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Macht, Einfluß und Wertbindungen

  • Talcott Parsons
Chapter
Part of the Studienbücher zur Sozialwissenschaft book series (STBS, volume 39)

Zusammenfassung

In einer Vorbemerkung zu dem Wiederabdruck der drei Arbeiten über Macht, Einfluß und Wertbindungen1 sagt Parsons unter anderem: Es handelt sich hier um Arbeiten, bei denen vor allem der theoretische Aspekt im Vordergrund steht. Der Kern dieser theoretischen Überlegungen geht zurück auf das Buch Economy and Society, das 1956 zusammen mit Neil J. Smelser herausgegeben wurde. Darin wurde eine neue Interpretation des Zusammenhanges von ökonomischer Theorie und der allgemeineren Theorie der Sozialsysteme gesucht. Dabei stand zunächst die ökonomische Relevanz bestimmter sozialer Strukturen im Vordergrund. Dies führte insbesondere zu einer Klärung des Konzeptes der „economy“ als einem funktional besonderen Subsystem von Sozialsystemen, das auf der Ebene von Gesellschaft weitgehend mit dem Bereich identisch ist, der auch im Alltagsverständnis als „Wirtschaft“ begriffen wird. Dies war der Ausgangspunkt für die Suche nach weiteren identifizierbaren Subsystemen. Die Leitlinie für diese Suche bildete die Tatsache, daß seit geraumer Zeit Wirtschafts- und Politikwissenschaften enge „Schwesterdisziplinen“ waren.

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Anmerkungen

  1. 1.
    In dem Sammelband Politics and Social Structure, New York und London (The Free Press, Collier-Macmillan) 1969, Teil IV „Theory and Polity“.Google Scholar
  2. 2.
    So spricht E. C. Banfield: Political Influence, New York (The Free Press) 1962 auf S. 348 von „control“ als der Kapazität, andere zu einem Tun oder Unterlassen zu zwingen (to cause another to give or zeithold action), und von „power“ als der Kapazität, Herrschaft über andere zu gewinnen (the ability to establish control over another). Ähnlich formuliert Robert Dahl in seinem Aufsatz „The Concept of Power’ in Behavioral Scientist 2 (Juli 1957): „A hat in dem Maße Macht über B, als er B dazu bringen kann, Dinge zu tun, die B sonst nicht tun würde.“ Eine ähnliche Position nimmt auch C. J. Friedrich ein: Man and his Government; AnEmpiricalTheory ofPolitics; New York (McGraw—Hill) 1963.Google Scholar
  3. 3.
    Anm. d. Übers.: Was ist ein „empirisches“, was ein „analytisches System“, was ein „konkretes Kollektiv“? Zunächst eine Erinnerung daran, was „Systeme“ sind: Sprachlich bezeichnet der Systembegriff einen sogenannten Abstraktor, also einen Begriff der dazu dient, abstrakte Gegenstände zu bezeichnen. Ein weiteres Beispiel dafür wäre der Begriff der „Menge“: Dieser Ausdruck bezeichnet ein abstraktes Konzept, denn Mengen kommen als solche nicht in der Realität vor. Wir können uns jedoch aus bestimmten Gründen dazu entschließen, die Regeln der Mengentheorie oder die Regeln der Systemtheorie auf gewisse Zusammenhänge anzuwenden. Mengen und Systeme werden also durch die Anwendung der entsprechenden Verfahren erst konstituiert. Man betrachtet dann den untersuchten Zusammenhang — beispielsweise „die Gesellschaft“ — als System, und das bedeutet, daß man diesen Gegenstand („die Gesellschaft“) nach den Regeln der Systemtheorie analysiert. Dabei ist vorausgesetzt, daß diese Regeln eindeutig und bekannt wären (was angesichts der vielfältigen Systemkonzepte leider sicherlich nicht der Fall ist). Der als System betrachtete Zusammenhang kann nun seinerseits empirischer oder nicht-empirischer Art sein. Wie erkennt man das? Die Behauptung, daß etwas empirischer Natur sei, ist eine ontologische Behauptung; damit wird nämlich ausgesagt, daß der betreffende Gegenstand sinnliche Erfahrungsqualitäten hat, die letztlich als materiell-energetische oder informationelle Inputs von unserem Rezeptorensystem empfangen werden können. Hier tritt schließlich ein Begründungszirkel auf, den beispielsweise C. G. Hempel sehr eindrucksvoll analysiert hat; vgl. „The Theoretician’s Dilemma: A Study in the Logic of Theory Construction“, in: H. Feigl, M. Scriven und G. Maxwell (Hrsg.):Minnesota Studies in the Philosophy of Science; Bd. II — Concepts, Theories and the Mind-Body Problem, Minneapolis (University of Minnesota Press) 1963; 37–98. Das Gegenteil eines empirischen Phänomens ist ein nicht-empirisches Phänomen, und eine Behauptung über einen solchen Sachverhalt ist natürlich ebenfalls eine ontologische Aussage. Bei Autoren, die wissenschaftstheoretische Probleme auf dem Weg der Sprachanalyse angehen, hat es sich eingebürgert, empirische mit „synthetischen“ Aussagen gleichzusetzen, und als Gegenteil „analytische“ Sätze zu definieren (so zum Beispiel R. Carnap: Symbolische Logik; Wien (Springer) 1955). Um die Wahrheit synthetischer Sätze herauszufinden, muß man sich „in der Welt umschauen“, man kann sich jedenfalls nicht mit geschlossenen Augen im Sessel zurücklehnen (das bekannte Phänomen des „armchair reasonning“). Die Wahrheit synthetischer Säzte ist kontingent, d. h. von den Fakten „in der Welt“ in ihrer jeweiligen Raum-Zeit-Konstellation abhängig. Dagegen laßt sich die Wahrheit analytischer Sätze ohne Bezug zu den Fakten der Welt überprüfen; und man könnte vermuten, daß hier ein vollkommen anderer Wahrheitsbegriff vorliegt; vgl. dazu beispielsweise W. Stegmüller: Das Wahrheitsproblem und die Idee der Semantik; Wien (Springer) 1957.Parsons ist offenbar der Auffassung, daß „Gesellschaft“ ein empirischer Zusammenhang ist. Um diesen Zusammenhang jedoch wissenschaftlich zu erfassen, benötigt man nach seiner Meinung nicht nur empirische Daten, sondern vor allem ein begriffliches Schema zur Codifizierung dieser Daten. Diese Vorstellung der Codifizierung in einem Begriffsschema (oder Begriffsrahmen, dem „conceptual framework of reference“) ist für Parsons außerordentlich wichtig. Im Hinblick auf die eingeführten Begriffe muß man sich nun klarmachen, daß