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Jan Žižka als heikles Vormärzthema Teil I Beobachtungen zu George Sand und Nikolaus Lenau

  • Jeffrey L. Sammons
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Zusammenfassung

Die folgenden Ausführungen bilden die erste Stufe einer Untersuchung über den deutschböhmischen Vor- und Nachmärzschriftsteller Alfred Meißner (1822–1885). Er gehört zu den vielen Gestalten jener Zeit, deren Namen Kennern der Epoche mehr oder weniger geläufig sind, deren Werke aber kaum mehr gelesen werden und über die pauschale, manchmal abschätzige Urteile kursieren, die wohl oft von einer Quelle zur anderen abgeschrieben werden. Ich finde, es schadet nicht, bei solchen Schriftstellern, die in ihrer eigenen Zeit erfolgreich und angesehen waren, im Hinblick auf die Eigentümlichkeiten der Formierung des deutschen Literaturkanons ohne Voreingenommenheit neu zu prüfen, ob wir sie richtig eingeschätzt haben bzw. im Lichte unserer eigenen Zeit vielleicht etwas anders betrachten sollten. Meißner wurde mir, wie wohl vielen anderen auch, ursprünglich durch seine Erinnerungen an Heinrich Heine bekannt. Trotz gelegentlicher Widersprüche und Fehlurteile hatte ich eine gute Meinung von diesen Berichten gewonnen; sie schienen mir scharfsinniger und auch verständnisvoller als viele andere Schilderungen von Heines letzten Lebensjahren. Es geht klar daraus hervor, dass die beiden durch eine kameradschaftliche und, was Heine angeht, seltene Freundschaft miteinander verbunden waren.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Zitiert wird nach Alfred Meißner: Žiška. Gesänge. Zweite, vermehrte Aufl. Leipzig 1847.Google Scholar
  2. 3.
    In den älteren Quellen steht 1804 als Geburtsjahr. Reinwärth hat es zu 1802 korrigiert. Vgl. Julius Reinwärth: Karl Herloßsohns Leben. — In: Deutsche Arbeit 7 (1907–1908), S. 346. Die neueste Forschung akzeptiert dieses Datum.Google Scholar
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Authors and Affiliations

  • Jeffrey L. Sammons
    • 1
  1. 1.New HavenUSA

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