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Autobiographische Erinnerung und kollektive Gedächtnisse

Die nationalsozialistische Erinnerung an das »Fronterlebnis« im Ersten Weltkrieg in den Autobiographien von »alten Kämpfern«
  • Patrick Krassnitzer
Chapter

Zusammenfassung

Im Gegensatz zur (Lebens-)geschichte von Shakespeares Idioten ist eine Autobiographie immer eine »gute« Geschichte, denn sie macht Sinn. Ihr Verfasser wird von dem Ziel angeregt, »Sinn zu machen, zu begründen, eine gleichzeitig retrospektive und prospektive Logik zu entwickeln, Konsistenz und Konstanz darzustellen« und sein Leben letztlich als Kette von Folgewirkungen, als Etappen einer notwendigen Entwicklung zu präsentieren.1 Es ist daher eine auf einer idealistischen Geschichtsphilosophie basierende »biographische Illusion« anzunehmen, daß in einer Autobiographie eine historische Wahrheit darüber stecken würde, wie das Leben des Betreffenden wirklich gewesen ist. Vielmehr ist der Autobiograph der »Ideologe seines eigenen Lebens«, der Biograph sein natürlicher Komplize und die Lebensgeschichte ein »perfekt konstruiertes soziales Artefakt«.2

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Notizen

  1. 1.
    Pierre Bourdieu: Die biographische Illusion. In: Bios — Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History 3 (1990), S. 75–81, hier S. 76.Google Scholar
  2. 2.
    Ebd., S. 75 ff. Bourdieu wendet sich damit vor allem gegen das Biographie-Verständnis von Wilhelm Dilthey, der Autobiographien als »die höchste und am meisten instruktive Form, in welcher uns das Verstehen des Lebens entgegentritt«, begriffen und damit eine ganze Tradition historischer Biographik geprägt hatte. Vgl. Wilhelm Dilthey: Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften. Frankfurt/M. 1981, S. 235–251, hier S. 246 und Georg Misch: Geschichte der Autobiographie. 4 Bde. Frankfurt/M. 1949–1969. Allerdings dehnt Bourdieu seine sehr pointierte Kritik etwas ungerechtfertigt auf die heutige Biographieforschung aus. Zur Kritik an Bourdieus Kritik vgl. Lutz Niethammer: Kommentar zu Pierre Bourdieu: Die biographische Illusion. In: Bios — Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History 3 (1990), S. 91–93 und Michael Corsten: Beschriebenes und wirkliches Leben. Die soziale Realität biographischer Kontexte und Biographie als soziale Realität. In: Bios — Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History 7 (1994), S. 185–205, hier S. 195 ff.Google Scholar
  3. 3.
    Am pointiertesten wurde diese Kritik vorgetragen von: Wolfgang Hardtwig: Alltagsgeschichte heute. Eine kritische Bilanz. In: Winfried Schulze (Hg.): Sozialgeschichte, Alltagsgeschichte, Mikro-Historie. Göttingen 1994, S. 19–32, hier S. 20 f. und Reinhard Sieder: Sozialgeschichte auf dem Weg zu einer historischen Kulturwissenschaft? In: Geschichte und Gesellschaft 20 (1994), S. 445–468, hier S. 446 f. Zur aktuellen kulturgeschichtlichen Diskussion vgl. Wolfgang Hartwig/Hans-Ulrich Wehler (Hg.): Kulturgeschichte Heute. Göttingen 1996; Thomas Mergel/Thomas Welskopp (Hg.): Geschichte zwischen Kultur und Gesellschaft. Beiträge zur Theoriedebatte. München 1997; Hans-Ulrich Wehler (Hg.): Die Herausforderung der Kulturgeschichte. München 1998 und Ute Daniel (Hg.): Kompendium Kulturgeschichte. Theorien, Praxis, Schlüsselworte. Frankfurt/M. 2001.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. u.a.: Winfried Schulze (Hg.): Ego-Dokumente. Annäherungen an den Menschen in der Geschichte. Berlin 1996; Bernd Ulrich: Die Augenzeugen. Deutsche Feldpostbriefe in Kriegs- und Nachkriegszeit 1914–1933. Essen 1997 und Klaus Latzel: Deutsche Soldaten — nationalsozialistischer Krieg? Kriegserlebnis — Kriegserfahrung 1939–1945. Paderborn 2000.