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Die Antike — ein Mythos der Moderne: Zusammenfassung

  • Kerstin Mira Schneider-Seidel
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Zusammenfassung

Die Wahl antiker Sujets, die im 19. Jahrhundert bis in die 80er Jahre keinen Einfluß auf die Formsprache der französischen Musik gehabt hatten und die den mehr und mehr in Mode gekommenen orientalischen Stoffen als Ausdruck einer Wahrnehmung exotischer Welten den Vorrang lassen mußten, stand um 1900 in engem Zusammenhang mit der Erneuerung der französischen Musik. Diese Neuorientierung fiel in eine Zeit, die von einem allgemeinen kulturellen Umbruch, von Zivilisationskritik und Kulturpessimismus geprägt war. In Frankreich suchte man besonders im Bereich der Musik den Prozeß der Selbstdefinition voranzutreiben, da der Einfluß Wagners auf die französische Musik nunmehr als ein verhängnisvoller Faktor gesehen wurde, der jegliche eigenständige Entwicklung despotisch zu ersticken drohte. Die nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 durchaus von nationalen Interessen geprägten Bestrebungen, wiederum an die französische Tradition anzuknüpfen und eine neue, genuin französische Musik zu schaffen, beeinflußten auch nachhaltig die Wahl von Sujets und hatten damit eine entschiedene Distanzierung von dem germanischen Mythos in Wagners Opern zur Folge. Die Antike, die für die französische Musik schon im 17. und 18. Jahrhundert ein unerschöpfliches Reservoir an Themen und Stoffen geboten hatte, wurde nun — nach einer Zeit der Orientleidenschaft — wieder mehr beachtet und entwickelte sich zu einem typisch französischen Stoff. Einerseits war die Rezeption antiker Stoffe ein nationales französisches Phänomen, andererseits stand sie im Zeichen des Fin de siècle, dessen intellektuellen Strömungen — etwa die Suche nach dem verlorenen Paradies, die Furcht vor der Apokalypse, die Neigung zu Ersatzreligionen sowie ein Hang zum Ästhetizismus — sich häufig auf das Vorbild der Antike bezogen.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2002

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  • Kerstin Mira Schneider-Seidel

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