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Ein Wort für die Moral

Horkheimer und Adorno lesen Nietzsche
  • Gerhard Schweppenhäuser
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Zusammenfassung

Am 31. Juli 1950 saßen im Hörfunk-Studio des Hessischen Rundfunks in Frankfurt drei Philosophen um das Mikrophon. Anläßlich von Nietzsches bevorstehendem 50. Todestag diskutierten Adorno, Horkheimer und Gadamer. Das klingt heute ganz alltäglich, aber wir müssen uns in Erinnerung rufen, was für eine Konstellation es damals war. Fünf Jahre nach der Befreiung sprechen ein im »Dritten Reich« geschätzter Philosophieprofessor und zwei gerade erst zurückgekehrte, jüdische, gar marxistische Emigranten über einen Denker, den die Nationalsozialisten zu ihrem Philosophen erklärt hatten, zum Archetypen des »germanisch-heroischen Menschen« (so Alfred Rosenberg) und zum »Übermenschen vom deutschen Endkampf« (das waren die Worte von Hans Frank)1 — einen Denker, der daraufhin im staatssozialistischen Deutschland dann gut 40 Jahre lang tabu bleiben sollte. Gadamer hatte sich angepaßt und war ohne Beschädigung durch das »Dritte Reich« gekommen, aber auch ohne sich zu kompromittieren. Adorno und Horkheimer waren 1949 aus der Emigration nach Frankfurt zurückgekehrt. In den USA hatten die beiden das legendäre Institut für Sozialforschung geleitet, eine der ersten Institutionen, die die Nazis 1933 geschlossen hatten.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Zitiert nach: Frank Simon-Ritz/Justus H. Ulbricht, »Heimstätten des Zarathustrawerkes«. Personen, Gremien und Aktivitäten des Nietzsche-Archivs in Weimar 1896–1945; in: Wege nach Weimar. Auf der Suche nach der Einheit von Kunst und Politik, hrsg. von H. Wilderotter und M. Dorrmann, Berlin 1999, S. 173.Google Scholar
  2. 2.
    Gunzelin Schmid Noerr, Die Emigration der Frankfurter Schule und die Krise der Kritischen Theorie; in: Schmid Noerr, Gesten aus Begriffen, Frankfurt am Main 1997, S. 117.Google Scholar
  3. 3.
    Max Horkheimer/Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung; in: Horkheimer, Gesammelte Schriften, Bd. 5, Frankfurt am Main 1987, S. 16 und 18.Google Scholar
  4. 4.
    Ebenda, S. 64.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. Georg Lukács’ Vorwort von 1962 zur Neuausgabe seiner »Theorie des Romans«, Darmstadt und Neuwied 1982, S. 16.Google Scholar
  6. 6.
    Ernst Bloch, Erbschaft dieser Zeit. Erweiterte Ausgabe, Frankfurt am Main 1985, S. 361.Google Scholar
  7. 7.
    Max Horkheimer, Bemerkungen zu Jaspers’ »Nietzsche«; in: Zeitschrift für Sozialforschung, Jg. 6, 1937, S. 408f.Google Scholar
  8. 11.
    Adorno, Probleme der Moralphilosophie; zitiert nach: Gerhard Schweppenhäuser, Ethik nach Auschwitz. Adornos negative Moralphilosophie, Hamburg 1993, S. 177 und 179.Google Scholar
  9. 12.
    Adorno, Probleme der Moralphilosophie (1963), Frankfurt am Main 1996, S. 256.Google Scholar
  10. 13.
    Friedrich Nietzsche, Werke in drei Bänden, hrsg. von Karl Schlechta, München 1977, Bd. 1, S. 1015 (Morgenröte).Google Scholar
  11. 14.
    Ebenda, Bd. 2, S. 598 (Jenseits von Gut und Böse).Google Scholar
  12. 15.
    Ebenda, S. 570 und 977 (Jenseits von Gut und Böse, Götzen-Dämmerung).Google Scholar
  13. 22.
    Siehe Jürgen Habermas, Der philosophische Diskurs der Moderne, Frankfurt am Main 21986, Kapitel IV, V, IX und X.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

Authors and Affiliations

  • Gerhard Schweppenhäuser

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