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. auch: Martin Kohli: Erwartungen an eine Soziologie des Lebenslaufs. In: Ders. (Hg.): Soziologie des Lebenslaufs. Darmstadt 1978, S. 9–31; Wolfram Fischer: Perspektiven der Lebenslaufforschung. In: Alois Herith/Klaus Strohmeier (Hg.): Lebenslauf und Familienentwicklung. Opladen 1989, S. 279–295 und Hans-Paul Bahrdt: Autobiographische Methoden, Lebenslaufforschung und Soziologie. In: Wolfgang Voges (Hg.): Methoden der Biographie- und Lebenslaufforschung. Opladen 1987, S. 77–85.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. Peter Sloterdijk: Literatur und Organisation von Lebenserfahrung. Autobiographien der zwanziger Jahre. München 1978, S. 249f und Oliver Sill: »Über den Zaun geblickt«. Literaturwissenschaftliche Anmerkungen zur soziologischen Biographieforschung. In: Bios — Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History 8 (1995), S. 28–42, hier S. 36f.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. Maurice Halbwachs: Das kollektive Gedächtnis. Frankfurt/M. 1985 und Ders.: Das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen. Frankfurt/M. 1985. Das Konzept kollektiver Gedächtnisse ist in den letzten Jahren v.a. durch Aleida und Jan Assmann entscheidend vertieft worden. Vgl. u.a.: Jan Assmann/Tonio Hölscher (Hg.): Kultur und Gedächtnis. Frankfurt/M. 1988; Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. München 1992 und Aleida Assmann: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnis. München 1999. Die aktuelle Gedächtnis-Diskussion wurde jüngst durch das innovative Konzept eines sozialen Gedächtnisses erweitert. Vgl. Harald Welzer (Hg.): Das soziale Gedächtnis. Geschichte, Erinnerung, Tradierung. Hamburg 2001.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. Werner Fuchs: Biographische Forschung. Opladen 1984, S. 31–41.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. Dominique Lejeune: Der autobiographische Pakt. In: Günter Niggl (Hg.): Die Autobiographie. Zu Form und Geschichte einer literarischen Gattung. Darmstadt 1989, S. 214–257.Google Scholar
  10. 10.
    Sloterdijk, Lebenserfahrung, S. 249.Google Scholar
  11. 11.
    Sill, »Über den Zaun geblickt«, S. 33.Google Scholar
  12. 12.
    Heinz Bude: Rekonstruktion von Lebenskonstruktionen — eine Antwort auf die Frage, was die Biographieforschung bringt. In: Martin Kohli/Günther Robert (Hg.): Biographie und soziale Wirklichkeit. Stuttgart 1984, S. 5–28, hier S. 12.Google Scholar
  13. 13.
    Bourdieu, Die biographische Illusion, S. 79.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. grundlegend: Alfred Schütz/Thomas Luckmann: Strukturen der Lebenswelt. Bd. 1. Frankfurt/M. 1979, S. 154–184 und Peter L. Berger/Thomas Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. Frankfurt/M. 1980, S. 36–48. Zur Anwendung dieses Erfahrungskonzeptes in der Biographieforschung bzw. in der Erfahrungsgeschichte vgl. Peter Alheit/Erika Hoerning: Biographie und Erfahrung. Eine Einleitung. In: Dies. (Hg.): Biographisches Wissen. Beiträge zu einer Theorie lebensgeschichtlicher Erfahrung. Frankfurt/M. 1989, S.8–23 und Klaus Latzel: Vom Kriegserlebnis zur Kriegserfahrung. Theoretische und methodische Überlegungen zur erfahrungsgeschichtlichen Untersuchung von Feldpostbriefen. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 56 (1997), S. 1–30.Google Scholar
  15. 15.
    Ebd., S. 14.Google Scholar
  16. 16.
    Daniel L. Schacter: Wir sind Erinnerung. Gedächtnis und Persönlichkeit. Reinbek 1999, S. 496.Google Scholar
  17. 17.
    Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse. Abschnitt 68. In: Ders.: Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe in 15 Bänden. Hg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Bd. 5. München 1980, S. 86.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. grundlegend: Schacter, Gedächtnis, S. 126–156; Gabriele Rosenthal: Erlebte und erzählte Lebensgeschichte. Gestalt und Struktur biographischer Selbstbeschreibungen. Frankfurt/M. 1995, S. 70–86; G. Strube/F.E. Weinert: Autobiographisches Gedächtnis: Mentale Repräsentation der individuellen Biographie. In: Gerd Jüttemann/Hans Thomae (Hg.): Biographie und Psychologie. Berlin 1987, S. 151–167 und Ulrike Jureit: Authentische und konstruierte Erinnerung — Methodische Überlegungen zu biographischen Sinnkonstruktionen. In: Werkstatt Geschichte 18 (1997), S. 91–101.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. v.a.: Halbwachs, Das kollektive Gedächtnis, S. 30–56.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. Gabriele Rosenthal: Geschichte in der Lebensgeschichte. In: Bios — Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History 1 (1988), S. 3–15 und Dies.: Die erzählte Lebensgeschichte als historisch-soziale Realität. In: Berliner Geschichtswerkstatt (Hg.): Alltagskultur, Subjektivität und Geschichte. Berlin 1994, S. 125–138.Google Scholar
  21. 21.
    Sloterdijk, Lebenserfahrung, S. 250f.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. v.a.: Jan Assmann: Kollektives Gedächtnis und kulturelle Identität. In: Ders./Hölscher (Hg.): Kultur und Gedächtnis, S. 9–19; Assmann, Das kulturelle Gedächtnis, S. 48–67 und Aleida Assmann/Jan Assmann: Das Gestern im Heute. Medien und soziales Gedächtnis. In: Klaus Merten u.a. (Hg.): Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft. Opladen 1994, S. 114–140.Google Scholar
  23. 23.
    Die skizzierte strukturelle Schwäche dieses idealtypischen Modells mag die Ursache dafür sein, daß die meisten Versuche, das Assmannsche Gedächtniskonzept in konkrete historische Forschung umzusetzen, in diesem diffusen Bereich des »floating gap« operieren. Vgl. Klaus Naumann: Die Presse als Gedächtnisort des Krieges. Narrative Zeugnisse von Schockerfahrungen. In: Elisabeth Domansly/Harald Welzer (Hg.): Eine offene Geschichte. Über kommunikative Tradierung der NSVergangenheit. Tübingen 1999, S. 1–16 und Lutz Niethammer: Diesseits des »Floating Gap«. Das kollektive Gedächtnis und die Konstruktion von Identität im wissenschaftlichen Diskurs. In: Kerstin Platt/Mihran Dabag (Hg.): Generation und Gedächtnis. Erinnerungen und kollektive Identitäten. Opladen 1995, S. 25–50.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. v.a.: Rosenthal, Erlebte und erzählte Lebensgeschichte; Alheit/Hoerning (Hg.), Biographisches Wissen; Sill, »Über den Zaun geblickt«; Ders.: Zerbrochene Spiegel. Studien zur Theorie und Praxis modernen autobiographischen Erzählens. Berlin 1991; Almut Finck: Autobiographisches Schreiben nach dem Ende der Autobiographie. Berlin 1999 und Ulrike Jureit: Erinnerungsmuster. Zur Methodik lebensgeschichtlicher Interviews mit Überlebenden der Konzentrations- und Vernichtungslager. Hamburg 1999.Google Scholar
  25. 25.
    Vgl. auch: Sill, »Über den Zaun geblickt«, S. 35 ff. und Jureit, Authentische und konstruierte Erinnerung, S. 91.Google Scholar
  26. 26.
    So hat beispielsweise Bourdieu die Analyse von trajectoires als alleinigen Ausweg aus der »biographischen Illusion« propagiert. Vgl. Bourdieu, Die biographische Illusion, S. 80f.Google Scholar
  27. 27.
