Advertisement

Die »unvermeidliche dunkle Geschichte« hinter den Texten

Überlegungen zum Verhältnis von Werk und Biographie bei Ingeborg Bachmann
Chapter
  • 36 Downloads

Zusammenfassung

Die Biographie gilt als das wissenschaftliche Genre, das der Kunst am nächsten steht.1 Doch hat sie sich nicht wie der Roman gegen die periodischen Totsagungen behaupten können. Dabei wäre sie, wie dieser, nichts Gegebenes, nichts Feststehendes, sondern immer wieder neu zu erfinden, inspiriert von den avanciertesten wissenschaftlichen Textanalysen und von der modernen Literatur, die doch auch ohne organischen Erzähler, ohne identisches Ich und ohne das alte Vertrauen in die Sprache auskommt.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. Scheuer, Helmut: Biographie. Überlegungen zu einer Gattungsbeschreibung. In: Reinhold Grimm, Jost Hermand (Hg.): Vom Anderen und vom Selbst. Beiträge zu Fragen der Biographie und Autobiographie. Königstein/Ts. 1982, S. 9–29; hier S. 9.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Raulff, Ulrich: Wäre ich Schriftsteller und tot … Vorläufige Gedanken über Biographik und Existenz. In: Hartmut Böhme, Klaus R. Scherpe (Hg.): Literatur und Kulturwissenschaften. Positionen, Theorien, Modelle. Reinbek bei Hamburg 1996, S. 187–204; hier S. 190–197.Google Scholar
  3. 3.
    »Ist durch Einstein unser Zeit-Raum-System zum Grenzbegriff geworden, so durch den Anschauungsunterricht der Geschichte das selbstherrliche Subjekt. Allzu nachhaltig hat in der jüngsten Vergangenheit jeder Mensch seine Nichtigkeit und die der andern erfahren müssen, um noch an die Vollzugsgewalt des beliebigen Einzelnen zu glauben. Sie aber bildet die Voraussetzung der bürgerlichen Literatur in den Vorkriegsjahren. Die Geschlossenheit der alten Romanform spiegelte die vermeintliche der Persönlichkeit wider, und seine Problematik ist stets eine individuelle. Das Vertrauen in die objektive Bedeutung irgendeines individuellen Bezugssystems ist den Schaffenden ein für allemal verlorengegangen«. Kracauer, Siegfried: Die Biographie als neubürgerliche Kunstform (FZ 29. Juni 1930). In: Ders.: Das Ornament der Masse. Essays. Frankfurt/M. 1977, S. 75–80; hier S. 76.Google Scholar
  4. 4.
    Adorno, Theodor W: Die revidierte Psychoanalyse. In: Bernhard Görlich, Alfred Lorenzer, Alfred Schmidt (Hg.): Der Stachel Freud. Beiträge und Dokumente zur Kulturismus-Kritik. Frankfurt/M. 1980, S. 119–138; hier S. 122 f.Google Scholar
  5. 5.
    Bachmann, Ingeborg: Interview mit Gerda Bödefeld, 24. Dezember 1971. In: Christine Koschel, Inge von Weidenbaum (Hg.): Ingeborg Bachmann: Wir müssen wahre Sätze finden. Gespräche und Interviews. München, Zürich 1983, S. 111–115; hier S. 111.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. von der Lühe, Irmela: »Ich ohne Gewähr«. Ingeborg Bachmanns Frankfurter Vorlesungen zur Poetik. In: Dies. (Hg.): Entwürfe von Frauen in der Literatur des 20. Jahrhunderts. Berlin 1982, S. 106–131; hier S. 107.Google Scholar
  7. 7.
    Böll, Heinrich: Spurensicherung. Über Uwe Johnsons Eine Reise nach Klagenfurt. In: Ders.: Einmischung erwünscht. Schriften zur Zeit. Köln 1977, S. 173–175; hier S. 173.Google Scholar
  8. 8.
    Benjamin, Walter: Der Erzähler. Betrachtungen zum Werk Nikolai Lesskows. In: Ders.: Illuminationen. Ausgewählte Schriften. Frankfurt/M. 1969, S. 409–436; hier S. 410.Google Scholar
  9. 9.
    Bormann, Alexander von: »Besetzt war sie, durch und durch«. Traumatisierung im Werk von Anne Duden. In: Stephan Braese, Holger Gehle, Doron Kiesel, Hanno Loewy (Hg.): Deutsche Nachkriegsliteratur und Holocaust. Frankfurt/M., New York 1998, S. 245–267; hier S. 263.Google Scholar