dieses Begriffsschema selbst nicht empirischer Art sein kann (auch wenn es empirisch aus der persönlichen Erfahrung Parsons’ mit seiner Lebenswelt entstanden und daher „in sich“ — inhärent — historisch ist), sondern ein analytisches Schema ist. Dieses Schema kann also nicht „wahr“ oder „falsch“ im empirischen Sinne sein, denn es ist nicht aus synthetischen Sätzen komponiert. An Stelle dieser Kriterien treten andere, die hier nicht erörtert werden sollen. Das Problem zwischen einer empirischen Datensammlung — oder auch einer „empirischen Theorie“ im üblichen Sinne dieses Wortes, nämlich einer Theorie, die unter Verwendung einer Reihe von „operationalen“ Begriffen (also von Begriffen, die — angeblich — auf meßbaren Operationen begründet sind) formuliert ist — und Parsons theoretischen Arbeiten besteht folglich in der Frage der „richtigen“ oder „adäquaten“ Übersetzung. Anders ausgedrückt: Liefert Parsons’ Theorie eine adäquate Codifizierung aller verfügbaren Daten? und: liefert diese Theorie mehr als die „Summe ihrer Elemente“ — führt sie uns kraft ihrer besonderen Codifizierung zu neuen Einsichten? Parsons (und seine Jünger) würden diese Frage natürlich emphatisch bejahen, während die Kritiker — sofern sie diesen Punkt überhaupt begriffen und ihre Kritik nicht auf völlig abwegige Punkte gerichtet haben — hier starke Zweifel haben. Schließlich ist noch der Begriff der „konkreten Kollektive“ erklärungsbedürftig. Parsons spricht an der Stelle, auf die sich diese Anmerkung bezieht, von einem „concrete type of collectivity“. Wenige Zeilen später sagt er: „A collectivity ... is ... clearly not a concrete „group“, but the term refers to groups ... seen in the perspective of their interests in and capacities for effective collective action.“ Das Problem scheint in der Übersetzung des Ausdruckes „collective/ collectivity“ zu liegen. Das Wort „collective“ bietet lexikalisch kaum Schwierigkeiten; ihm entspricht unser Begriff des „Kollektivs“: „Gemeinschaft, Gruppe, Team“; prägnant auch: „Arbeits- und Produktionsgemeinschaft“ (vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Mannheim (Bibliographisches Institut) 1975 oder Duden, Mannheim (Bibliographisches Institut) 1961. Dagegen stößt das Wort „collectivity“ auf Übersetzungsprobleme; zwar gibt Langenscheidts Enzyklopädisches Wörterbuch der englischen und deutschen Sprache, Berlin 1963, dafür als deutsches Äquivalent „Kollektivität“ an, jedoch findet sich dieser Ausdruck weder im Duden noch in anderen Lexika. Man könnte vorschlagen, den Begriff des „collective“ als unproblematisch zu behandeln und ihn als „Kollektiv“ zu übersetzen. Demgegenüber müßte der Ausdruck „collectivity“ als ein fachtechnischer Begriff in der Theorie Parsons interpretiert und im Deutschen als „Kollektivität“ neu definiert werden. Beispielsweise könnten zwei (oder mehr) Aktoren — nennen wirsie mit Parsons Ego und Alter — zusammengenommen eine Kollektivität bilden, also einen komplementären Komplex von Rollen. Man kann solche Definitionen einführen, wenn man das möchte, aber damit ist leider noch nicht klar, ob Parsons dem zustimmen würde; und selbst wenn er zustimmte, so wäre durch nichts gewährleistet, daß er sich in seinem Sprachgebrauch daran halt — dies ist sein notorisch schwacher Punkt. Ich habe daher den Begriff „Kollektivität“ in dieser Übersetzung nicht verwendet; vielleicht ergibt sich in einem anderen Zusammenhang die Notwendigkeit, darauf zurückzukommen. Wenn Parsons nun also formuliert, daß sich die Theorie der Politik auf ein empirisches System bezieht, so meint er demnach, daß der Bezugsbereich ein empirischer Zusammenhang ist, dessen Daten dann in seinem Schema codifiziert werden sollen. Dieses Schema behandelt seinerseits alle politischen Phänomene als funktionale Teilaspekte eines umfassenderen Zusammenhanges; Parsons wählt als Bezeichnung für diesen Teilaspekt den Ausdruck „polity“, der in der Übersetzung als „Politbereich“ wiedergegeben wurde. Dabei darf man nicht an ein „konkretes Kollektiv“ denken, wie Parsons sagt, man darf also den Politbereich nicht mit dem Begriff der „Regierung“ identifizieren. Zweifellos bildet ein Kollektiv wie das der Regierung die wichtigste Komponente von Politsystemen, sobald man sich der Realität moderner Gesellschaften zuwendet, jedoch liegen diese Begriffe auf unterschiedlichen Ebenen der Konzeptualisierung und sind nicht deckungsgleich. Google Scholar
  4. 4.
    Zur Diskussion dieser Konzeption vgl. Talcott Parsons und Neil J. Smelser: Economy and Society, New York (The Free Press) 1956, Kap. I.Google Scholar
  5. 5.
    Beispielsweise ist die „American Medical Profession“ (die amerikanische Ärzteschaft) Teil der amerikanischen Gesellschaft, zugleich aber auch Teil der „Medical Profession“ (der Ärzteschaft überhaupt), die diese partikulare Gesellschaft transzendiert — zum Teil als Kollektiv. „Interpenetration in membership“ (Interpenetration durch Mitgliedschaft) ist mithin eines der Merkmale der Beziehungen zwischen Kollektiven. Anm. d. Übers.: Zum Begriff „Interpenetration“ vgl. die Beiträge von Niklas Luhmann sowie den Kommentar von Stefan Jensen zu diesem Stichwort in Zeitschrift für Soziologie 1/1977 sowie 2 und 3/1978. Google Scholar
  6. 6.
    Eine umfassende Diskussion des Begriffs des „Mehrwerts“ (value-added) über die Anwendung in der Ökonomie hinaus findet sich bei Neil J. Smelser: Social Change in the Industrial Revolution; New York (The Free Press of Glencoe) 1959, Kap. II, S. 7–20Google Scholar
  7. 6a.
    N. J. Smelser: Theory of Collective Behavior; New York (The Free Press) 1963, Kap. II, S. 23–47.Google Scholar
  8. 7.
    C. I. Barnard: The Functions of the Executive; Cambridge (Harvard University Press) 1938, Kap. V, S. 46–64.Google Scholar
  9. 8.
    Der Schlüssel zu diesen Zuordnungen findet sich in Economy and Society; op. cit., Kap. II.Google Scholar
  10. 9.