    Vgl. auch: Marcus Funck/Stephan Malinowski: Geschichte von oben. Autobiographien als Quelle einer Sozial- und Kulturgeschichte des deutschen Adels in Kaiserreich und Weimarer Republik. In: Historische Anthropologie 7 (1999), S. 236–270 und Martin Doerry: Übergangsmenschen. Die Mentalität der Wilhelminer und die Krise des Kaiserreichs. Weinheim 1986.Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. Lucian Hölscher: Geschichte als »Erinnerungskultur«. In: Platt/Dabag (Hg.), Generation und Gedächtnis, S. 146–168, hier S. 166f.Google Scholar
  29. 29.
    Vgl. Carlo Ginzburg: Der Käse und die Würmer. Frankfurt/M. 1979. Zur Kritik an der Kanonisierung dieser Wissenschaftlichkeitskriterien in der Historischen Sozialwissenschaft vgl. Ute Daniel: Quo vadis, Sozialgeschichte? Kleines Plädoyer für eine hermeneutische Wende. In: Winfried Schulze (Hg.): Sozialgeschichte, Alltagsgeschichte, Mikro-Historie. Göttingen 1994, S. 54–64.Google Scholar
  30. 30.
    Carlo Ginzburg: Spurensicherung. Der Jäger entziffert die Fährte, Sherlock Holmes nimmt die Lupe, Freud liest Morelli — die Wissenschaft auf der Suche nach sich selbst. In: Ders.: Spurensicherung. Über verborgene Geschichte, Kunst und soziales Gedächtnis. München 1988, S. 78–125, hier S. 93.Google Scholar
  31. 31.
    Zu dieser auf Kurt Lewin basierenden erkenntnislogischen Unterscheidung vgl. Bude, Lebenskonstruktionen, S. 23f. Eine ganz ähnlich Unterscheidung trifft Ginzburg. Vgl. Ginzburg, Spurensicherung.Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. Clifford Geertz: Dichte Beschreibung. Bemerkung zu einer deutenden Theorie von Kultur. In: Ders.: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme. Frankfurt/M. 1987, S. 7–43. Zur Diskussion dieses Konzeptes in der Kulturgeschichte vgl. u.a.: Andreas Gestrich: Einleitung: Sozialhistorische Biographieforschung. In: Ders. u.a. (Hg.): Biographie — sozialgeschichtlich. Göttingen 1988, S. 5–28 und Rebekka Habermas/Nils Minkmar: Einleitung. In: Rebekka Habermas/Nils Minkmar (Hg.): Das Schwein des Häuptlings. Sechs Aufsätze zur Historischen Anthropologie. Berlin 1992, S. 7–19.Google Scholar
  33. 33.
    Aribert Reimann: Der große Krieg der Sprachen. Untersuchungen zur historischen Semantik in Deutschland und England zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Essen 2000, S. 20.Google Scholar
  34. 34.
    Hoover Institution Archives (fortan HIA), Theodore Abel Collection (fortan Abel Coll.). Vgl. Theodore Abel: Why Hitler came into power: an answer based on the original life stories of six hundred of his followers. New York 1938 (Reprints: The Nazi Movement: why Hitler came to power. New York 1966 und Why Hitler came into power. Cambridge (Mass.) 1986).Google Scholar
  35. 35.
    Der Fokus der hier vorgenommenen Auswahl richtet sich auf die Biogramme der Frontgeneration unter besonderer Berücksichtigung der Geburtsjahrgänge 1890 bis 1900. Zu einer ausführlicheren quellenkritischen Betrachtung der Abel Collection vgl. Patrick Krassnitzer: Die Geburt des Nationalsozialismus im Schützengraben: Formen der Brutalisierung in den Autobiographien von nationalsozialistischen Frontsoldaten. In: Jost Dülffer/Gerd Krumeich (Hg.): Die Präsenz des Krieges im Frieden. Essen 2001 (im Druck).Google Scholar
  36. 36.
