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Unter dem Blick der Barbaren

Erinnerung und Alterität bei Maurice Barrès
  • Susanne Stemmler
Chapter

Zusammenfassung

Die Texte des französischen Autors Maurice Barrès (1862–1923) sind im Kontext jenes nationalistischen Denkens in Frankreich zu sehen, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Folge des französisch-preußischen Krieges virulent wurde. Es war geprägt von dem Bemühen, den politischen Diskurs von 1789 — mit den Ideen der Aufklärung und des Nationalstaates — als ›modernen‹ Diskurs mit ›geistig-moralischen‹ Werten kompensatorisch zu ergänzen oder diesem einen Gegendiskurs entgegenzusetzen.1 Diese national orientierten Diskurse entwickelten sich im Zuge der Etablierung des republikanischen Regierungssystems in der Dritten Republik (1871–1914) und des territorialen Verlustes von Elsaß-Lothringen nach 1871. Die sogenannte Dreyfus-Affaire legte die politisch-intellektuelle Spaltung Frankreichs in deux Frances, in die republikanische einerseits und in die monarchistisch-katholizistische Denkrichtung andererseits offen. In diesem Gefuge bewegte sich Maurice Barrès auf der Seite der Anti-Republikaner und bildet eine Art Grundpfeiler der ›neuen Rechten‹.2 Den diskursiven Hintergrund bildet das Dekadenzempfinden am Ende des Jahrhunderts, des fin de siècle, das die entscheidenden Impulse für die ›Moderne‹ gab.3

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Notizen

  1. 1.
    Vgl. Pierre Taminiaux: Sacred Text, Sacred Nation. In: Laura García-Moreno, Peter C. Pfeiffer (Hg.): Text and Nation: Cross-Disciplinary Essays on Cultural and National Identities. Studies in German Literature, linguistics and culture. Columbia 1996, S. 91–104.Google Scholar
  2. 2.
    Zur Verortung Barrès’ im politischen Kontext seiner Zeit vgl. Anthony A. Greaves: Maurice Barrès. Boston 1978; Michael Curtis: Three against The Third Republic. Sorel, Barrès and Maurras. Princeton 1959 und C. Stewart Doty: From Cultural Rebellion to Counterrevolution: The politics of Maurice Barrès. Ohio 1976.Google Scholar
  3. 3.
    Zu den Begriffen der Jahrhundertwende(n), des fin de siècle und der Moderne(n) vgl. Vittoria Borsò/Björn Goldammer: Einleitung. In: Dies. (Hg.): Moderne(n) der Jahrhundertwenden. Spuren der Moderne(n) in Kunst, Literatur und Philosophie auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Baden-Baden 2000, S. 11–22 sowie darin den Aufsatz von Ulrich Schulz-Buschhaus: Fin de siècle und Choc der Multiplizität, S. 149–163.Google Scholar
  4. 4.
    Maurice Barrès: Le moi. In: L’œuvre de Maurice Barrès. Annotèe par Philippe Barrès. Tome I. Paris 1965: Sous l’œil des barbares, Un Homme libre sowie Le Jardin de Bérénice. Auf die beiden erstgenannten Romane wird im folgenden durch die Siglen B bzw. HL und die entsprechende Seitenangabe Bezug genommen. Alle Übersetzungen der französischen Zitate stammen von der Verfasserin.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. David Carroll: French literary Fascism. Nationalism, Anti-Semitism and the Ideology of Culture. New Jersey 1995, S.22f.Google Scholar
  6. 6.
    Maurice Barrès: Le roman de l’énergie nationale. In: L’œuvre de Maurice Barrès. Tome III. Paris 1965: Les Déracinés, L’appel au soldat sowie Leurs figures. Im folgenden wird der Roman Les Déracinés mit ›D‹ sigliert.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. Eric Hobsbawm: Inventing Traditions (Introduction). In: Ders./Terence Ranger (Hg.): The Invention of Tradition. Cambridge 1997, S. 1–14, hier S. 1 ff.Google Scholar
  8. 8.
    Die Begriffe Gedächtnis und Erinnern werden im folgenden nach der Differenzierung von Nicolas Pethes verstanden, die er analog zur systemtheoretischen Unterscheidung von ›Medium‹ (d.h. Gedächtnis als undifferenzierter Möglichkeitsraum) und ›Form‹ (d.h. Erinnerung als Aktualisierung des Gespeicherten) verwendet. Vgl. Nicolas Pethes: Mnemographie. Poetiken der Erinnerung und Dekonstruktion nach Walter Benjamin. Tübingen 1999.Google Scholar
  9. 9.
