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Antike Hymnen

  • Kerstin Mira Schneider-Seidel
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Zusammenfassung

Für die französische Musik um 1900 ist nicht nur die Wahl antiker Themen charakteristisch, sondern auch ein deutlich erkennbares Interesse an einer musikalischen Gattung, die ihren Ursprung in der Antike hatte und vom Lied aufgrund einer andersartigen Struktur, die auch einen neuen Inhalt sowie neuen musikalischen Ausdruck zur Folge hatte, klar zu unterscheiden ist. Es handelt sich um den Hymnus, dessen Rezeption sich am Stil des griechischen, vorchristlichen Gesangs orientiert hat. Französische Komponisten benutzten neben dem Gattungsbegriff Hymnus allerdings auch Bezeichnungen wie Madrigal und Ode, Gattungen, die ebenfalls antike Themen aufgreifen und die Form des antiken Gesangs übernehmen. Komponisten wie Boulanger, de Bréville, Dubois, Fauré, Magnard, Schmitt und Roussel haben die meist als Vokalwerk angelegten Kompositionen mit dem Titel ‚Hymne‘ in Anlehnung an das antike Vorbild gestaltet, wobei die Werkbezeichnung ‚Hymne‘ für ein modernes Werk eine an das antike Sujet gebundene, musikalische Interpretation impliziert: Der antike griechische Hymnus soll nachempfunden werden, oder es soll assoziativ an ihn erinnert werden. Entsprechend den antiken Vorbildern wenden die Hymnen der französischen Komponisten sich oft an Gottheiten wie Venus, Apollon, Dionysos, an die Musen, oder sie beschreiben aber Stimmungen archaischer Couleur als Hommage an die Antike. Mit dem Titel ‚Hymne‘ ist in diesem Zusammenhang offenbar bewußt nicht der christliche liturgische Gesang gemeint, der in seinen Anfangen auf griechische Vorläufer zurückgeht, sondern der pagane Hymnus der frühen griechischen Literatur.

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Notizen

  1. 1.
    Vgl. dazu folgende Sekundärliteratur: G. Knebel, Lexikon der Alten Welt, Bd. 2 (1994, Nachdruck von 1965), 1344–1346,Google Scholar
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    G. Fauré/Th. Reinach, Hymne à Apollon de IIIe Siècle avant l’Ère Chrétienne, Paris: Bornemann (1894). Bei dieser Fassung des Apollon-Hymnus sind die Formteile in einer anderen Reihenfolge angeordnet als in der späteren, überarbeiteten Version, und auch die Gesangsmelodie weist einige Abweichungen auf. Die Tonarten beziehungsweise die antiken Oktavgattungen stimmen mit denen in den entsprechenden Teilen der Überarbeitung überein Die zweite, 1914 erschienene ’Hymne à Apollon’ basierte vermutlich schon damals auf neueren archäologischen Forschungsergebnissen.Google Scholar
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    Das Ende der Hymne ist ab Ziffer 34 für die letzten fünf Takte mit „Triomphal“ beschrieben. A. Magnard, Hymne à Vénus, Paris: Bornemann (1906), 69.Google Scholar
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    Th. Dubois, Hymne antique, Chœur de nymphes à trois voix, Paris: Heugel (1924).Google Scholar
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Authors and Affiliations

  • Kerstin Mira Schneider-Seidel

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