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Jüdische Kinder- und Jugendliteratur bis 1945

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Zusammenfassung

Unter jüdischer Kinder- und Jugendliteratur sind diejenigen Texte zu verstehen, die an jüdische Heranwachsende adressiert waren und von der jüdischen Gemeinschaft als ihre kultureigene Literatur angesehen wurden. Die Trägerschaft wies ihr die Funktion zu, die Leser in ihrer Zugehörigkeit zum Judentum zu bestärken — wobei die Majorität der deutschen Juden dafür eintrat, jüdisches Selbstbewusstsein als Bestandteil der deutschen Gesellschaft zu fördern. Der sozialhistorischen Situation der deutschen Juden entsprechend, waren diese Kinder- und Jugendschriften eine Minoritätenliteratur, der am Kulturaustausch gelegen war, die sich jedoch auch der jüdischen Kulturwahrung verschrieb. In jüdischer Kinder- und Jugendliteratur fand eine Kommunikation über die mehrfache Kulturzugehörigkeit und deren Austarierung zu einer deutsch-jüdischen Identität statt. Hierbei war Literatur nicht nur ein Medium des interkulturellen Austausches mit der nichtjüdischen Umwelt, sondern diente auch der binnenkulturellen Auseinandersetzung mit innerjüdischen Strömungen. Insgesamt gesehen trat die jüdische Kinder- und Jugendliteratur im deutschen Sprachraum daher als eine multiterritoriale und mehrsprachige (deutsche, jiddische, hebräische) Minderheitenliteratur in Erscheinung. Im Verlauf ihrer wechselhaften Geschichte äußerte sich in dieser Literatur eine Vielzahl jüdischer Selbsteinschätzungen, die sowohl dem sozialhistorischen Wandel als auch der geistigen Heterogenität des deutschen Judentums entsprach.

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Bibliographie

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