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Phantastische Sozialisation

  • Rüdiger Zymner
Chapter

Zusammenfassung

Phantastik ist nichts, was wir allein in der Literatur antreffen, es ist nichts spezifisch Literarisches.1 Vielmehr treffen wir Phantastik auch in anderen künstlerischen Medien neben der Literatur an — etwa im Film oder in der Malerei, und wohl auch nicht notwendiger Weise als narrative Struktur — und es erscheint deshalb aus dem Blickwinkel einer allgemeinen Ästhetik nicht abwegig, phantastische Literatur nicht (oder wenigstens doch nicht ausschließlich) als Gattung zu begreifen, sondern wenigstens auch als eine literarische Schreibweise — in dem Sinn, in dem Theodor Verweyen und Günther Witting im Hinblick etwa auf die Kontrafaktur von einer Schreibweise sprechen, oder auch so, wie ich im Hinblick auf den Manierismus von einer Schreibweise spreche.2 Diese Schreibweisen sind dann jeweils medien- oder bereichsspezifische (eben literarische) Ausformungen eines allgemeinen, übergreifenden Verfahrens, das in ganz unterschiedlichen künstlerischen Formen und Bereichen auftreten und sich ganz unterschiedlicher Mittel bedienen kann und das wir mit dem Ausdruck „Phantastik“ bezeichnen.

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Notizen

  1. 1.
    Vgl. Jens Malte Fischer u. Christian W. Thomsen (Hrsg.): Phantastik in Literatur und Kunst. Darmstadt 1980.Google Scholar
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  3. 2.
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  5. 3.
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Authors and Affiliations

  • Rüdiger Zymner
    • 1
  1. 1.WuppertalDeutschland

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