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Heinrich von Kleist beschäftigt sich mit Aachener Stiftungen

  • Klaus Neuhoff
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Zusammenfassung

Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist, dessen Todestag am 21. November 1811 (* 18. Oktober 1777 in Frankfurt/Oder) zu ›zelebrieren‹ war und dessen Werk aus diesem Anlass von vielerlei Seiten — wiederum — daraufhin abgeklopft wurde, was er uns Heutigen noch zu sagen habe, hat u.a. drei Semester Mathematik, Philosophie, Jura und Kameralwissenschaften studiert (ab 1799, in Frankfurt/Oder, eine ziemlich heruntergewirtschaftete Universität zu damaliger Zeit, daher 1810 die Neugründung einer preußisch-deutschen Reformuniversität in Berlin).

Anmerkungen

  1. 2.
    Daniel Kehlmann, Die Sehnsucht, kein Selbst zu sein. In: KJb 2007, S. 17–22, hier S. 18.Google Scholar
  2. 9.
    So gesprächsweise zitiert bei Wolfgang Höbel, So trugen ihn zwei Engel fort. In: Der Spiegel Nr. 5/2011 vom 31. Januar 2011, S. 131. Michalzik verdeutlicht das in seiner Biographie u.a. im Zusammenhang mit dem ›Zerbrochnen Krug‹. Vgl. Peter Michalzik, Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher. Biographie, Berlin 2011, S. 247, wo er feststellt, dass dieses »Stück […] voll mit Anspielungen, ein Feuerwerk der Doppel- und Vieldeutigkeit« ist, was natürlich für uns Heutigen ordentlich aufzudröseln ist. Und weiter heißt es: »Neben der antiken Ebene bringt Kleist auch viel Gegenwart ins Spiel.« (Ebd., S. 249) Schlussendlich: »Was dieses Stück so faszinierend macht, ist, wie Kleist Widersprüchliches und Vieldeutiges so perfekt verschleift, dass es wie aus einem Guss […] wirkt.« (Ebd., S. 251) Da muss man schon tief schürfen, um alle Feinheiten zu erkennen.Google Scholar
  3. 10.
    So Wolfgang Wittkowski, Die heilige Cäcilie und der Zweikampf. Kleists Legenden und die romantische Ironie. In: Colloquia Germania 6 (1972), S. 17–58, hier S. 21.Google Scholar
  4. 11.
    Vgl. Thomas Groß, Schwester Antonia und der zwiespältige Schein der Kunst. In: Brandenburger Kleist-Blätter 10 (1997), S. 35–65, hier S. 37.Google Scholar
  5. 12.
    Er fühlt sich darin auch bestätigt durch Roland Reuß, den Herausgeber der Brandenburger Kleist-Ausgabe, der generell hinsichtlich des Edierens und natürlich auch bei diesem Autor von einem notwendigen »Sich-Einlassen auf die kleinsten scheinbaren Nebensächlichkeiten« spricht (Roland Reuß, Im Freien? Kleist-Versuche, Frankfurt 2010, S. 8). Reuß geht sogar so weit, selbst bei der Orthografie überaus kritisch zu sei: »Die Möglichkeit, gegen eine Regel zu verstoßen, setzt das Zugeständnis der Geltung ebendieser Regel voraus, und es ist daher an jeder einzelnen Stelle eines Kleistschen Textes zu prüfen, ob ein solcher Regelverstoß vorliegt oder nicht.« (Ebd., S. 208)Google Scholar
  6. 16.
    Klaus Müller-Salget: Kommentar. In: DKV III, 882. Allerdings wird bezüglich der vier bekehrten Brüder auf eine »Anregung« bei Matthias Claudius (in dessen ›Wandsbecker Boten‹) hingewiesen (»über vier wahnsinnige Brüder in einem Hamburger Spital«, wobei es sich um ein Stift/eine Stiftung handelt: ›Der Besuch im St. Hiob zu **‹, 1783). Weiterhin wird in den Erläuterungen dieser Dokumentation von Kleists Schaffen auf Händeis ›Ode for St. Cecilia’s Day / (Kleine) Cäcilienode‹ (1739) verwiesen, wobei man fragen kann, ob Musik und Text der Ode nicht von Kleist, wenn gehört und verinnerlicht, in seiner ›Legende‹ mit einem etwas anderen Inhalt unterlegt wurde. Bei Joseph Müller-Blattau, Händel [Art.]. In: Friedrich Blume (Hg.), Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik, Bd. 5, München u.a. 1989, Sp. 1266f. wird deren Inhalt wie folgt wiedergegeben: »Die Macht der Musik auf Erden wird in einzelnen Arien mit entsprechend obligatorischen Instrumenten entfaltet. Cäcilia bringt mit dem heiligen Klang der Orgel die höchste und reinste Gestalt der Musik.