    Die Frage nach dem „Ertrag“ (pay-off) kann ein entscheidender Faktor bei der Wahl zwischen verschiedenen Einsatzmöglichkeiten sein; jedoch kann sie nicht darauf bezogen werden, ob die Ressource überhaupt und grundsätzlich zum Zweck kollektiver Effektivität eingesetzt werden soll.Google Scholar
  11. 10.
    Den Begriff der „Nachfrage“ (demand) übernehme ich in dieser Form von David Easton : „An Approach to the Analysis of Political Systems“, World Politics 9 (1957): 383–400.Google Scholar
  12. 11.
    Annm. d. fibers.: Max Weber (in der amerikanischen Fassung iibersetzt und herausgegeben von Talcott Parsons, unter Mitarbeit an der Ubersetzung von A. M. Henderson, unter dem Titel: The Theory of Social and Economic Organization; New York (Oxford University Press) 1947.) In der deutschen Weber-Ausgabe (bier als WuG zitiert) weist der Index den Begriffskomplex „Legitimation/Legitimierung” an zahlreichen Stellen nach. Demnach bezeichnet der Begriff sinngemdg das „Sich-Ausweisen als . . .” (beispielsweise charismatisch Begnadeter). „Legimation/Legitimierung” ist etwas anderes als „Legitimiteit”. Der Begriff der „Legitimitdt” wird von Weber ausdriicklich auf den der „Ordnung” bezogen — diese kann „als legitim” anerkannt sein, aus Griinden, die von Weber in § 7 WuG klassifiziert sind („Legitimiatsanspruch”). Legitimation/Legitimierung erfordert den Bezug auf einen Rechtfertigungsgrund fin’ den Anspruch, mit normativen Forderungen hervortreten zu diirfen. Die Legitimierung von Fiihrungsanspriichen, um die es Parsons bier geht, mufl sich also letztlich auf die Legitimitdt einer solchen Herrschaft und auf das Legitimitiltseinversteindnis der Betroffenen stiitzen; vgl. WuG S. 659.Google Scholar
  13. 12.
    Dabei soil der Fall, in dem Dienstleistungen konkret einem bestimmten Haushalt gegeniiber erbracht werden, als Grenzfall gelten, in dem die Rollen von Konsument und Arbeitgeber noch nicht ausdifferenziert sind.Google Scholar
  14. 13.
    In den Fallen, die als typisch fiir okonomische Analysen gelten clarfen, erfolgt die Vermittlung des kollektiven Elements im Kapital durch die Verbindlichkeit (bindingness) der Kreditvertrage. Fiir uns ist das einer der Sonderfalle (Beschaftigungsverhaltnisse sind ein weiterer Sonderfall), in denen Organisationen verbindliche Verpflichrungen (binding obligations) eingehen — Beschaftigungs- oder Kreditvertrage —, die den Empfanger der vertraglich vereinbarten Leistung in die Lage versetzen, eine grollere Effektivitat zu entfalten, all er es sonst kOnnte. Es ist an dieser Stelle nicht moglich, tiefer in diesen komplexen Zusammenhang einzusteigen; er wird jedoch noch durch die spater folgende Diskussion des Stellenwertes diesel Begriffes der „Verbindlichkeit” (bindingness) in der Theorie der Macht genauer beleuchtet werden.Google Scholar
  15. 14.
    Vgl. den Aufsatz „Ober den Begriff ‘Einflug’” in diesem Band.Google Scholar
  16. 15.
    Wieder scheint mir Barnards Verwendung des Begriffs der „Verantwort-lichkeit” (responsibility) vorbildlich; vgl. den Literaturnachweis in Anm. 5.Google Scholar
  17. 16.
    Urn die Dinge nicht allzu kompliziert werden zu lassen, gehe ich hier auf das Problem der Austausch-Systeme mit Legitimation (interanche systems involving legitimation) nicht ein. Vgl. dazu meinen Aufsatz: „Authority, Legitimation and Political Process”, in Nomos I; Wiederabdruck in T. Parsons: Structure and Process in Modern Societies, New York (The Free Press) 1960, Kap. V.Google Scholar
  18. 17.
    Anm. d. Obers.: Man kann bezweifeln, ob dies ein besonders gutes Argument ist. Nehmen wir einmal an, dafl die Goldvorrilte vollkommen ausreichen wiirden, urn alle Forderungen zu erfullen (Banknoten miren dann nichts anderes als Inhaberforderungen gegeniiber den Bank en auf ein entsprechendes Goldquantum). Waren wir dann nicht genau dort, wo Parsons unsere „entwickelten” Systeme nicht mehr haben will — auf einer Ebene, auf der Geld ein Symbol fiir etwas handfest Greifbares ware, aber keineswegs eine abstrakte Wert- und Recheneinheit? Tatsiichlich ist in der internationalen Wirtschaft — und in ihrer Theorie — die Vorstellung selbst einer partiellen „Golddeckung” mittlerweile preisgegeben, auch wenn Politiker in iikonomischen Krisenmomenten immer wieder gern in eine „fundamen-talistische” Betrachtungs- und Redeweise zuriickfallen, die mit der Assoziation von Geld und Gold magisch ein Gefzihl der Sicherheit beschwOren will.Google Scholar
  19. 18.
    Physische Gewalt als negative Sanktion weist ein gewisses Element der Allgemeinheit (generality) auf, das ihr einen Sonderplatz in Machtsystemen zuweist. Die Diskussion wird darauf zurückkommen.Google Scholar
  20. 19.
    Anm. d. Übers.: Die Originalstelle lautet: „I have spoken of power as involving legitimation“ (meine Hervorhebung). Ich glaube, daß es richtig ist, an dieser Stelle „legitimation“ mit „Legitimität“ zu übersetzen: Macht muß legitimiert, muß legitime Macht sein, und das heißt, daß sie Legitimität (in Webers Sinne) aufweisen muß. Parsons verwendet die Ausdrücke „legitimation“ and „legitimacy“ ohne erkennbare Differenzierung ihrer Bedeutung. Google Scholar
  21. 20.
    Es ergeben sich hier Komplikationen aus der Tatsache, daß Macht mit negativen Sanktionen assoziiert wird und folglich in Fällen hartnäckigen Widerstandes ihre Effektivität auf Abschreckung reduziert wird (is confined to deterrence). Google Scholar
  22. 21.
    Die Erkenntnis dieser Parallele verdanke ich einer Diskussion mit Professor Karl Deutsch (Harvard).Google Scholar
  23. 22.
    „Sadistische“ Aktionen ohne instrumentelle Bedeutung für Ego gehören nicht in diesen Zusammenhang.Google Scholar
  24. 23.