    Benjamin Ziemann: Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in den Milieukulturen der Weimarer Republik. In: Thomas F. Schneider (Hg.): Kriegserlebnis und Legendenbildung. Das Bild des »modernen« Krieges in Literatur, Theater, Photographie und Film. Bd. 1. Osnabrück 1999, S. 251 ff. Er orientiert sich dabei an dem von Karl Rohe entwickelten Konzept der politischen Lager. Vgl. Karl Rohe: Wahlen und Wählertraditionen in Deutschland. Kulturelle Grundlagen deutscher Parteien und Parteiensysteme im 19. und 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 1992, S. 9–29. Rohe unterscheidet für die Weimarer Republik ein sozialistisches, ein katholisches und ein nationales Lager, wobei sich letzteres aus der Verbindung des liberalen und konservativen Milieus des Kaiserreichs entwickelt hatte.Google Scholar
  37. 37.
    Ziemann, Milieukulturen, S. 255.Google Scholar
  38. 38.
    Vgl. ebd., S. 253 ff. und Richard Bessel: Kriegserfahrungen und Kriegserinnerungen: Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges auf das politische und soziale Leben der Weimarer Republik. In: Marcel Van der Linden/Gottfried Mergner (Hg.): Kriegsbegeisterung und mentale Kriegsvorbereitung. Berlin 1991, S. 125–138.Google Scholar
  39. 39.
    Vgl. Jeffrey Verhey: Der »Geist von 1914« und die Erfindung der Volksgemeinschaft. Hamburg 2000.Google Scholar
  40. 40.
    Vgl. ebd., S. 335–373 und Dirk Schumann: Einheitssehnsucht und Gewaltakzeptanz. Politische Grundpositionen des deutschen Bürgertums nach 1918. In: Hans Mommsen (Hg.): Der Erste Weltkrieg und die europäische Nachkriegsordnung. Sozialer Wandel und Formveränderung der Politik. Köln 2000, S. 83–105.Google Scholar
  41. 41.
    Vgl. Bernd Hüppauf: Schlachtenmythen und die Konstruktion des »Neuen Menschen«. In: Gerhard Hirschfeld u.a. (Hg.): »Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch…«. Erlebnis und Wirkung des Ersten Weltkrieges. Frankfurt/M. 1996, S. 53–103 und Gerd Krumeich: Langemarck. In: Etienne François/Hagen Schulze (Hg.): Deutsche Erinnerungsorte. Bd. II. München 2001 (im Druck).Google Scholar
  42. 42.
    Vgl. Ulrich Heinemann: Die Last der Vergangenheit. Zur politischen Bedeutung der Kriegsschuld- und Dolchstoßdiskussion. In: Karl D. Bracher u.a. (Hg.): Die Weimarer Republik 1918–1933. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Bonn 1988, S. 371–386 und Gerd Krumeich: Die Dolchstoß-Legende, in: Etienne François/Hagen Schulze: Deutsche Erinnerungsorte. Bd. I. München 2001, S. 585–599.Google Scholar
  43. 43.
    Vgl. Bessel, Kriegserfahrungen; George L. Mosse: Über Kriegserinnerungen und Kriegsbegeisterung. In: Van der Linden/Mergner (Hg.), Kriegsbegeisterung und mentale Kriegsvorbereitung, S. 27–36; Ders.: Gefallen für das Vaterland. Nationales Heldentum und namenloses Sterben. Stuttgart 1993, S. 195–244 und Bernd Ulrich: Die umkämpfte Erinnerung. Überlegungen zur Wahrnehmung des Ersten Weltkrieges in der Weimarer Republik. In: Jörg Düppler/Gerhard P. Groß (Hg.): Kriegsende 1918. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung. München 1999, S. 367–375.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. Hüppauf, Schlachtenmythen, S. 76 ff. Hüppauf bezeichnet dabei diese beiden Elemente etwas verkürzt als »Verdun-Mythos«. Allerdings kann die Extremerfahrung der Materialschlachten nicht als das typische Kriegserlebnis des Ersten Weltkrieges angesehen werden. Nur ein Teil der 13 Millionen deutschen Soldaten war direkt an der Front eingesetzt und auch für diese repräsentieren Trommelfeuer und Sturmangriffe keineswegs den Kriegsalltag. Vgl. Benjamin Ziemann: Das »Fronterlebnis« des Ersten Weltkrieges — eine sozialhistorische Zäsur? In: Mommsen (Hg.), Der Erste Weltkrieg, S. 43–82, hier S. 52f. und Richard Bessel: The ›Front Generation‹ and the Politics of Weimar Germany. In: Mark Roseman (Hg.): Generations in conflict. Youth Revolt and Generation Formation in Germany 1770–1968. Cambridge 1995, S. 121–136, hier S. 124 ff.Google Scholar
  45. 45.
