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Einführung

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Zusammenfassung

Das Prosagedicht stellt seit jeher eine nachhaltige Irritation für das klassifikato-rische Denken der Literaturtheorie dar. Unseren geläufigen Einteilungen gemäß können wir die Bezeichnung dieser Gattung nur als den zugespitzten Gegensatz des Oxymoron auffassen, denn bei aller Strittigkeit von Anzahl und Namen der literarischen Arten und Gattungen ist doch ihr Fundament seit jeher ein doppeltes. Ein unverdächtiger Zeuge der Spätantike, der Geograph Strabon, entwirft bereits das letztlich bis heute gültige Modell: „Mit einem Worte, die prosaische Rede, wenigstens die durch Kunst gebildete, ist Nachahmung der Dichtersprache.“ Mit zwei Worten also: die menschliche Rede zerfällt in „Dichtersprache“ und ‚prosaische Rede’, in gebundene’ und ‚ungebundene’ Sprache, wie die Verslehre bis heute zu präzisieren vorgibt, und deren Opposition enthält zugleich eine immanente Hierarchisierung. Nicht die geschichts-philosophische Entscheidung für die logische und chronologische Vorgängigkeit der zweiten oder ersten Sprache, sondern deren Anreicherung erweist sich demnach als unabsehbar wirkungsmächtig: „zuallererst trat die dichterische Ausdrucksweise öffentlich auf, so Strabon, erst viel später führte man „die Rede gleichsam wie von einer Höhe zu ihrer heutigen Gestalt herab“.1

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

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