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Sade und… pp 107-126 | Cite as

Sade und die Revolution

  • Horst Albert Glaser
Chapter

Zusammenfassung

La Philosophie dans le boudoir, die Sade 1795 erscheinen läßt, versucht die politische Revolution vom Gebiet der Politik hinüberzuspielen aufs Gebiet der Sitten und der Moral. Seine „instituteurs immoraux” wollen in den „Dialogues, destinés à l’éducation des jeunes demoiselles” andere Grundsätze der Erziehung nicht nur postulieren, sondern auch praktizieren, als sie vor der Revolution und nach der Revolution noch im Schwange waren. Es sind die Grundsätze des Libertinismus, nach denen die jungen Damen zu vorurteilsfreien und schamlosen Wesen ausgebildet werden, die sich und anderen keine Lust und deren Befriedigung versagen, zu der auch immer die Stimme der Natur sie aufruft. Insbesondere wenden sich die unmoralischen Lehrmeister gegen die traditionellen Grundsätze der Keuschheit, der Monogamie und des Inzestverbots. Aufgehoben werden sollen außerdem solche Regeln und Gesetze, die bislang die perversen Varianten der Sexualität betroffen haben — als da sind: Homosexualität, Analverkehr, Päderastie, Inzest, Notzucht u.v.a. Mit einem Begriff von Freiheit, soweit dieser auf dem Naturbegriff fundiert werde, seien die genannten regulativen Prinzipien in der Erziehung nicht zu vereinbaren. Sie widerstreiten — nach Sade — nicht nur der menschlichen Natur, insofern diese den Menschen die Neigung zu allem Verbotenen eingibt, sondern sie verletzen auch die Freiheit, insofern sie die Menschen daran hindern, ihren (stets perversen) Neigungen zu folgen.

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Literatur

  1. 10.
    Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe. Hg. von Helmut Sembdner. Bd. 2. München 1970. S. 333f.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2000

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  • Horst Albert Glaser

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