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Einleitung und Forschungsüberblick

  • Kai Neubauer
Chapter
Part of the Heine-Studien book series (HEINEST)

Zusammenfassung

Eine Betrachtung des Verhältnisses zwischen Heine und der Epoche der Renaissance muß seinen Ausgangspunkt von den Schriften Ernst Cassirers nehmen. Neben Individuum und Kosmos in der Philosophie der Renaissance von 1927, in dem er die Bedeutung von Nikolaus Cusanus für die Neubestimmung des Verhältnisses von Freiheit und Notwendigkeit sowie von Subjekt und Objekt in der Renaissance nachweist, hat er vor allem mit seiner 1922 erschienenen Studie Freiheit und Form — Studien zur deutschen Geistesgeschichte ein Modell dafür geliefert, wie die deutsche Philosophie sich an Fragen entwickelte, die in der Renaissance aufgeworfen worden waren, insbesondere an der Frage nach dem Verhältnis von Freiheit und Form. Nach dem Zusammenbruch der mittelalterlichen hierarchischen Ordnung der geistigen Welt mußte die so gewonnene Freiheit, das neue Gefühl der Menschheit, zu einer neuen Einheit der verschiedenen Gebiete der Kultur und des Wissens verbunden werden. Religion und Wissenschaft hatten die Aufgabe, „durch eine tiefere und allgemeinere Fassung des Freiheitsbegriffs“6 eine neue Bindung ohne religiöse oder theoretische Einseitigkeit herzustellen. Nach einer Phase der Herausbildung der einzelnen wissenschaftlichen Gebiete, vor allem der Ästhetik, sieht Cassirer dieses Ziel in Goethe erreicht, denn: „Wie in allem echten geistigen Sein und Werden, so ist bei Goethe der Formgedanke nicht die Ergänzung zum Freiheitsgefühl, sondern er liegt als notwendiges Moment in diesem selbst.“7

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Notizen

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Authors and Affiliations

  • Kai Neubauer

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