    Ich habe versucht, diese Linie der Analyse von Gewalt und ihrer Bedeutung etwas ausführlicher in dem Beitrag „Some Reflections on the Role of Force in Social Relations“ zu dem Buch von Harry Eckstein (Hrsg.): The Problem of International War, Princeton (Princeton University Press) 1963, zu verfolgen; Wiederabdruck in Parsons: Sociological Theory and Modern Society, New York (Free Press) 1967, Kap. 9.Google Scholar
  25. 24.
    Wenn also Produktivitätskontrolle über monetäre Kapitalfonds läuft, so kann ihr Besitzer beispielsweise mögliche Bewerber nicht zu einem Anstellungsverhältnis „zwingen“.Google Scholar
  26. 25.
    Dies ist natürlich nur ein relativer Unterschied. Stets steigen die Unwägbarkeiten, sobald man die Grenzen seines Heimes überschreitet. Der Polizeischutz kann in der einen lokalen Gemeinde besser sein als in der nächsten, und das Überschreiten der Staatsgrenze kann einen erheblichen Unterschied in den legalen oder praktischen Rechten bedeuten.Google Scholar
  27. 26.
    Vgl. dazu meinen Aufsatz The Principal Structures of Community“, NOMOS 2; Wiederabdruck in Parsons: Structure and Process; op. cit., Kapitel 8. Vgl. weiterhin J. W. Hurst: Law and Social Process in the United States; Ann Arbor (Univerity of Michigan Law School) 1960.Google Scholar
  28. 27.
    Wie schon gesagt, ist m. E. die Analyse von Chester E. Barnard, The Functions of the Executive; op. cit., so überaus klar und überzeugend, daß sie den Status eines „Klassikers“ politischer Theorie in meinem spezifischen Sinne hat, vgl. insbesondere Kapitel X.Google Scholar
  29. 28.
    Anm. d. Obers.: Wann ist „autority” als „Herrschaft”, wann als „Autoritat” zu iibersetzen? Ubersetzt man den Begriff „Herrschaft” ins Engli-sche/Amerikanische, so bietet das Lexikon als besten Ausdruck „authority” an; umgekehrt findet sich zu dem lexikalischen Begriff „authority” als Ubersetzungsangebot „Autoritdt”, „gesetzmitflige Kraft”, „Gewalt” (Langenscheid: Enzyklopadisches Wiirterbuch: Berlin 1962, K. Wildhagen und W. Heraucourt: Deutsch-Englisches Warterbuch; London und Wiesbaden (Brandstetter/Allen & Unwin) 1969).Max Weber formuliert, bedarf es zundchst einer ndheren Bestimmung:was „Herrschaft” fur uns bedeutet und wie sie sich zu dem allgemeinen Begriff: „Macht” verhalt. Herrschaft in dem ganz allgemeinen Sinne von Macht, also von: MOglichkeit, den eigenen Willen dem Verhalten anderer aufzuzwingen, kann unter den allerverschiedensten Form en auftreten. . . Wir vergegenwartigen uns... nur, daft es, neben zahlreichen anderen mOglichen, zwei polar entgegengesetzte Typen von Herrschaft gibt. Einerseits die Herrschaft kraft Interessenkonstellation (insbesondere kraft monopolistischer Gage), und andererseits die Herrschaft kraft Autoritat (Befehlsgewalt und Gehorsamspflicht). Der reinste Typus der ersteren ist die monopolistische Herrschaft auf dem Markt, die letztere die hausvdterliche oder amtliche oder furstliche Gewalt . . ., die (sich ) . . . auf eine in Anspruch genommene, von allen Motiven und Interessen absehende schlechthinnige Gehorsamspflicht (griindet). Beide gehen gleitend ineinander iiber. . . Eine „Autoritat” help ein unabhangig von allem Interesse bestehendes Recht auf „Gehorsam” gegendber den tatsdchlich Beherrschten . . . Wir wollen im folgenden den Begriff der Herrschaft in dem engeren Sinne gebrauchen, welche ... identisch ist mit: autoritarer Befehlsgewalt.” (WuG, Neuntes Kapitel — Soziologie der Herrschaft — Erster Abschnitt, § 1, S. 691 ff.) Die moderne Organisationsanalyse hat zahlreiche Versuche unternommen, den Begriff der „Autoritiit” im Anschluft an Max Weber noch starker zu differenzieren; Parsons selbst hat in einer Einfiihrung in Webers Konzeption der Biirokratie bemerkt, daft nach seiner Ansicht Weber „coercive power” und „professional authority” undifferenziert zusammengeworfen babe (in der Einleitung zu dem von ihm herausgegebenen Band: Max Weber — The Theorie of Social and Economic Organization; op. cit., S. 58 ff.). In Deutschland hat vor allem Heinz Hartmann (Funktionale Autoritat; Stuttgart 1964) diese Anregung aufgegriffen und im Begriff der „funktionalen Autoritdt” prdzisiert. Zu Recht bemerkt Hartmann, daft bei einer solchen Differenzierung der Begrifflichkeit Webers im Grunde eine Diskussion des Legitimationsproblems stattfindet: Es geht um eine Erweiterung der Legitimitatsgrundlage und Riickgriff auf einen anderen Typus legitimer Herrschaft (vgl. Hartmann, op. cit. S. 36 ff.), fur den — im Anschlufg an gewisse Formulierungen aus der Technokratiediskussion, die von Gehlen an die Weber’sche Analyse herangefiihrt wurden (vgl. A. Gehlen: „Probleme einer soziologischen Handlungslehre”, in: C. Brinkmann (Hrsg.): Soziologie und Leben; Tiibingen (Wunderlich ) 1952, S. 38 f., wo es heifit: „A ts Max Weber seine beriihmte Einteilung der Herrschaftsarten . . . aufstellte, beriicksichtigte er nicht . . . die . . . unpersonliche, funktionale Herrschaft aus dem Zwang der Sache heraus . . .”) — der Begriff der „Sachzwiinge” gefunden wurde. Freilich beruht, wie man heute wissen kann, die „Autoriat der Experten” nicht wirklich auf solchen zweifelhaften „Sachzwdngen”, sondern auf besonderen demagogischen Fdhigkeiten, Verhdltnisse als „zwangsaufig” erscheinen zu lassen; Hartmann hat diese MOglichkeit bereits in einem schOnen Konjunktiv angedeutet. Der Leser miige bei diesem Stand der Diskussion selbst entscheiden, wie er Parsons Ausdruck „authority” lesen mdchte.Google Scholar
  30. 29.