    Pethes, Mnemographie, S. 7.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. Walter Benjamin: Denkbilder. In: Ders.: gesammelte Schriften. Unter Mitwirkung von Theodor W. Adorno und Gershom Scholem hg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser. Bd. IV. 1: Kleine Prosa, Baudelaire-Übertragungen. Frankfurt/M. 1991, S. 305–38, hier S. 401. Im folgenden wird auf die Gesammelten Schriften Benjamins durch die Sigle ›GS‹ und die entsprechende Bandzahl verwiesen.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. Pethes, Mnemographie, S. 18.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Anne Syndram: Rhetorik des Mythos. Literarische Bilderwelt und politische Symbolik im Werk von Maurice Barrès und Ernst Jünger. Aachen 1995, S. 266. Vgl. auch Carroll, French Literary Fascism.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. Taminiaux, Sacred Text, Sacred Nation, S. 101.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. Syndram, Rhetorik des Mythos, S. 270.Google Scholar
  15. 15.
    Kompensation ist eine psychoanalytische Kategorie. Vgl. den Ansatz von Hans-Ulrich Gumbrecht, Juan-José Sánchez: Geschichte als Traum — Literaturgeschichte als Kompensation? In: Bernard Cerquiglini, Hans-Ulrich Gumbrecht (Hg.): Der Diskurs der Literatur- und Sprachhistorie. Wissenschaftsgeschichte als Innovationsvorgabe. Frankfurt/M. 1983, S. 333–366.Google Scholar
  16. 16.
    Pierre Nora: Zwischen Geschichte und Gedächtnis. Frankfurt/M. 1998, S. 17.Google Scholar
  17. 17.
    Walter Benjamin: Zum gegenwärtigen gesellschaftlichen Standort des französischen Schriftstellers. In: Bd. II. 2. S. 776–803, hier S. 778 f.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. Ernst-Robert Curtius: Maurice Barrès und die geistigen Grundlagen des französischen Nationalismus. Hildesheim 1962.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. Taminiaux, Sacred Text, Sacred Nation, S. 201.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. z.B. Zeev Sternhell: Maurice Barrès et le nationalisme français. Paris 1972.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. z.B. Robert Soucy: Fascism in France: The Case of Maurice Barrès. Berkeley 1972 sowie Doty, From Cultural Rebellion to Counterrevolution.Google Scholar
  22. 22.
    Benjamin, Zum gegenwärtigen gesellschaftlichen Standort des französischen Schriftstellers, S. 778f.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. Angelika Rauch: The Broken Vessel of Tradition. In: Representations 53 (1996), S. 74–96, hier S. 80 f.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. Gérard Genette: Figures III. Paris 1972.Google Scholar
  25. 25.
    Benjamin bezeichnet die Romane Barrès’ als »Thesenschriften«. Benjamin, Zum gegenwärtigen gesellschaftlichen Standort des französischen Schriftstellers, S. 791.Google Scholar
  26. 26.
    »Dies ist eine kurze realistische Monographie. Die Wirklichkeit variiert mit jedem von uns, denn sie ist die Gesamtheit unserer Gewohnheiten zu sehen, zu empfinden und zu denken. Ich beschreibe ein junges und empfindsames Wesen, dessen Weltsicht sich ständig ändert und das eine recht genaue Erinnerung an sechs oder sieben verschiedene Wirklichkeiten besitzt.«Google Scholar
  27. 27.
    Dennoch unterscheidet sich Barrès ›dekadenter‹ Objektivismus deutlich etwa von der inszenierten Subjektdezentrierung eines Charles Baudelaire oder Théophile Gautier. Vgl. dazu auch Elisabeth Constable: Dis-Orienting Cultural Economies: Questioning the »Orient« in Balzac, Flaubert, Barrès and Rachilde. Irvine (University of California Dissertation) 1995, S. 204 und 229. Vgl. auch: »Although Barrès initially seeks the scope implicit in a space opened up by dis-orientation from the self, he also turns that space into a rigid model to be imposed.« Ebd., S. 297.Google Scholar
  28. 28.
