Advertisement

Prolog: Poesie der Baukunst

  • Jens Bisky
Chapter

Zusammenfassung

Obwohl einige der schönsten deutschsprachigen Architekturbeschreibungen zwischen 1760 und 1840 verfasst worden sind und aus diesen Jahren mehrere der originellsten Thesen über die Schönheit der Gebäude stammen, hat das architekturtheoretische Denken der »Kunstperiode« (Heinrich Heine) bis heute keinen Geschichtsschreiber1 gefunden. Dass dem so ist, mag mit den Eigenarten des Gegenstandes zusammenhängen, der auch bei näherem Hinsehen disparat erscheint. Das Nebeneinander von klassizistischen und romantischen Positionen, von Greek und Gothic Revival, von ästhetischen Kategorien und Fachtermini, von Reduktionismus und Freude an pittoresker Vielfalt, von Restbeständen des Vitruvianismus, philosophischen Einflüssen und literarischen Motiven lässt sich nur schwer auf einen Nenner bringen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    Mit guten Gründen übergeht Georg Germann in seiner Einführung in die Geschichte der Architekturtheorie deutschsprachige Schriften dieser Epoche und beschließt seinen Überblick über Abbau und Ende des Vitruvianismus mit Durand und Semper (Vgl. Georg Germann: Einführung in die Geschichte der Architekturtheorie. 3., durchges. Aufl. Darmstadt 1993, bes. S. 255). — Das Fehlen einer zusammenfassenden Darstellung moniert Hanno-Walter Kruft (Vgl. Kruft, S. 331). — Während der Arbeit an diesem Buch erschien die wertvolle Habilitationsschrift von Klaus Jan Philipp: Um 1800. Architekturtheorie und Architekturkritik in Deutschland zwischen 1790 und 1810. Stuttgart, London 1997. Sie bietet einen ausgezeichneten Überblick über die architekturtheoretische Literatur der Zeit. In Umfang, Darstellungsverfahren und Ergebnissen grundsätzlich von diesem Buch unterschieden, zeigt Philipps Arbeit, wie dringend die Lücke gefüllt werden musste.Google Scholar
  2. 5.
    Vitruv: Zehn Bücher über Architektur. (Vitruvii De architectura libri decem). Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Dr. Curt Fensterbusch. 5. Auflage. Darmstadt 1991; Des Marcus Vitruvius Pollio Baukunst. Aus der Römischen Urschrift übersetzt von August Rode. 2 Bde. Nachdruck der Ausgabe Leipzig, Göschen 1796. Basel, Boston, Berlin 1995. Vgl. auch Bodo Ebhardt: Die zehn Bücher der Architektur des Vitruv und ihre Herausgeber. Berlin 1918.Google Scholar
  3. 6.
    L. B. Alberti: Zehn Bücher über die Baukunst. Ins Deutsche übertragen, eingeleitet und mit Anmerkungen und Zeichnungen versehen von Max Theuer. Wien und Leipzig 1912. Reprint, Darmstadt 1975.Google Scholar
  4. 8.
    Andrea Palladio: Quattro libri dell’ architettura. Venedig 1570. (Die maßgebende deutsche Übersetzung von Andreas Beyer und Ulrich Schütte erschien Zürich und München 1983.)Google Scholar
  5. 9.
    Sebastiano Serlio: Tutte le opere d’architettura et prospettiva … diviso in sette libri. Venedig 1619. (Serlios Regole generali di architettura sopra le cinque maniere degli edifici… waren erstmals 1537 erschienen.)Google Scholar
  6. 10.
    Vignola (Jacopo Barozzi): Regola delli cinque ordini d’architettura (wahrscheinlich 1562). Goethe empfahl: Augustin Charles Daviler: Cours d’ architecture, qui comprends les ordres des Vignole. La Haye 1730.Google Scholar
  7. 11.
    Vincenzo Scamozzi: L’idea delia architettura universale. Venedig 1615.Google Scholar
  8. 12.
    Dass es schwer falle, »sich Architekturtheorie außerhalb der von Vitruv gestifteten Literatur zu vergegenwärtigen«, schreibt G Germann in seinem Kapitel über die Architekturtheorie des Mittelalters. (Georg Germann: Einführung in die Geschichte der Architekturtheorie. 3., durchges. Aufl. Darmstadt 1993, S. 30)Google Scholar
  9. 17.
    François Blondel: Cours d’ architecture enseigné dans l’Académie Royale d’Architecture. Teil 1, Paris 1675, Teil 2–5, Paris 1683.Google Scholar
  10. 18.
    G. Germann: Einführung in die Geschichte der Architekturtheorie. 3., durchges. Aufl. Darmstadt 1993, S. 183.Google Scholar