    Zwei besonders wichtige Erscheinungsformen dieser Monetarisierung des Eigentums sind: die allgemeine Rechtsauffassung, daß Vermögensverwalter nicht verpflichtet sind, das physische Inventar unverändert fortbestehen zu lassen, sondern Stücke veräußern können — ihre Treuhandverpflichtung bezieht sich primär auf den Geldwert des Vermögens, und ähnlich läßt sich im Vertragsrecht eine zunehmende Tendenz aufweisen, Schadenersatz in Geld anstelle der spezifischen „Leistung“ zu verlangen, die ursprünglich vereinbart war.Google Scholar
  31. 30.
    Da es sich bei diesem System um das territorial organisierte Kollektiv (collectivity) — den Staat mit seiner Regierung — handelt, beleuchten diese Überlegungen die kritische Rolle auswärtiger Beziehungen als Relationen zu anderen territorial organisierten Kollektiven mit Zwangsgewalt: sobald nämlich einmal die interne Gewaltenkontrolle effektiv institutionalisiert ist, liegt die größte Gefahrenquelle ihres Ausbrechens „außen“ — in dieser spezifischen Bedeutung des Wortes. Dieser Punkt wird überzeugend von Raymond Aron hervorgehoben.Google Scholar
  32. 31.
    Anm. d. Übers.: Im Original: „... influence, defined as a generalized mechanism of persuasion.“ „Persuasion“ wurde an früherer Stelle (vgl. das Schema auf S. 73) als „Überredung“ übersetzt. Die Schwierigkeiten dieser — oder einer anderen — Übersetzung werden noch ausführlicher im zweiten Aufsatz (über „Einfluß“) zu Tage treten. Dabei wird sich zeigen, daß es im Kern darum geht, anderen durch Einfluß eine bestimmte Meinung zu einem gegebenen Problem als „richtig“ — und zwar „richtig“ aus der Sicht des anderen selbst — zu vermitteln. Nach deutschem Sprachgebrauch paßt dafür der Ausdruck „Überredung“ nicht, denn „überreden“ laßt man sich auch gegen besseres Wissen. Auch die Beispiele Parsons’ — etwa: des Arztes, der einem Patienten zu einer bestimmten Behandlung rät; des Journalisten, der seinen Lesern eine bestimmte Deutung der politischen oder sozialen Situation in Form des Leitartikels anbietet — lassen sich kaum unter den Begriff der „Überredung“ fassen: Teils handelt es sich um fachlich begründete Ratschläge und Empfehlungen, teils um die Verbreitung ideologischer Deutungsmuster, teils um wieder andere Formen der Erzeugung von Meinungsbildern, die auf der Basis einer gemeinsamen Situationsdeutung komplementäres Handeln ermöglichen sollen. Einfluß in diesem Sinne wäre mithin (vorläufig) als ein generalisierter Mechanismus zur Erzeugung von gleichgerichteten Meinungen durch gezielte Information, Ratschläge usw. zu verstehen. Google Scholar
  33. 32.
    Anm. d. Übers.: Die Vorstellung, daß nicht nur Geld, sondern auch andere Medien „ausgegeben“ werden, dürfte auf ein nicht nur sprachlich begründetes Unverständnis stoßen: Das mögliche Mißverständnis beginnt schon dort, wo gar kein Problem zu liegen scheint — dem „Ausgeben“ von Geld. Nur auf den ersten Blick, der an die alltäglich vertraute Form des Geldes — Scheine und Münzen — fixiert ist, besteht das Ausgeben von Geld in der Hingabe von geprägten oder gedruckten Geldeinheiten. Diese stellen jedoch in den modernen Wirtschaften nur einen Bruchteil des gesamten Geldstromes dar, dessen überwiegende Form aus den Sichteinlagen bei den Kreditinstituten (Giralgeld) besteht.Im Alltag richtet sich die Höhe der Ausgaben nach der Menge der Barmittel, die man in der Tasche mitführt oder dort schmerzlich vermißt; Kreditierungen überbrücken diesen Mangel, indem sie auf akkumulierte Sicherheiten der Vergangenheit oder erwartbare Einkommen der Zukunft Bezug nehmen. Man kann also auch „ausgeben“, was man — in liquider Form — nicht mehr oder noch nicht hat. Dies ist keine Frage von Münzen oder Scheinen; es ist vielmehr eine Frage, die sich auf die ökonomischen Dispositionskapazitäten überhaupt und den darauf begründeten Status bezieht. Auf der Grundlage und im Rahmen dieses Status kann man sich „engagieren“ (ein „Commitment“ eingehen, wie Parsons sagt), und dieses „Engagement“ (commitment) besteht darin, daß man einen Teil seiner Kapazitäten — ökonomischer oder anderer Art — in bestimmter Weise bindet (diese Formulierung führt zu Parsons Konzept von „bindingness“, die im Text meist als „verbindliche Verpflichtung“ übersetzt wurde). Man kann sich über den Rahmen seiner Möglichkeiten, so wie sie der jeweilige Status begründet, hinaus engagieren. Hier erfüllt die Maxime der „Solvenz“ in dem von Parsons eingeführten Sinne (standard of solvency) die Funktion eines Regulativs: Ein Engagement, das in einem definierten Zeitraum von einer oder mehr Perioden zur Insolvenz — d. h. der Unfähigkeit, seinen Verpflichtungen in vollem Umfange nachzukommen — führen würde, wäre unzulässig. Freilich ist, bei sich wandelnden Verhältnissen, nicht immer vorauszusehen, welchen Umfang ein Engagement annehmen und wie der eigene Status sich verändern wird. All dies sind Trivialitäten der Kreditbranche, aber sie erinnern daran, daß „Ausgaben“ sich nicht in Bargeschäften erschöpfen. Man könnte allgemein unter der „Ausgabe von Medien“ die Bindung (eines Teils) von Kapazitäten verstehen. Dies gilt für Geld wie für Macht, für Einfluß wie Commitments. Google Scholar
  34. 33.
    Dazu Stein Rokkan: „Mass Suffrage, Secret Voting, and Political Participation“, European Journal of Sociology, 2 (1961): 132–152.CrossRefGoogle Scholar
  35. 34.
    Das heißt: Die Gesamtheit der Stimmen entscheidet in Abhängigkeit vom Wahlverfahren über die Besetzung der Ämter.Google Scholar
  36. 35.
    Natürlich kann dort, wo die entsprechenden Bedingungen hinreichend simpel sind oder zuviel Angst vor den hierarchischen Implikationen von Macht besteht, die Ideologie der Gleichheit (the egalitarian element) bis weit in die politischen Entscheidungsvollzüge hineingetragen werden; beispielsweise mit der Forderung, daß sämtliche — nach innen oder außen gerichteten — Entscheidungen von Mehrheitsbeschlüssen oder womöglich gar von Einstimmigkeit abhängig sein müßten. Ein derartiges System — das natürlich in Wirklichkeit oft mit einer scharfen hierarchischen Abstufung von Einfluß verbunden ist — dürfte, insbesondere bei großen Kollektiven, in erkennbarer Weise in zahlreichen Dimensionen mit der Maxime der Effektivität unvereinbar sein.Google Scholar
  37. 36.