    In einem Brief an Victor Giraud schreibt Barrès: »d’une manière un peu plus objective« (»auf eine etwas objektivere Art und Weise«), zitiert nach: Marie-Odile Germain: Genèse d’un Roman. Les Déracinés. In: André Guyaux u.a. (Hg.): Barrès. Une tradition dans la modernité. Paris 1989, S. 31–40, hier S. 38.Google Scholar
  29. 29.
    »Mein Buch, so denke ich, ist dazu bestimmt, nützlich zu sein.« »Ich wollte mich ganz unverhüllt darstellen.« »Ich vergaß, daß es sich darum handeln sollte, einen Bezug zwischen Autor und Leser herzustellen.«Google Scholar
  30. 30.
    Vgl. Constable, Dis-Orienting Cultural Economies, S. 255 f.Google Scholar
  31. 31.
    »die denkbar kindlichste Form«.Google Scholar
  32. 32.
    »nützlich für die jungen Franzosen«.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. Genette, Figures III, S. 206 ff.Google Scholar
  34. 34.
    Martine Reid: L’Orient liquidé. In: Romanic Review 83 (1992), H. 3, S. 379–88, hier S. 379.Google Scholar
  35. 35.
    Zu den Feierlichkeiten anläßlich der Beerdigung Victor Hugos als ›Ort‹ nationalen Gedenkens in der Republik vgl. Avner Ben-Arnos: Les funérailles de Victor Hugo. In: Pierre Nora (Hg.): Les lieux de Mémoire. Bd. I: La République. Paris 1984, S. 473–522, bes. S. 512. »Une explosion et une pédagogie de la mémoire […] le véritable héros qui ressort de ces descriptions, ce n’est pas Victor Hugo, mais la foule.« Ebd., S. 475.Google Scholar
  36. 36.
    »wie die Orientalen in der Wüste auf der Suche nach dem Propheten«.Google Scholar
  37. 37.
    Vgl. Carroll, French Literary Fascism, S. 31.Google Scholar
  38. 38.
    Constable, Dis-Orienting Cultural Economies, S. 236.Google Scholar
  39. 39.
    Der Begriff Chronotopos wurde von Michail Bachtin eingeführt für »den grundlegenden wechselseitigen Zusammenhang der in der Literatur künstlerisch erfassten Zeit- und Raumbeziehungen.« Michail Bachtin: Formen der Zeit im Roman. Untersuchungen zur historischen Poetik. Frankfurt/M. 1989, S. 7.Google Scholar
  40. 40.
    »die einzige Realität, (an) das Selbst«.Google Scholar
  41. 41.
    »Während wir darauf warten, daß unsere Lehrer uns die Gewißheiten wiedergeben, müssen wir uns an die einzige Wirklichkeit halten, an das Ich.«Google Scholar
  42. 42.
    »die Vergangenheit und die Zukunft verbindend«.Google Scholar
  43. 43.
    »Und jede Woche versammelte sie [Athene; d. Verf.] die Griechen um sich. Und sie erhielt in diesen Seelen, aus ihrem Jahrhundert und ihrem Vaterland verbannt, die Würde zu Denken und den Mut zur Erinnerung aufrecht.«Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. Syndram, Rhetorik des Mythos, S. 145–146.Google Scholar
  45. 45.
    Zur Konnotation des Begriffes ›Barbar‹ gibt Yoshiro Nakamura einen Überblick: »Vor allem das Ereignis der Persischen Kriege fördert eine entscheidend neue Differenzierung: die zwischen Griechen insgesamt und den Barbaren. Gebraucht Homer diesen Ausdruck noch zur wertungsneutralen Kennzeichnung der Fremdsprachlichkeit der Karer, erhält er schon bei Heraklit eine negative Konnotation im Rahmen der Polemik gegen die Uneinsichtigen. Erst unter der Bedrohung durch das Persische Reich allerdings wandelt sich der Ausdruck auch zu einer Kategorie der Fremdheit am Kriterium der Zugehörigkeit/Nichtzugehörigkeit zum Griechentum, deren Dualismus nun auch verknüpft wird mit allgemeinen politischen Wertungen wie Freiheit/Despotie, hohe/niedere Kultur usw.« Yoshiro Nakamura: Xenosophie. Bausteine für ein Theorie der Fremdheit. Darmstadt 2000, S. 26.Google Scholar
  46. 46.
    »dieses in seiner Bestialität vor sich hin dämmernde Volk«.Google Scholar
  47. 47.
