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Geburt der phantastischen Literatur aus dem Geiste des Traumes? Traum und Phantastik in der romantischen Literatur

  • Manfred Engel
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Zusammenfassung

Der Traum fasziniert wie irritiert, weil er uns mit einer Erlebniswelt und einer Erlebensweise konfrontiert, die auf ebenso evidente wie rätselhafte Weise anders sind als die des wachen Lebens. Diese Differenzerfahrung verbindet den Traum mit Rausch und Wahnsinn. Letztere sind allerdings Ausnahmezustände, künstlich herbeigeführt oder nur selten und wenigen zugänglich. Der Traum dagegen ist das alltägliche (allnächtliche) Andere: für jedermann und zu jeder Zeit. Selbst wenn wir uns unserer Träume nur selten erinnern sollten, wissen wir doch, daß es sie gibt, und daß wir jede Nacht in ihnen leben.

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Notizen

  1. 2.
    Vgl. Marianne Wünsch: Die Fantastische Literatur der Frühen Moderne (1890–1930). Definition; denkgeschichtlicher Kontext; Strukturen. München 1991, S. 17–25. Wünsch unterteilt die „fundamental-ontologischen Basispostulate des Realitätsbegriffs“ in (1) „formale Basispostulate“ (elementare Annahmen zu logischen Regeln, zu Raum und Zeit, zur Verkettung von Realitätselementen); (2) theologische Basispostulate (elementare Annahmen zur Existenz ontologischer Teilrealitäten); (3) naturphilosophische bzw. naturwissenschaftliche Basispostulate (elementare Annahmen zum physikalisch-chemisch-biologischen Objektbereich). Als weniger fundamental ausgegrenzt sind dabei alle sozialphilosophischen bzw. sozialwissenschaftlichen Basispostulate (Annahmen über die „menschliche Natur“).Google Scholar
  2. 11.
    Vgl. zur Gesamtinterpretation des Textes Manfred Engel: Der Roman der Goethezeit. Bd. 1 : Anfange in Klassik und Frühromantik. Transzendentale Geschichten. Stuttgart 1993, S. 444–496.Google Scholar
  3. 14.
    Ich zitiere aus den Bergwerken mit bloßer Seitenangabe nach: E.T.A. Hoffmann: Gesammelte Werke in Einzelausgaben. Bd. 4: Die Serapionsbrüder. Hrsg. v. Hans-Joachim Kruse u. Rudolf Mingau. Berlin (Ost) 1978.Google Scholar
  4. 17.
    Der Untertitel entfällt in der zweiten Auflage von 1832, die auch ein neues Vorwort erhält. Hier bekennt sich Nodier offen zu seiner Autorschaft — in der Erstfassung hatte er Smarra noch als Obersetzung eines in Illyrien entstandenen Werkes des Grafen Maxime Odin ausgegeben. Ich zitiere Nodier im folgenden nach: Contes. Hrsg. v. Pierre-Georges Castex. Paris 1961 (Sigle C; fiiralle Zitate aus Smarrà) bzw. nach: Œuvres complètes. 12 Bde. Nachdruck der Ausgabe Paris 1832–37. Genf 1968 (Sigle: OC). Zur Interpretation von Smarra vgl. bes.: Pierre-Georges Castex: Nodier et ses rêves. In: P.-G.C: Le conte fantastique en France de Nodier à Maupassant. Paris 1951, S. 121–167;Google Scholar
  5. Christian Dédéyan: Charles Nodier—annonciateur du rêve. In: Points et Contrepoints H. 62/63 (1962), S. 28–32;Google Scholar
  6. Kent Edward Dreaney: Language of dreams/Dream of language. A study of the logic of the subjective experience in the works of Nodier. Diss. Boston 1977;Google Scholar
  7. R.A. Pearson: Poetry or psychology? The representation of dream in Nodier’s Smarra. In: French Studies 1982, S. 410–426.Google Scholar
  8. 18.
    Dt.: „Mitgerissen vom Wirbel der Geister, der wie eine Wolke dahintrieb, wie der Rauch eines blutigen Rotes, der von einer in Brand gesteckten Stadt aufsteigt, wie die flüssige Lava, die auf einer Landschaft von Asche feurige Bäche verbreitet, sie sich kreuzen läßt und sie miteinander verbindet, kam ich an … ich kam an. Alle Gräber standen offen, alle Toten waren ausgegraben. Alle leichenfressenden Kobolde, bleich, ungeduldig, ausgehungert, waren gegenwärtig. Sie erbrachen die Bretter der Särge, zerrissen die geheiligten Totengewänder, die letzten Kleider der Leichname. Mit der abscheulichsten Wollust teilten sie sich in die schrecklichen Oberreste, und mit einer ohnmächtigen Hand, denn, ach, ich war schwach und gefangen wie ein Kind in der Wiege, zwangen sie mich, o Entsetzen, an ihrem verabscheuungswürdigen Mahl teilzunehmen!“ (S. 293). Deutsche Übersetzung nach: Nodier: Die Krümelfee und andere Erzählungen. Aus dem Französischen übersetzt u. hrsg. v. Hermann Hofer. München u. Zürich 1995, S. 253–308.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2003

Authors and Affiliations

  • Manfred Engel
    • 1
  1. 1.SaarbückenDeutschland

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