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Simulation und Medienrausch

  • Daniel P. Schreber
  • Franz Kafka
  • Friedrich Schiller
Chapter

Zusammenfassung

Man darf Schreber sicher glauben, wenn er behauptet, daß es nur wenige Menschen gibt, die in dem Maße ihr gesamtes Leben hindurch den strengsten sittlichen Grundsätzen folgten, um sich geschlechtliche Zurückhaltung aufzuerlegen. Um so merkwürdiger muß es ihm anmuten, daß der sittliche Grundsatz, der ihm als Wunder zukommt, seine Erregung anordnet, für die er wie unter Zwang ununterbrochen empfänglich bleiben muß. Es ist das Thema der übermäßigen Annäherung, Anbindung, Anziehung, das sich hier geradezu annäht. Nicht nur nennt Schreber an erster Stelle der Vorlieben, die bei ihm „ins weibliche Fach einschlagen“ das Nähen, Schreber wird sich selbst zur Näherin, er näht sich ab, nur wohin und in welchem Namen — wo ihm nicht nur der Name anderer, sondern auch der eigene zum „gefälschten Blödsinn“2 und zur bloßen Phrase zu werden droht? Auf den Fall, „… daß mir ein mir bekannter Mensch Namens Schneider begegnet“, schließt sich eine Namensarbeit bis zum „Denkzwang“ an, die auf den Namen des Vaters („Ja der Mann heißt eben Schneider, weil sein Vater auch Schneider geheißen hat“) und damit auf die Frage von Geschlecht und Generativität führt — Gedanken, die einmal „aufgestört“, umfängliche „Früchte“ tragen. Wie dieser Körper überhaupt einer ist, der wie unter Zwang Früchte hervorbringen soll: (klügere, andere) Gedanken, (lautere) Worte, (mehr) Ausscheidungen („‘Warum sch…… Sie denn nicht?’“1), und als Produkt der neuen Weiblichkeit noch zu erwartender Kindersegen Schreber’schen Geschlechts.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2000

Authors and Affiliations

  • Daniel P. Schreber
  • Franz Kafka
  • Friedrich Schiller

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