    »Wie das Gebiß eines wilden Tieres schloß sich die Menge, die Körperteile der Jungfrau wurden verteilt, während die Barbaren unbeteiligt unter ihren Helmen und ihrer Standarte über diesen Mord verächtlich lachten und so die Hoheit des Reiches und das Leichentuch der antiken Welt beschmutzten.«Google Scholar
  48. 48.
    »Und wenn ihr nicht gegen die Barbaren angeht, werden diese euch auslöschen.«Google Scholar
  49. 49.
    »die große Ebene, in der sich die Barbaren aufhalten«.Google Scholar
  50. 50.
    »Er sah die Barbaren vor sich hin grummein, er zitterte bei dem Gedanken zu ihnen hinabzugehen, aber etwas hielt ihn zurück, ein gewisser Vorbehalt, Angst. Zugleich verachtete er sie.«Google Scholar
  51. 51.
    »Er verstand, daß er sich beschmutzt hatte, weil er sich dazu herabgelassen hatte, an den Anderen zu denken.«Google Scholar
  52. 52.
    Zu den Definitionen von »äußerer Fremdheit« als Außen der eigenen Kultur und von »innerer Fremdheit« als ›virtuelles‹ Außen im Inneren vgl. Nakamura, Xenosophie, S. 36–39. Vgl. auch: Jonathan Fishbane: From Decadence to Nationalism in the Early Writings of Maurice Barrès. In: Nineteenth-Century-French Studies 13 (1985), H. 4, S. 266–278, hier S. 269.Google Scholar
  53. 53.
    »Aber bald werde ich durch die sinnlichen und vulgären Barbaren, unter deren Blick ich taumele, überwacht, eingeschätzt, bewertet, taxiert und schließlich anerkannt.«Google Scholar
  54. 54.
    »Ob man sie nun als vulgär oder als elitär bezeichnet, jeder, außer mir selbst, ist Barbar. […] um die empfindlichen Feinheiten meines Ich zu kultivieren. Und wegen dieser Barbaren unternehme ich die Anstrengung, mich jeden Morgen zu schaffen, hänge ich doch von ihrer täglichen Meinung ab!«Google Scholar
  55. 55.
    »Wir sind die Barbaren, singen sie und halten sich an den Händen, wir sind die Überzeugten. Wir haben jedem Ding seinen Namen gegeben, wir wissen, wann es zu lachen und wann es ernst zu sein gilt. […] Wir besitzen tief in unseren Taschen die Hochachtung, das Vaterland und alle Orte. Wir haben den Begriff des Lächerlichen (gegen all jene, die anders sind) und den Typ des guten Jungen (so bewundernswert ist die Tiefe unserer Seele) geprägt.«Google Scholar
  56. 56.
    »Ein Ich, das sich nicht unterwirft, das ist der Held dieses Büchleins. Sich nicht mehr unterwerfen, das ist das Heilmittel, wenn wir von einer anarchischen Gesellschaft eingezwängt werden, in der die Vielfalt der Meinungen keinerlei Disziplin zuläßt, und wenn über unsere Grenzen mächtige Ströme des Fremden auf die väterlichen Felder gelangen, um uns irrezuleiten und hinfortzutragen.«Google Scholar
  57. 57.
    Zum Begriff der Multiplizität vgl. Schulz-Buschhaus, Choc der Multiplizität.Google Scholar
  58. 58.
    »Ich sehe, wenn ich in die französische Tradition eintauche, sehe und fühle größtes Glück. Ich finde in unserer Literatur, in der Ordnung und Ehrgefühl herrscht, meine eigene Substanz wieder. Ich möchte, daß Frankreich, oder vielmehr das Ideal der Franzosen, Ronsard, Racine, Châteaubriand, Corneille, Napoleon, weiter blüht. Ich möchte nicht, daß es fremdgeleitet wird. Deshalb bin ich konservativ und möchte nicht, daß man den französischen Staat desorganisiert.« Maurice Barrès: Mes Cahiers. Paris 1929–1957. Tome IV (1931), S. 67: »Comment je suis conservateur.«Google Scholar
  59. 59.
    Vgl. Nora (Hg.), Les lieux de mémoire.Google Scholar
  60. 60.
    Manfred Schneider: Die Moderne — das barbarische Zeitalter. Wie die endzeitliche Unruhe zum unentwegten Spiel der Kultur wurde. In: Literaturen 3/4 (2001), H. II, S.73–77, hier S. 77.Google Scholar
  61. 61.
    Vgl. Caroll, French Literary Fascism, S. 28.Google Scholar
  62. 62.