« Die ›obligatorischen Instrumente‹ sind: Flöte, 2 Oboen, Fagott, 2 Trompeten, Pauke, 2 Violinen, Viola, Cello, Basso Continuo und Barock-Orgel; daneben Chorgesang und Arien. Das erzeugt bei Kleist neben »alle Himmel des Wohlklangs« (DKV III, 293) noch Gefühle eines »wunderbar herabrauschenden Oratoriums« (DKV III, 299). Die Mutter der vier jungen Leute jedenfalls sieht hier den ganzen »Schrecken der Tonkunst« am Werk (DKV III, 311). — Schließlich wird eine Klosterzerstörung als eventuelles Vorbild für hier Misslungenes erwähnt: Matthew G. Lewis, The Monk (1796; dt. ›Der Mönch‹, 1799). Wie große katholische Kirchengebäude und ihre Aura auf den Dichter (beeindruckend) gewirkt haben, ist aus brieflichen Verlautbarungen über Eindrücke während seiner Aufenthalte in Würzburg (Julius-Spital, 1800) und Dresden (Hofkirche St. Trinitatis, 1801) zu entnehmen; also weitere Elemente eigenen Erlebens, die ggfs. in die Geschichte eingeflossen sind. In einem Brief vom 21. Mai 1801 an seine Verlobte Wilhelmine von Zenge schreibt er: »größte, erhebenste Musik […], das Herz gewaltsam zu bewegen« (zit. nach DKV III, 883; vgl. DKV IV, 225 [dort fälschlich »erhabenste«]).Google Scholar
  7. 26.
    So (mit weiteren Trouvaillen) Klaus Müller-Salget, Das Prinzip der Doppeldeutigkeit in Kleists Erzählungen. In: Walter Müller-Seidel (Hg.), Kleists Aktualität. Neue Aufsätze und Essays 1966–1978, Darmstadt 1981, S. 166–199, hier S. 183.Google Scholar
  8. 27.
    Die sogenannten Aachener Religionswirren oder -unmhen nahmen ihren Anfang im Jahre 1530, als mehr und mehr Protestanten (Lutheraner wie Reformierte) nach Aachen kamen und mit ihnen dort die Reformation einzog. 1581 gab es erstmals eine protestantische Mehrheit im Magistrat, was dann sogar zur Vertreibung des alten Rates und der katholischen Partei aus der Stadt führte. Das protestantische Stadtregiment dauerte bis 1598. Der Kaiser drohte daraufhin 1593 in einem Urteilsspruch ›seiner‹ — reichsunmittelbaren — Stadt die Reichsacht an (offiziell verkündet am 30. Juni 1598), um die Bürger Aachens zum Einlenken zu bewegen. Das half allerdings nicht, was nach der Vollstreckung derselben für die Mehrheitsbevölkerung in der Stadt unter einem nunmehrigen katholischen Rat (Stichwort Rekatholisierung) fatale Folgen hatte (mit Todesurteilen), bis hin zum Beginn des wirtschaftlichen Niedergangs der Stadt. Die religiösen Unruhen waren damit allerdings noch nicht beendet, so dass es 1614 zur Verhängung einer zweiten Reichsacht kam. — Dieter Breuer (em. Direktor des Instituts für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft der RWTH Aachen) macht auf einen weiteren (oder alternativen?) Zusammenhang aufmerksam. Vgl. Dieter Breuer, »Wenn die gute Stadt Aachen wüßte«. Heinrich von Kleists Erzählung ›Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. Eine Legende‹ im Kontext der Napoleonischen Fremdherrschaft. In: Ralf Bogner u.a. (Hg.), Realität als Herausforderung. Literatur in ihren konkreten Kontexten, Berlin 2011, S. 363–378, hier S. 375. Niemand anders als Napoleon habe diesen Begriff geprägt, als er nämlich der Stadt 1804 in einem Dekret den Ehrentitel ›La bonne ville d’Aix-la-Chapelle‹ verlieh. Damit wurde sie mit 23 anderen Städten zur Stadt erster Ordnung in seinem Reich erklärt. Dieser Autor sieht in der »Mirakelerzählung […] verdecktes Schreiben […] und entsprechend […] eine politischallegorische Lektüre« (ebd., S. 376). Man sieht, der Interpretationen bestimmter Facetten in der Erzählung gibt es viele. Aber, wenn denn diese Deutung stimmen sollte, so würde sie immerhin beweisen, dass Kleist ein sehr aufmerksamer Beobachter seiner Zeit war und sich Aachener politischer Verhältnisse besonders angenommen hatte. Und was die Unstimmigkeiten in der Erzählung anbetrifft, so vermutet dieser Autor, dass Kleist »ganz bewußt Unstimmiges gesetzt hat, um auf außerhalb der Erzählung Liegendes anzuspielen.« (Ebd., S. 371)CrossRefGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Klaus Neuhoff

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