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Urzeugung

  • Georg Toepfer
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Zusammenfassung

Das Wort ›Urzeugung‹ ist offenbar jünger als ›Urerzeugung‹, das J.G. Herder 1774 verwendet, allerdings nicht im biologischen Kontext, sondern im Zusammenhang von Überlegungen zur Mythologie (»wir haben in der Aegyptischen Mythologie diese Urerzeugung durch Liebe und Begierde«).1 Später wird ›Urerzeugung‹ aber auch in biologischer Bedeutung gebraucht (Stroth 1782: »Urerzeugung aller lebendigen Geschöpfe«).2 Als biologischen Terminus für eine besondere Entstehungsweise von Organismen erscheint das Wort ›Urzeugung‹ in den 1820er Jahren. In allgemeiner biologischer Verwendung wird es beiläufig 1823 von C.F. von Heusinger verwendet (»Feuchtigkeit [ist] die Bedingung aller Urzeugung (Infusorienbildung)«).3 Ausdrücklich als biologischen Terminus führt K.F. Burdach den Ausdruck 1826 ein, und zwar in einer Einteilung verschiedener Arten der Entstehung und ↑Fortpflanzung von Lebewesen. Die »Urzeugung« ist für ihn dabei der Vorgang, in dem »ursprünglich das Leben auf Erden hervor[tritt]«.4 Die Urzeugung sei außerdem die für die »Infusorien« (↑Einzeller) charakteristische Fortpflanzungsweise: »der beharrliche Typus der Zeugung der unvollkommensten organischen Wesen, in welchem die Besonderheit und Individualität am geringsten, die Gemeinartigkeit und Einzelnheit am größten ist«.5 — Nicht unmittelbar auf die Entstehung von Organismen, sondern vielmehr von Krankheiten wird der Ausdruck ›Urzeugung‹ auch schon vor Burdach bezogen: N.H. Julius schreibt 1824, der Pockenerreger sei nicht allein »durch Ansteckung«, sondern auch »durch Urzeugung« wieder aufgetreten.6 Ebenso vermutet Kieser 1825, die Krankheit der Kinderblattern sei nicht »durch Ansteckung«, sondern »durch Urzeugung« wieder erschienen.7

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Literatur

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Authors and Affiliations

  • Georg Toepfer

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