBB, MA Ms. 163, S. 103–108; siehe Fanny Hensel, Der Fürst vom Berge, Faksimile und Erstausgabe von H.-G. Klein, Wiesbaden 2001).Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Hans-Günter Klein

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