    Anm. d. Übers.: Parsons geht vom reinen Mehrheitswahlrecht aus; bei dem Verhältniswahlrecht oder Mischformen — wie in der BRD — kommt das „Konzentrationsprinzip“ erst bei der Regierungswahl durch das Parlament zum Tragen und nicht schon bei der Wahl zum Parlament. Google Scholar
  38. 37.
    Solidarität ist das zentrale Konzept der Gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Mein eigenes, relativ spät gewonnenes Verständnis dieses Konzeptes spiegelt sich in dem Aufsatz: „Durkheim’s Contribution to the Theory of Integration of Social Systems“, in Kurt Wolff (Hrsg.): Emile Durkheim, 1859–1917; Columbus/Ohio (State University Press) 1960: 118–153; Wiederabdruck in T. Parsons: Sociological Theory and Modern Society; New York (The Free Press) 1967.Google Scholar
  39. 38.
    Anm. d. Übers.: Ein Beispiel: In der Abstimmung über die Regierungsvorlage zu den sogenannten „Terroristen-Gesetzen“ im Deutschen Bundestag am 16. Februar 1978 stimmten 4 Abgeordnete der die Regierung tragenden Parteien-Koalition gegen den Gesetzesentwurf. Sie verhielten sich gemäß der Definition von Parsons also „nicht solidarisch“, denn sie trugen nicht zur „Implementation der gemeinsamen Wertvorstellungen von FDP/SPD“ bei. Damit war — angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse (die Vorlage erhielt auf diese Weise in der Abstimmung die Mehrheit von nur einer Stimme) — zugleich die „Effektivität des kollektiven Handelns“ gefährdet. Google Scholar
  40. 39.
    C. W. Mills: The Power Elite; New York (Oxford University Press) 1956; vgl. dazu auch die Stellungnahme von Parsons in Structure and Process in Modern Society; op. cit. Kap. 6; Wiederabdruck in T. Parsons: Politics and Social Structure; New York und London (The Free Press und CollierMacMillan) 1969, Kap. 8: 185–203.Google Scholar
  41. 40.
    Dazu Durkheims berühmter Aufsatz: „Deux lois de l’évolution pénale“, in L’Année Sociologique 4 (1899/1900): 65–95.Google Scholar
  42. 41.
    Zur Unterscheidung von „justification“ und „legitimation“ vgl. auch den folgenden Beitrag zum Begriff „Einfluß“.Google Scholar
  43. 42.
    Die Unfähigkeit, diesen Punkt zu erkennen, scheint mir eine der Hauptursachen für den utopischen Zug der marxistischen Theorie, der sich vor allem in der Erwartung staatlichen Verfalls ausdrückt. Hier liegt vielleicht eine Parallele zu der Verwirrung, die jahrhundertelang durch die aristotelische Doktrin von der „Sterilität“ des Geldes bestand.Google Scholar
  44. 43.
    H. D. Lasswell und A. Kaplan: Power and Society; New Haven (Yale University Press) 1950; sowie Mills: Power Elite; op. cit.Google Scholar
  45. 44.
    Es ist unerheblich, ob man dies als Netto-Zuwachs zum Medium oder als Steigerung der Umlaufgeschwindigkeit von „langsamen“ Anlagen („slow“ deposit funds) interpretiert. weil die ökonomischen Effekte identisch sindGoogle Scholar
  46. 45.
    Joseph Schumpeter: The Theory of Econo Development; Cambr (Harvniversity Press) 1955, in der Überseg von rs Opie. (Im Original: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung; Berlin 1912.)Google Scholar
  47. 46.
    Anm. d. Übers.: Vielleicht werden sich einige Leser fragen, insbesondere solche, die mit der Darstellung der Geld- und Kredittheorien in den volkswirtschaftlichen Lehrbüchern vertraut sind (beispielsweise A. Paulsen; Allgemeine Volkswirtschaftslehre, Berlin (De Gruyter) 1959, insbesondere Bd. II, oder noch differenzierter: E. Schneider: Einführung in die Wirtschaftstheorie, Bd. III, 4. Aufl.; Tübingen (Mohr) 1957), warum Parsons nicht von der exakten und differenzierten Analyse Gebrauch macht, die diese Lehrbücher und (in präziserer Form natürlich) die einschlägigen Spezialwerke bieten (beispielsweise Milton Friedmann: Die optimale Geldmenge und andere Essays; Frankfurt (Fischer) 1976; J. M. Keynes: Vom Gelde, München 1932; J. A. Schumpeter: Das Wesen des Geldes; Göttingen 1970). Sicher nicht deswegen, weil Parsons diese Theorien nicht kennen würde: Parsons hat lange Zeit an der Harvard Universität nicht Soziologie, sondern Wirtschaftstheorie unterrichtet und persönlich gute Beziehungen zu Schumpeter gehabt (Parsons: „On Building Social System Theory — APersonal History“. DAEDALUS 1970/4: 826–881). Der Grund für Parsons’ nicht-ökonomischen, soziologischen Ansatz dürfte darin liegen, daß Parsons sich ausdrücklich auf eine gesellschaftliche Theorie des Geldes bezieht. Ein solcher Ansatz wird zwar von der „herrschenden Lehre“ an den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten selten vertreten; er stellt dennoch durchaus eine etablierte Schule der Geldtheorie dar. (Vgl. beispielsweise W. Gerloff: Die gesellschaftliche Theorie des Geldes; Innsbruck 1950, sowie ders.: Die Entstehung des Geldes und die Anfänge des Geldwesens; 3. Aufl., Frankfurt/M. 1957. Bei Gerloff finden sich zahlreiche Formulierungen, die mit den Ansichten Parsons vollkommen übereinstimmen, insbesondere die Vorstellung, daß Geld durch soziales Handeln geschaffen und in seinen Funktionen durch soziales Handeln bestimmt werde. Selbstverständlich gehört auch Simmels Philosophie des Geldes in diesen Zusammenhang, ist allerdings zu verschieden im Stil und Denken, als daß hier Parallelen gezogen werden könnten). In einer solchen gesellschaftlichen Theorie des Geldes werden verständlicherweise andere Begriffe und Aussagen gebildet, als in der engeren ökonomischen Geldtheorie. Inhaltlich geht es Parsons vor allem um folgende Einsicht: Geld symbolisiert einen sozial konstituierten Zusammenhang, nämlich die ökonomische Dispositionskapazität von Wirtschaftseinheiten (Individuen und Kollektiven). Der Begriff der „ökonomischen Dispositionskapazität“ bedarf einer Erläuterung: Es handelt sich um die Fähigkeit der Wirtschaftseinheiten, sich in einem — durch