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Doktor Faustus aus Kalifornien

Thomas und Heinrich Manns schwankendes Nietzschebild
  • Kerstin Decker
  • Gunnar Decker
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Zusammenfassung

Ein Höchstmaß von Hoffnung und Skepsis ist in Nietzsches Schriften. Das Unbedingte darin und zugleich die Absage an alle Absolutheiten faszinierte Heinrich und Thomas Mann bereits vor der Jahrhundertwende. Sie fanden die konsequente Selbstüberantwortung der Geschichte an die Handelnden, bei gleichzeitigem Wissen um das dieses Handeln Übersteigende. Sie bejahten Nietzsches strenge Haltung eines transzendierenden, die Oberfläche durchstoßenden Denkens, die Absage an alle »hinterweltlerische« Metaphysik. Sie sahen durch Nietzsche die Paradoxe der Modernität formuliert, sie erkannten sich selbst darin. Thomas Mann 1924 in seinem »Vorspruch zu einer musikalischen Nietzschefeier«:

Sein Heldentum aber hieß Selbstüberwindung. Er hat um des Lebens willen die asketischen Ideale mit seinem ganzen Genie bekämpft; aber er selbst war ein Held jener innerweltlichen Askese, die die moralische Form der Revolution ist.1

Nietzsche also bestellt dem 20. Jahrhundert das Experimentierfeld der Perspektiv-Vervielfältigungen, Da ist Geschichte kein Reliquienschrein, Zurschaustellung lauter toter Dinge, sondern Werkstatt für Neues — historia experimentalis.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Thomas Mann, Aufsätze, Reden, Essays, Bd. 3 (1919–1925), Berlin und Weimar 1986, S. 475.Google Scholar
  2. 2.
    Heinrich Mann, Einleitung zu: Nietzsches unsterbliche Gedanken, Berlin 1992, S. 9.Google Scholar
  3. 3.
    Ludwig Marcuse, Mein zwanzigstes Jahrhundert, Zürich 1975, S. 66.Google Scholar
  4. 4.
    Thomas Mann, Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung; in: Mann, Essays, Bd. 6: Meine Zeit 1945–1955, hrsg. von Hermann Kurzke und Stephan Stachorski, Frankfurt am Main 1997, S. 84.Google Scholar
  5. 5.
    Briefe von und an Ludwig Marcuse, hrsg. von Harold von Hofe, Zürich 1975, S. 49f.Google Scholar
  6. 6.
    Thomas Mann, Die Entstehung des Doktor Faustus, Frankfurt am Main 1995, S. 10.Google Scholar
  7. 7.
    Thomas Mann, Doktor Faustus, Frankfurt am Main 1988, S. 61f.Google Scholar
  8. 8.
    Thomas Mann — Karl Kerényi, Gespräch in Briefen, Zürich 1960, S. 25f.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

Authors and Affiliations

  • Kerstin Decker
  • Gunnar Decker

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