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Fricka

Eine Frau des 19. Jahrhunderts
  • Barbara Zuber

Zusammenfassung

Die Behandlung der Fricka-Thematik in der Ring-Literatur seit 1876 ist ein Kapitel für sich und so verwickelt wie die Rezeption von Richard Wagners Ring des Nibelungen. Darum einleitend nur einige Stichworte: Die Auffassung, die mythologische Urform der nordischen Frigg sei aufgrund ähnlicher Eigenschaften, die Wagner keineswegs übersehen hat, so ohne historische Distanz auf die Ring-Göttin »quellentreu« zu projizieren, wie 1902 der Germanist Wolfgang Golther über die Rheingold-Götter behauptete1, ist längst revidiert. Die klischeehaften Bilder, die man ihr seit der Uraufführung der Tetralogie unterschob2 und sie damit ziemlich versteinerte — Fricka als sorgende Hausfrau, zänkische Gattin und treulich sorgende Hüterin germanischer Sitte3 —, all die verstellenden, einseitigen Attribute sind weitgehend verschwunden, auch aus den Ring-Inszenierungen. Ebenso hat man mittlerweile die Frauenbilder der wilhelminischen und nationalsozialistischen Ära, die sich in solchen Deutungen verbargen, klug durchschaut. Sie wurde mit dem feministischen Blick gestreift wie mit dem Blick politischer Aufklärung und der Gesellschaftskritik gemustert und zu Wotans dialektisch positioniertem Alter Ego gekürt.4 Doch die göttliche Fricka, die der Komponist wohl wenig mochte, ist und bleibt problematisch.

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Anmerkungen

  1. 2.
    Vgl. auch die Kritiken bei: Susanna Großmann-Vendrey, Bayreuth in der deutschen Presse. Beiträge zur Rezeptionsgeschichte Richard Wagners und seiner Festspiele, Bd. 1, Regensburg 1977, S. 95, 116 u. 182.Google Scholar
  2. 4.
    Vgl. dazu Richard Klein, Der sichtbare und der unsichtbare Gott. Theatralik und Antitheatralik im Ring [Teil I], in: Richard Wagner, Siegfried, Programmheft der Staatsoper Stuttgart 1999, S. 88 ff.Google Scholar
  3. 5.
    Zur langen Reihe der Nibelungendramen vor Wagner vgl.: John Evert Hard, Das Nibelungenepos. Wertung und Wirkung von der Romantik bis zur Gegenwart, aus dem Schwedischen von Christine Palm, Tübingen/Basel 1996, S. 54 ff.Google Scholar
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    Zu Wagners Quellen vgl. im folgenden vor allem die Arbeit von Elizabeth Magee, Richard Wagner and the Nibelungs, Oxford 1990.Google Scholar
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    Vgl. dazu Wagners Brief vom 9. Januar 1856, in: Richard Wagner. Dokumente zur Entstehungsgeschichte des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, hg. von Werner Breig und Hartmut Fladt, Mainz 1976, S. 19 (Richard Wagner. Sämtliche Werke, hg. von Carl Dahlhaus, Bd. 29/1).Google Scholar
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    Vgl. dazu Karl Simrock, Die Edda. Götterlieder, Heldenlieder und Spruchweisheiten der Germanen, vollständige Textausgabe in der Übersetzung von Karl Simrock, überarbeitete Neuausgabe mit Nachwort und Register von Manfred Stange, Augsburg 1995.Google Scholar
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    Vgl. dazu die Kritik von Johannes Krogoll, Gründerzeit — Romantik. Entstehung und literarische Struktur des Ring, in: In den Trümmern der eignen Welt. Richard Wagners Ring des Nibelungen, hg. von Udo Bermbach, Berlin/Hamburg 1989, S. 21: »Die Quellenforschung hat überwiegend eine legitimistische Funktion gehabt. War eine Quelle nachzuweisen, war das Motiv oder das Handlungselement gut, mochte es auch befremden oder Rätsel aufgeben.«Google Scholar
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  • Barbara Zuber

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