den sozio-ökonomischen Status bestimmten — Umfang in wirtschaftlichen Transaktionen engagieren zu können. Dieses Engagement (commitment) folgt seinerseits gewissen Maximen, von denen hier nur das zentrale Konzept der „ökonomischen Rationalität“ erwähnt sei. Der „ Umfang“, in dein sich die Wirtschaftseinheiten (vor allem: die als Unternehmungen organisierten Kollektive, aber auch die einzelnen Individuen und Haushalte) engagieren können, ergibt sich aus dem, was hier als „sozio-ökonomischer Status“ umschrieben wurde, der seinerseits eine Resultante zahlreicher Faktoren ist, die von der „reinen“ Wirtschaftstheorie in der Regel nicht untersucht, sondern als „gegeben“ vorausgesetzt werden. Dazu gehören vor allem die gesellschaftlichen Voraussetzungen ökonomischen Handelns, die den demographischen, ökologischen, geographischen und sonstigen „äußeren“ Bedingungen ihre kulturspezifischen Muster aufprägen, das „Wirtschaftsethos“, der Stand von Wissenschaft und Technik, die politische Ordnung, die soziale Befriedung, die Rechtssicherheit, die fiskalische Politik, die Zahl, Ausbildung, Leistungsfähigkeit und Leistungswilligkeit der arbeitenden Menschen, die Situation der Verkehrswege u. dgl. mehr. Ohne ein hinreichend hohes Entwicklungsniveau dieser Faktoren ist selbst bei größter individueller Begabung und größtem Ehrgeiz in aller Regel ein wirtschaftlicher Aufstieg nicht möglich. Innerhalb eines solchen Rahmens pflegen dann wiederum zahlreiche historisch gewachsene, ihrer Berechtigung nach höchst umstrittene, teils durch bloße Faktizität, teils durch handfeste Interessen erhaltene, Unterschiede der Sozialordnung als Verzerrungen der ökonomischen Zugangschancen wirksam zu sein und Privilegien zu begründen. Dieser umfangreiche, hier nur andeutungsweise in einige der möglichen Komponenten zerlegte, Faktorenkomplex bildet nunden Rahmenkranz, in dem die einzelnen sozialen Einheiten ihre Wirtschaftstätigkeit entfalten können, und dieses Handeln begründet dann, je nach der individuellen Leistung, den „sozio-ökonomischen Status“. Parsons geht es nun allerdings nicht um individuelle Phänomene, sondern um die Analyse von Sozialsystemen, vor allem: Gesellschaft. Er argumentiert also in der Regel auf einer Ebene gesellschaftlicher Organisation, die Gesellschaft als ganze (societal level) oder Subkollektive (auf der institutionellen Ebene) thematisiert. Der Begriff der „ökonomischen Dispositionskapazität“ wird daher am besten als aggregiertes Konzept verstanden, das insofern einen soziologischen Parallelbegriff zum ökonomischen Konzept des „Sozialproduktes“ bildet. Google Scholar
  48. 47.
    Bei sehr vorsichtiger Interpretation könnte man vielleicht den alten Begriff der „Souveränität“ als Bezeichnung dieses Standards dem Begriff „Erfolg“ vorziehen.Google Scholar
  49. 48.
    Anm. d. Übers.: (Um den Sinn des folgenden Beispiels zu verstehen, muß man zunächst wissen, was mit dem darin enthaltenen Ausdruck „populistic component in democratic government“ gemeint ist. Parsons bezieht sich damit auf ein historisches politisches Element der USA. Die „Populisten“ (Populist Party, People’s Party) gingen aus den agrarischen Interessenverbänden des Südens und Westens hervor und schafften 1891 den Aufschwung zu einer nationalen Partei. Nach 1896 schloß sich ein großer Teil dieser Partei den Demokraten an, und genau diese Komponente in der Demokratischen Partei meint Parsons mit dem zitierten Ausdruck.) Vielleicht liegt hier ein deutliches Beispiel für die Relativität der formallegalen Bedeutung der Verbindlichkeit von Wertbindungen. So bindet die „populistische Komponente“ in einer Regierung mit Demokratischer Mehrheit häufig sowohl exekutive wie legislative Organe ziemlich starr an formale Regeln. Und doch gibt es zahlreiche de-facto-Obligationen, die die Regierung eingeht, die fast ebenso verbindlichen Charakter haben. So könnte der (amerikanische) Kongreß die gesamten Förderungsmittel für die Unterstützung von Forschung und Lehre an den Universitäten im nächsten Jahr streichen, denn formal werden diese Mittel jährlich bewilligt. Und doch planen die Universitäten weitgehend in der Erwartung, daß diese Mittel auch in Zukunft bewilligt würden, und diese weitere Bereitstellung von Mitteln für die Universitäten ist gewiß so etwas wie eine de-facto-Verpflichtung des Kongresses.Google Scholar
  50. 49.
    Ich habe eine Reihe von Aspekten der McCarthy-Episode in dem Aufsatz: „Social Strain in America“ (Wiederabdruck in: Politics and Social Structure, Kapitel 7; New York und London (The Free Press und Collier MacMillan) 1969) behandelt. Die innerlich begründete Unmöglichkeit von Forderungen nach „absoluter Sicherheit“ in einem pluralistischen System wird sehr überzeugend gezeigt von Edward A. Shils: The Torment of Secrey; New York (The Free Press) 1956, insbesondere im Kapitel VI.Google Scholar
  51. 50.
    Ich bin dabei weit davon entfernt zu behaupten, daß „absolute“ Souveränität eine wesentliche Bedingung für die Integration des politischen Systems sei. Im Gegenteil ist Souveränität weit entfernt davon, intern gesehen absolut zu sein, und zwar genau wegen des pluralistischen Charakters der meisten modernen politischen Systeme und wegen der Offenheit ihrer Grenzen in integrativen, ökonomischen und anderen Richtungen. Extern spielt die Beziehung des territorialen Gebildes zu den transzendie renden Normen und Werten eine zunehmend kritische Rolle. Vergleiche dazu meinen Beitrag: „Polarization of the World and Internation Order“, in: Quincy Right, William M. Ivan and Morton Deutsch (Hrsg.): Preventing World War III; New York (Simon & Schuster) 1962: 310–331 (Wiederabdruck in T. Parsons: Sociological Theory and Modern Society; New York (The Free Press) 1967: 446–489).Google Scholar
  52. 51.
