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Mittelalter und frühe Neuzeit

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Zusammenfassung

»Deßhalb so ist es gar ein gut ding/ das man kynder jn jrer jugent zur schule tuge/die bücher der wyßen zu lernen/ vnnd vnderrichtung jrs heiles zu seien vnd zu libe«, so meinte in der zweiten Hälfte des 14. Jh.s der französische Adelige Geoffroy Chevalier de Latour-Landry (Der Ritter vom Turn). Obwohl er ansonsten eher rückwärtsgewandte Ideale vertrat, war der Ritter seiner Zeit doch in manchem voraus, und so ergriff er entschieden Partei gegen diejenigen, die Wissen als ein Privileg für Männer zu behaupten trachteten und jegliche weibliche Bildung als unnütz verwarfen. Selber Vater dreier Töchter, um deren Seelenheil er sehr besorgt gewesen zu sein scheint, sah er einen — zumindest elementaren — Unterricht auch für Mädchen als notwendig an. Es sei gut, wenn sie lesen lernten, denn dadurch könnten sie im Glauben fester werden und ihr Seelenheil desto besser erkennen. Durch die Lektüre der Heiligen Schrift prägten sich ihnen die Exempel besser ein, die ihnen zur Nachahmung dienlich seien. Er selbst schrieb seinen kleinen Töchtern ein Exempelbuch, das ihnen den Weg zeigen sollte, wie sie zu Ehre und Ansehen gelangen und wohltätiges Handeln erlernen könnten. Durch Beispiele nachahmenswerten Handelns und guter Gesinnung lobwürdiger Frauen bzw. der ins Verderben führenden Taten ihrer Geschlechtsgenossinnen sollten die Mädchen dazu bewegt werden, Gutes zu tun und sich vor dem Bösen in Acht zu nehmen. Mit seinem Buch, das als Der Ritter vom Turn in einer deutschen Übersetzung des Mömpelgarter Landvogts Marquart vom Stein zuerst 1493 in Basel gedruckt wurde, wollte er sie zu demütiger, gottergebener Frömmigkeit und zu einem sittsamen, ihrem Stand gemäßen Betragen erziehen.

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