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Mythische Gestalten als Inkarnation der Natur

  • Kerstin Mira Schneider-Seidel
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Zusammenfassung

Der Anfang des Gedichts ‚L’après-midi d’un faune‘ von Stéphane Mallarmé vermittelt den Eindruck, daß der Dichter den Faun etwas sagen läßt, wovon er selbst träumt: Er will, daß die Nymphen verweilen, deren leichtes Inkarnat durch die Luft flimmert, die von dumpfem Schlaf betäubt wird. Bleiben — oder wiederkehren — soll das, was zum Traum vom Goldenen Zeitalter gehört. Die Naturgestalten des griechischen Mythos — etwa Faune, Nymphen, Sirenen oder Najaden — wurden von den Künstlern des späten 19. Jahrhunderts wiederentdeckt und erneut mit Leben erfüllt, indem sie zu Helden imaginärer Welten, zu Trägern der Kunst gemacht wurden. Dem antiken Mythos kam im 19. Jahrhundert deswegen eine eminente Bedeutung zu, weil er in eine enge Beziehung mit der modernen Vorstellung von Nahrhaftigkeit und archaischem Ursprung, von der früheren Einheit von Mensch und Natur gebracht und damit als Ideal aufgefaßt werden konnte.2 Mallarmé sagt, daß der moderne Mensch die Werte des antiken Mythos besser wahrzunehmen weiß, als es die antiken Menschen je zu tun vermocht hätten. Der Mythos verkörperte für die Moderne die Einheit von Schönheit und Wahrheit.3 Faszinierend wirkte das Fehlen jeglichen Gedankens an eine Nützlichkeit der Natur. Die Vorstellungen vom Mythos waren allerdings selbst nicht einheitlich, sondern von „hochst unterschiedlicher intellektueller Konsistenz“, sie konnten theorie- und philosophiegeschichtlich bedingt sein, aber auch von wissenschafts-, politik- und kunstgeschichtlichen Kontexten beeinflußt sein.4

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Notizen

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2002

Authors and Affiliations

  • Kerstin Mira Schneider-Seidel

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