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Sade und… pp 13-34 | Cite as

Über Bellmer — und Sade

  • Horst Albert Glaser
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Zusammenfassung

Der Name Sades, den Bellmer seiner Serie von zehn Kupferstichen gab, die er später in farbigen Überdrucken wiederholte, bestimmt mit dem Batailles, dessen Madame Edwarda er illustrierte, den Horizont libertiner Erotik, unter dem sein graphisches Oeuvre insgesamt zu sehen ist.2 Es eignet sich nicht zum bildlichen Kommentar ihrer philosophischen Romane, vielmehr haben diese gewisse Intentionen mit ihm gemein, wenn sie auch hier und dort verschiedene Gestalt angenommen haben: im Hinblick auf Sade nicht so sehr die sexuelle Libertinage in ihrer schrankenlosen Progression als die kalte Rationalität, die sie konstruierte. Fremd mögen die erotischen Phantasiebilder dem Blick erscheinen, der von alltäglicher Erfahrung abgestumpft auf sie Mt und für den sie in der Tat noch jene „imbegriffliche Sinnlichkeit” besitzen, die eher eine noch unbegriffene zu nennen wäre. Gorsen hat ihre Unbegrifflichkeit für die Theorie der erotischen Mimesis postuliert, während sie doch als bewußt gemachte mehr als bloß ganzheitlicher Ausdrucksreflex des Körpers sind, dessen intellektuelle und mimetische Komponenten ungeteilt wären.3 Bellmer, weit entfernt von der in surrealistischen Manifesten geforderten Traum- und Schlafmalerei, hat ohne Zweifel die noch ungesehenen Bilder körperlicher Erotik intellektuell konzipiert, worüber auch die sie begleitenden theoretischen Reflexionen hinreichende Auskunft geben. Zuverlässiger als im Stile mystischer Transgressionsvisionen des Leibes, wie sie Bataille sich vorstellte, sind sie in den analytischen Kategorien der Freudschen Traumtheorie zu begreifen, wenn die Kritik nicht die lebensphilosophischen Ausführungen, mit denen Bellmer sein Oeuvre überdachte, mit dessen technischer Genesis verwechseln will, auf der er gleichwohl besteht.

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  • Horst Albert Glaser

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