  11. 19.
    Claude Perrault: Les dix livres d’Architecture de Vitruve corrigez et traduits nouvellement en François, avec des Notes & des Figures. Paris 1673. Vgl. W. Herrmann: The Theory of Claude Perrault. London 1973.Google Scholar
  12. 21.
    Goethe nennt: Julien David Le Roy: Les Ruines des plus beaux monuments de la Grèce. Paris 1758; The Ruins of Pestum or Posidonia. London 1767; James Stewart, Nicholas Revett: The Antiquities of Athens. 4 Bde. London 1762–1815; Jean-Pierre-Louis-Laurent Houel: Reise durch Sizilien, Malta und die Liparischen Inseln. Aus dem Frz. übersetzt von J. H. Keerl. 6 Bde. Gotha 1797–1809; Jean Claude Richard de St. Non: Voyage pittoresque ou description des Royaumes de Naples et de Sicile. 5 Bde. Paris 1781–1786.Google Scholar
  13. 22.
    Ein deutscher Rezensent schrieb 1759 in der Bibliothek der schönen Wissenschaften über die Antikenpublikation Les Ruines de plus beaux monuments de la Grèce von Julien-David Le Roy: »Da endlich diese Monumente der Griechen verschiedenen sehr dunkeln Stellen im Vitruv ein sehr großes Licht geben, die durch den Perrault verstümmelt worden, so hat Herr Le Roi sie zu erklären, und richtig zu erläutern versucht«. (Zitiert nach: Dora Wiebenson: Sources of Greek Revival Architecture. London 1969, S. 105)Google Scholar
  14. 23.
    Erschöpfend dazu Dora Wiebenson: Sources of Greek Revival Architecture. London 1969; Norbert Miller: Winckelmann und der Griechenstreit. Überlegungen zur Historisierung der Antiken-Anschauung im 18. Jahrhundert. In: Thomas W. Gaethgens (Hrsg.): Johann Joachim Winckelmann. 1717–1768. Hamburg 1986, S. 239–264.Google Scholar
  15. 24.
    Vgl. zur Theorie der Architekturzeichnung den exzellenten Aufsatz von Christof Thoenes: »Vitruv, Alberti, Sangallo. Zur Theorie der Architekturzeichnung in der Renaissance«. In: Hülle und Fülle. Festschrift für Tilmann Buddensieg. Herausgegeben von Andreas Beyer, Vittorio Lampugnani und Gunter Schweikhart. Alfter 1993, S. 565–584.Google Scholar
  16. 25.
    Kenneth Clark: The Gothic Revival. An Essay in the History of Taste. London 1929; Paul Frankl: The Gothic. Literary Sources and Interpretations Through Eight Centuries. Princeton 1960; W. D. Robson-Scott: The Literary Background of the Gothic Revival in Germany. Oxford 1965; Georg Germann: Neugotik. Geschichte ihrer Architekturtheorie. Stuttgart 1974.Google Scholar
  17. 26.
    Robert Adam: Ruins of the Palace of the Emperor Diocletian at Spalatro in Dalmatia. London 1764, S. 1.Google Scholar
  18. 27.
    Vgl. dazu Abbildung 12 in John Fleming: Robert Adam and His Circle in Edinburgh & Rome. London 1962.Google Scholar
  19. 31.
    Der Begriff wurde in Anlehnung an Schinkel und Boisserée gebildet: »Sehr bald geriet ich in den Fehler der rein radicalen Abstraction, wo ich die ganze Conception für ein bestimmtes Werk der Baukunst aus seinem nächsten trivialen Zweck allein und aus der Konstruction entwickelte, in diesem Falle entstand etwas Trockenes, Starres, das der Freiheit ermangelte und zwei wesentliche Elemente: das Historische und das Poetische ganz ausschloß.« (Karl Friedrich Schinkel: Das Architektonische Lehrbuch. Herausgegeben von Goerd Peschken. Berlin 1979, S. 150). Als »Poesie der Mathematik« hat Boisserée den Zusammenhang von Konstruktion und Verzierungen in den gotischen Kirchen bezeichnet (Tagebücher, Bd. 1, S. 138.)Google Scholar
  20. 32.
    Vgl. zum Problem der Grenzüberschreitung Ernst Osterkamp: »Die Dichtung als Mutter der Künste. Zur Bedeutung eines kunsttheoretischen Topos im deutschen Klassizismus«. In: Schwäbischer Klassizismus zwischen Ideal und Wirklichkeit. 1770–1830. Aufsätze. Hrsg. von Christian von Holst. Stuttgart 1993, S. 177–183.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2000

Authors and Affiliations

  • Jens Bisky

There are no affiliations available

Personalised recommendations