    Vgl. Schulz-Buschhaus, Choc der Multiplizität, S. 151.Google Scholar
  63. 63.
    Vgl. Tzvetan Todorov: Nous et les autres. Le réflexion française sur la diversité humaine. Paris 1989, S. 345. Vgl. zu Barrès ebd., S. 309–314 sowie S. 331–338.Google Scholar
  64. 64.
    »Sie waren verwirrt angesichts der Vielfalt, der Strahlkraft und der Widersprüche der Systeme.«Google Scholar
  65. 65.
    »Die fernen orientalischen Düfte des Todes, gefiltert durch das Netz der deutschen Denker, werden sie etwa die Schüler nicht verwirren?« Ebd., S. 21.Google Scholar
  66. 66.
    »Der Kantianismus, die offizielle Religion der Universität, entwurzelt die Geister.«Google Scholar
  67. 67.
    »diese junge Frau, die einem jungen Lothringer Asien in die Arme legte«.Google Scholar
  68. 68.
    Der Begriff des Intellektuellen wurde mit seiner pejorativen Konnotation zuerst von Barrès im Kontext der Dreyfus-Affäre verwendet. Vgl. Constable, Dis-Orienting Cultural Economies, S. 269.Google Scholar
  69. 69.
    Vgl. dazu Constable, Dis-Orienting Cultural Economies, S. 224. Constable weist daraufhin, daß ›bazar‹ im Französischen nicht nur einen ›orientalischen Markt‹ bezeichnet, sondern auch ein umgangsprachlicher Ausdruck sowohl für das Gymnasium und als auch das Bordell ist. Ebd., S. 241.Google Scholar
  70. 70.
    Vgl. Herfried Münkler (Hg.): Die Herausforderung durch das Fremde. Berlin 1998 und Nakamura, Xenosophie, S. 21–46.Google Scholar
  71. 71.
    »Ich komme aus Konstantinopel und von überall her.«Google Scholar
  72. 72.
    Vgl. Carroll, French Literary Fascism, S. 32.Google Scholar
  73. 73.
    »Sturel bat sie mehrmals in der Woche um die Fortsetzung ihrer schönen Geschichten, die erst zur ersten Mahlzeit endeten.«Google Scholar
  74. 74.
    »Während der langen Wintermonate profitierte er, an seine Armenierin geschmiegt, von ihrem gesamten Wissen. Besser als Reisen bilden solche Ruhephasen die Jugend. Sie erzählte ihm von Konstatinopel, Petersburg, Tiflis und dem Ufer Asiens, wo sie geboren war. […] Er bat sie, immer weiter zu erzählen.«Google Scholar
  75. 75.
    »ein melancholischer Rausch«.Google Scholar
  76. 76.
    Vgl. z.B. »[…] en plusieurs nuits elle le raconta, d’une façon aussi attrayante, aussi ingénieuse que Scheherazade auprès de son sultan […]« (D 83) (»sie erzählte davon in mehren Nächten, auf eine genauso anziehenden und geniale Weise wie Scheherazade dem Sultan«) oder »Quand Astiné eut terminé son récit, le jeune homme désormais avait dans sa conscience, comme un virus dans son sang, un principe par quoi devait être gâté son sens naturel de la vie.« (D 93) (»Als Astiné ihre Erzählung beendet hatte, verspürte der junge Mann währenddessen ein Prinzip, durch das sein natürlicher Lebenstrieb wie durch einen Virus in seinem Blut geschmälert wurde.«)Google Scholar
  77. 77.
    »Astiné, c’est un livre admirable qu’il feuillette; il s’empoisonne avec avidité de toutes ses paroles […].« (D 95)Google Scholar
  78. 78.
    »Seine Energie hörte auf vor sich hin zu dämmern, sie kochte in seinen Adern. Währenddessen ließen die Worte Astinés ihre gefährlichen fremden Elemente in den durcheinander geratenen Organismus Sturels strömen.«Google Scholar
  79. 79.
    »Du darfst nicht glauben, es gäbe auf dieser Welt nur Frankreich […], aber um so mehr Abenteuer im Orient.«Google Scholar
  80. 80.
    »Er erkannte das Universum wieder; er empfand Freude, aber würde er noch im Angesicht seiner Selbst leben! Eine Art Fieber überfiel ihn, er wurde von Tatkraft, Energie erfaßt, er strebte nach Heldentum, um seinen Willen zu bekräftigen.«Google Scholar
  81. 81.