    Vgl. Ziemann, Milieukulturen, S. 253; Schuhmann, Einheitssehnsucht, S. 103 ff. und Bernd Weisbrod: Gewalt in der Politik. Zur politischen Kultur in Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 43 (1992), S. 391–404.Google Scholar
  46. 46.
    Adolf Hitler: Mein Kampf. 20. einbändige Auflage. München 1933, S. 172–225. Zur Rolle Hitlers als Mythosproduzent für die nationalsozialistische Bewegung vgl. Sabine Behrenbeck: Der Kult um die toten Helden. Nationalsozialistische Mythen, Riten und Symbole. Vierow bei Greifswald 1996.Google Scholar
  47. 47.
    Hitler, Mein Kampf, S. 173.Google Scholar
  48. 48.
    Ebd., S. 179.Google Scholar
  49. 49.
    Ebd., S. 180 f. Allerdings fehlen in der Hitlerschen Version zentrale Elemente wie Jugend, Opfermut und Idealismus. Hüppauf hat daraus gefolgert, daß Hitler kein wirklicher Verfechter des »Langemarck-Mythos« war und diese Passage lediglich ein Tribut an die bürgerliche Anhängerschaft darstelle. Vgl. Hüppauf, Schlachtenmythen, S. 67 ff.Google Scholar
  50. 50.
    Hitler, Mein Kampf, S. 181.Google Scholar
  51. 51.
    Ebd., S. 182.Google Scholar
  52. 52.
    Ebd., S. 223f.Google Scholar
  53. 53.
    Ebd., S. 225.Google Scholar
  54. 54.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 18, S. 2.Google Scholar
  55. 55.
    HIA, Abel Coll., Box 3, # 185, S. 1.Google Scholar
  56. 56.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 24, S. 1.Google Scholar
  57. 57.
    HIA, Abel Coll., Box 3, # 196, S. 2. F. schlägt nach dem Kriegsende eine Lehrerlaufbahn ein und erfüllt sich damit den Berufswunsch, den er nach eigenen Angaben bereits als Jugendlicher hatte.Google Scholar
  58. 58.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 57, S. 2.Google Scholar
  59. 59.
    HIA, Abel Coll., Box 2, # 88, S. 1.Google Scholar
  60. 60.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 12, S. 1. Der Autor hatte sich 1915 freiwillig zu Feldartillerie gemeldet und war immerhin drei Jahre an der Front.Google Scholar
  61. 61.
    HIA, Abel Coll., Box 2, # 94, S. 1. Bei Friedrich S. ist ein antisemitischer Rassismus das dominante Deutungsmuster seiner Selbstpräsentation hinter dem das »Fronterlebnis« vollkommen verschwindet.Google Scholar
  62. 62.
    Ebd., S. 1 f.Google Scholar
  63. 63.
    Ebd., S. 3.Google Scholar
  64. 64.
    HIA, Abel Coll., Box 3, # 167, S. 2.Google Scholar
  65. 65.
    HIA, Abel Coll., Box 3, # 186, S. 2f. A., der im Gegensatz zu den jugendlichen Freiwilligen 1915 bereits eine etablierte Berufs- und Familienbiographie aufweist, war als unausgebildeter Ersatzreservist eingezogen worden und bekleidete 1916 den Rang eines Zugführers.Google Scholar
  66. 66.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 18, S. 3.Google Scholar
  67. 67.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 17, S. 2.Google Scholar
  68. 68.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 8, S. 1.Google Scholar
  69. 69.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 43, S. 2.Google Scholar
  70. 70.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 24, S. 3. Dieses offensichtlich von Hitler selbst verwendete Deutungsmuster einer Geburt des Nationalsozialismus im Schützengraben wird von einigen Autoren der Abel Collection reproduziert: Vgl. u.a.: HIA, Abel Coll., Box 3, # 143, S. 1; HIA, Abel Coll., Box 1, # 8, S. 1; HIA, Abel Coll., Box 1, # 12, S. 4 und HIA, Abel Coll., Box 1, # 50, S. 6.Google Scholar
  71. 71.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 50, S. 5.Google Scholar
  72. 72.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 8, S. 1.Google Scholar
  73. 73.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 50, S. 1. Zur Jüngerschen Deutung des Krieges vgl. v.a.: Ernst Jünger: Der Kampf als inneres Erlebnis. Berlin 1922.Google Scholar
  74. 74.