  10. 10.
    Bachmann, Ingeborg: Todesarten-Projekt. Kritische Ausgabe. Unter Leitung von Robert Pichl hg. von Monika Albrecht und Dirk Göttsche. 4 Bde. München, Zürich 1995; hier Bd. 2: Das Buch Franza, S. 270.Google Scholar
  11. 11.
    Heidelberger-Leonard, Irene: Ingeborg Bachmann und Jean Améry: Zur Differenz zwischen Ästhetisierung des Leidens und der Authentizität traumatischer Erfahrung. In: Dirk Göttsche, Hubert Ohl (Hg.): Ingeborg Bachmann. Neue Beiträge zu ihrem Werk. Würzburg 1993, S. 187–196; hier S. 195.Google Scholar
  12. 12.
    Bachmann, Ingeborg: Malina. In: Dies.: Werke. Hg. v. Christine Koschel, Inge von Weidenbaum, Clemens Münster. 4 Bde. München, Zürich 1978; Bd. 3, S. 9–337; hier S. 22 f.Google Scholar
  13. 13.
    Diesen Titel schlägt Ingeborg Bachmann im Brief an Siegfried Unseld, 16.6.1970, vor: »Ich bin zu meinem allerersten zurückgekehrt, und meine Sicherheit war wieder da; es kann nicht anders heißen.«Google Scholar
  14. 14.
    Benjamin, Walter: Eduard Fuchs, der Sammler und der Historiker. In: Ders.: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Drei Studien zur Kunstsoziologie. Frankfurt/M. 1963, S. 110.Google Scholar
  15. 15.
    Weigel, Sigrid: Ingeborg Bachmann. Hinterlassenschaften unter Wahrung des Briefgeheimnisses. Wien 1999, S. 18 f.Google Scholar
  16. 16.
    Benjamin 1963, S. 100.Google Scholar
  17. 17.
    Benjamin, Walter: Geschichtsphilosophische Thesen. In: Ders.: Illuminationen (s. Anm. 8), S. 268–279; hier S. 276.Google Scholar
  18. 18.
    Barthes, Roland: Diderot, Brecht, Eisenstein. In: Ders.: Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn. Frankfurt/M., S. 98 ff.Google Scholar
  19. 19.
    Weigel 1999, S. 20. (Die Chiffre GuI mit den Seitenzahlen bezieht sich auf die von Christine Koschel u. Inge von Weidenbaum herausgegebenen »Gespräche und Interviews«, s. Anm. 5).Google Scholar
  20. 20.
    Interview mit Ekkehart Rudolph vom 23. März 1971. In: Koschel/von Weidenbaum (Hg.) 1983, S. 81–92; hier S. 88.Google Scholar
  21. 21.
    Interview mit Veit Mölter vom 23. März 1971. In: Koschel/von Weidenbaum (Hg.) 1983, S. 73–80; hier S. 73.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. z. B. Achberger, Karen: »Kunst als Veränderndes«: Bachmann und Brecht. In: Monatehefte für deutschsprachige Literatur und Kultur 83, 1991, H. 1, S. 7–16.Google Scholar
  23. 23.
    Weigel 1999, S. 233.Google Scholar
  24. 24.
    Bachmann, Ingeborg: Enstehung eines Librettos. In: Dies.: Werke. Bd. 1. 1978, S. 369–374; hier S. 369.Google Scholar
  25. 25.
    Bachmann: Entstehung eines Librettos, S.371.Google Scholar
  26. 26.
    Bachmann, Ingeborg: Frankfurter Vorlesungen: Probleme zeitgenössischer Dichtung. In: Dies.: Werke. Bd. 4. 1978, S. 181–271; hier S.190.Google Scholar
  27. 27.
    Weigel 1999, S. 57 f.Google Scholar
  28. 28.
    Weigel 1999, S. 58.Google Scholar
  29. 29.
    Benjamin 1963, S. 102 (s. Anm. 14).Google Scholar
  30. 30.
    Bachmann: Frankfurter Vorlesungen, S. 217.Google Scholar
  31. 31.
    Weigel 1999, S. 59.Google Scholar
  32. 32.
    Bachmann: Malina, S. 175 f.Google Scholar
  33. 33.
    Bachmann, Ingeborg: Der Tod wird kommen. In: Dies.: Werke. Bd. 2, 1978, S. 266–276; hier S. 275.Google Scholar
  34. 34.
    Hakel, Hermann: Dürre Äste, welkes Gras. Begegnungen mit Literaten. Bemerkungen zur Literatur. Wien 1991, S. 206.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

Authors and Affiliations

There are no affiliations available

Personalised recommendations