    »[…] l’assassinat d’Astiné condense les éléments de l’inconscient politique de Barrès.« Reid, L’Orient liquidé, S. 386.Google Scholar
  82. 82.
    Vgl. Carroll, French Literary Fascism, S. 38.Google Scholar
  83. 83.
    Vgl. dazu Doty, From Cultural Rebellion to Counterrevolution, S. 6.Google Scholar
  84. 84.
    Jean Cocteau: La noce massacrée. Souvenirs, Visites à Maurice Barrès. Paris 1921, S. 36.Google Scholar
  85. 85.
    Reid, L’Orient liquidé, S. 388.Google Scholar
  86. 86.
    Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. in: GS 1.2. Frankfurt/M. 1991, S. 432–469.Google Scholar
  87. 87.
    Vgl. Arthur B. Mitzman, Vom historischen Bewußtsein zur mythischen Erinnerung. Nationale Identitäten, Zivilisationsprozesse und Unterdrückung im modernen Europa. In: Jörn Rüsen/Jürgen Straub (Hg.): Die dunkle Spur der Vergangenheit. Psychoanalytische Zugänge zum Geschichtsbewußtsein. Frankfurt/M. 1998, S. 397–416, hier S. 401.Google Scholar
  88. 88.
    »Ich konstruiere mit diesen schönen Elementen immerzu einen Gedanken, dessen Urheber und Schüler ich zugleich bin […] unermüdlich kultiviere, erfinde, erschaffe ich in mir eine Art inneres Lothringen.« Barrès, Mes Cahiers, Tome I (1929), S. 46f. Vgl. dazu auch Fishbane, From Decadence to Nationalism, S. 272.Google Scholar
  89. 89.
    Irmgard Stintzing: Landschaft und Heimatboden. Ideologische Aspekte eines literaischen Themas bei Maurice Barrès, Angel Ganivet und Miguel de Unamuno. Frankfurt/M. 1976, S. 17. Stintzing stellt fest, daß für Barrès das ›ursprünglichere‹ Spanien als Gegenwelt zum Verlust Lothringens und zur Technisierung Frankreichs gilt.Google Scholar
  90. 90.
    Aleida Assmann: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München 1999, S. 325.Google Scholar
  91. 91.
    Barrès, Mes Cahiers, Tome XIII (1950), S. 335.Google Scholar
  92. 92.
    Vgl. Stintzing, Landschaft und Heimatboden.Google Scholar
  93. 93.
    »Durch die Demütigungen gelangen meine Gedanken, die vorher so stolz auf ihre Freiheit waren, dazu, die Abhängigkeit von der Erde und den Toten zu erkennen, die sie lange vor meiner Geburt prägten.« Zu »La Terre et les morts« vgl. auch Maurice Barrès: Mes Cahiers 1896–1923. Textes choisis par Guy Dupré. Paris 1963, S. 161.Google Scholar
  94. 94.
    Die Formel »la terre et les morts« war der Titel einer Konferenz der Ligue de la Patrie Française am 10. März 1899. Vgl. hier auch die Parallele zu Ernst Jünger und der Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg. Vgl. Syndram, Rhetorik des Mythos, S. 271. Manfred Schneider weist darauf hin, daß Ernst Jünger den dekadenten Pluralismus der Kultur angewidert beobachte. Vgl. Schneider, Die Moderne — das barbarische Zeitalter, S. 75 — auch hier eine Parallele zu Barrès.Google Scholar
  95. 95.
    Vgl. Carroll, French Literary Fascism, S. 26.Google Scholar
  96. 96.
    Vgl. Sternhell, Maurice Barrès et le nationalisme français, S. 371.Google Scholar
  97. 97.
    Hobsbawm, Inventing Traditions, S. 1–3.Google Scholar
  98. 98.
    Vgl. Carroll, French Literary Fascism, S. 30.Google Scholar
  99. 99.
    Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. München 1992 und Ders.: Kollektives Gedächtnis und kulturelle Identität. In: Ders./Tonio Hölscher (Hg.): Kultur und Gedächtnis, Frankfurt/M. 1988, S. 9–19.Google Scholar
  100. 100.
    »Er ist Ich, er ist der Übergang, an dem sich die Bilder und Gedanken konzentrieren.«Google Scholar
  101. 101.
    Schneider, Die Moderne — das barbarische Zeitalter, S. 74.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

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  • Susanne Stemmler

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