    HIA, Abel Coll., Box 3, # 176, S. 1. Zur Benjaminschen Kritik vgl. Walter Benjamin: Theorien des deutschen Faschismus. Zu der Sammelschrift »Krieg und Krieger«. In: Die Gesellschaft. Internationale Revue für Sozialismus und Politik, 2 (1930), S. 32–41, hier S. 34 (Zitat) und Ders.: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. In: Gesammelte Schriften. Unter Mitwirkung von Theodor W. Adorno und Gershom Scholem hg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser. Bd. I. 2: Abhandlungen. Hg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser. Frankfurt/M. 1991, S. 432–469.Google Scholar
  75. 75.
    HIA, Abel Coll., Box 3, # 176, S. 2f. Die Selbstpräsentation, aber auch der Lebenslauf von Helmut F. entspricht dabei weitgehend dem Typus des entfremdeten, brutalisierten »Frontkämpfers«. Er schloß sich zunächst nach Kriegsende einem Freikorps an, der im Kurland den Krieg fortsetzte und tauchte anschließend auf einem Rittergut als Landarbeiter unter. Unfähig, sich in die Friedensgesellschaft zu integrieren, schlug er sich während der Inflationszeit mit zahlreichen Tätigkeiten durch und schloß sich bereits 1922 der nationalsozialistischen Bewegung an. Dort engagierte er sich hauptsächlich in der Presse- und Propagandaarbeit und bekleidete nach 1933 das Amt des Bürgermeisters von Calbe.Google Scholar
  76. 76.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 24, S. 5. Die zitierte Stelle kann als Intertext zu Hitlers Mein Kampf gelesen werden. Die ausführliche Schilderung dieses Initialerlebnisses parallelisiert dessen »Wandelung zum Antisemiten« und der Schlußsatz erscheint fast als Zitat von Hitlers markigen Satz »Ich aber beschloß, Politiker zu werden.«. Hitler: Mein Kampf, S. 59–63 und S. 225 (Zitat).Google Scholar
  77. 77.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 58, S. 1.Google Scholar
  78. 78.
    HIA, Abel Coll., Box 2, # 94, S. 1. Der Autor, Friedrich S., ist einer der wenigen fanatischen Antisemiten in der Abel Collection (vgl. auch Anm. 61)Google Scholar
  79. 79.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 43, S. 2.Google Scholar
  80. 80.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 55, S. 2.Google Scholar
  81. 81.
    Ebd., S. 3. Der Autor schloß sich bereits 1925 der nationalsozialistischen Bewegung an, die für ihn die Sehnsucht nach dem Geist der Frontkameradschaft am glaubwürdigsten verkörperte.Google Scholar
  82. 82.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 35, S. 3. Welche Bedeutung Hermann R. diesem antirepublikanischen Kampf in seiner Lebenskonstruktion beimißt, zeigt sich auch an der inneren Gewichtung seiner Selbstpräsentation. Während er seine Kriegserfahrungen in drei Zeilen abhandelt, umfaßt die Schilderung der »Kampfzeit« 35% des gesamten Textes.Google Scholar
  83. 83.
    HIA, Abel Coll., Box 2, # 68, S. 1. Der Autor hatte sein vor dem Krieg begonnenes Tiermedizinstudium im August 1914 unterbrochen und sich als Freiwilliger gemeldet. Nach dem Kriegsende machte er statt dessen eine kaufmännische Ausbildung.Google Scholar
  84. 84.
    HIA, Abel Coll., Box 1, # 57, S. 3.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Patrick Krassnitzer

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