    Anm. d. Übers.: Wie vielleicht bekannt ist, hat Parsons sich nicht nur in seiner Doktorarbeit ausführlich mit Weber beschäftigt — „Capitalismus“ in Recent German Literature: Sombart and Weber; erschienen in Journal of Political Economy, 35: 641–661 sowie 37: 31–51 — und ihm nicht nur eine Reihe von Aufsätzen gewidmet, sondern ihn auch übersetzt: 1930 erschien die Übersetzung der Protestantischen Ethik (The Protestant Ethic and the Spirit of Capitalism; London (Allen and Unwin) und New York (Scribners) 1930; 1947 erschien die Übersetzung von Wirtschaft und Gesellschaft als The Theory of Social and Economic Organisation, edited, with an introduction, by Talcott Parsons; Oxford University Press. (Wiederabdruck durch die Free Press of Glencoe, New York, 1957.) Man darf vielleicht außerdem daran erinnern, daß Parsons im Anschluß an seinen Aufenthalt in London an der London School of Economics (1924–1925) ein Stipendium an der Universität Heidelberg erhielt (1925–1926), wo der Einfluß des (1920) verstorbenen Max Weber noch überaus mächtig war. Und dennoch sind die einzelnen Bemerkungen über Weber, die Parsons mit dem Air der Selbstverständlichkeit einstreut, keineswegs überall einleuchtend. Wo und wieso gilt beispielsweise, daß Weber „an unduly sharp alternative between charismatic and ‘routine’ cases, particularly the rationallegal version of the latter“ gezogen hätte? Resümieren wir kurz einige Grundgedanken Max Webers aus diesem Problemkreis: „Im Zentrum seiner empirischen Analyse steht für ihn der (faktisch vorhandene, mit Erfolg in Anspruch genommene) typische Legitimitätsglaube als Herrschaftsgrundlage, und er erörtert diese Zusammenhänge unter dem Thema der drei reinen Typen der legitimen Herrschaft. Immer wieder finden wir Max Weber auf dieses Thema zurückkommen, und es darf mit Sicherheit angenommen werden, daß er diese Einsicht in diese Strukturtypen unter seine bleibenden wissenschaftlichen Entdeckungen gerechnet hat.“ Zitat aus J. Winckelmann: Legitimität und Legalität in Max Webers Herrschaftssoziologie ; Tübingen (Mohr, Paul Siebeck) 1952, S. 25). Der entscheidende Ausgangspunkt ist die Einsicht, daß „Handeln, insbesondere soziales Handeln und wiederum insbesondere eine soziale Beziehung, ... von seiten der Beteiligten an der Vorstellung vom Bestehen einer legitimen Ordnung orientiert werden (können). Die Chance, daß dies tatsächlich geschieht, soll ‘Geltung’ der betreffenden Ordnung heißen.“ (Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft, Studienausgabe von J. Winckelmann (Hrsg.), Köln und Berlin (Kiepenheuer & Witsch) 1964, S. 22, § 5, zitiert als WuG. Legitimität entspringt (oder ist gleichzusetzen mit) dem Prestige der Vorbildlichkeit oder Verbindlichkeit (WuG, S. 23). Eine Ordnung — ein System von Regeln — hat mithin ihre Legitimität — ihre Sollensgültigkeit — darin, daß sie mit normativem Anspruch auftritt: innerhalb ihres Bezugsbereiches soll dies und jenes (was die Ordnung im einzelnen bestimmt) gelten. Ob und wie weit sich die Betroffenen danach im einzelnen richten, inwieweit man also von der „Geltung“ dieser Ordnung sprechen kann, ist eine empirische Frage. Damit erhebt sich die Frage, wie denn die Legitimität einer Ordnung garantiert sein kann. Weber nennt dafür zwei Gründe: innerliche Motive und äußerliche Garantien. Garantien sind äußerlich, wenn sie auf Erwartungen besonderer Art (Mißbilligung, Zwang) begründet sind. (WuG, S. 23, § 6). Dieser Aspekt beleuchtet sozusagen die Motivlage, aus der heraus die Frage der Befolgung einer Ordnung geprüft wird. Daneben tritt nun noch ein zweiter Aspekt, der in folgender Frage zum Ausdruck kommt: Aus welchem Grunde und mit welcher Rechtfertigung erhebt denn eine bestimmte Ordnung überhaupt den Anspruch der Verbindlichkeit, der Sollgültigkeit, für sich? Dieser Legitimitätsanspruch, der sich normativ in der Forderung: „Du sollst ...“ und empirisch in der Tatsache der effektiven Zuschreibung legitimer Geltung ausdrückt, kann auf Tradition, auf affektuellem oder wertrationalem Glauben und schließlich auf positiver Satzung (Vereinbarung oder Oktroyierung) begründet sein (WuG, S. 26, § 7). Dieses Konzept der Legitimitätsgeltung („warum gilt eine Ordnung als ‘legitim’ aus der Sicht der Betroffenen? “) bildet den Ausgangspunkt für die Analyse von Herrschaft (WuG, Drittes Kapitel: Die Typen der Herrschaft, S. 157 et passim). Jede Herrschaft sucht, wie Weber sagt, „den Glauben an ihre ‘Legitimität’ zu erwecken und zu pflegen.“ (WuG, S. 157). Dabei kommt es offenbar zunächst darauf an, welche Art von Legitimität die jeweilige Herrschaftsordnung selbst beansprucht. Herrschaft, obwohl nicht so definiert, ist eine besondere Form von Ordnung. Mithin nimmt Weber also durch die Analyse der Rechtfertigungsgründe („Legitimitätsanspruch“) von Herrschaft eine Qualifizierung der soeben gelieferten Kategorien der Rechtfertigungsgründe von Ordnung vor. Max Weber selbst formulierte dies so: „. . . auf welche letzten Prinzipien (kann) die ‘Geltung’ einer Herrschaft, d. h. der Anspruch auf Gehorsam . . . gestützt werden? Es ist uns dies Problem der „Legitimität“ schon bei der Betrachtung der „Rechtsordnung“ begegnet und bier in seiner Bedeutung noch allgemeiner zu begründen. . . . Der Bestand jeder ‘Herrschaft’ in unserem technischen Sinne des Wortes ist selbstverständlich in der denkbar stärksten Art auf die Selbstrechtfertigung durch den Appell an Prinzipien ihrer Legitimation hingewiesen. Solcher letzter Prinzipien gibt es drei . . . “ (WuG, S. 701). Ihrem Legitimitätsanspruch — also den Rechtfertigungsgründen für den Anspruch, eine sollgültige Ordnung zu sein — nach lassen sich drei reine (d. h. ideale) Typen der legitimen Herrschaft unterscheiden: legale Herrschaft (rationalen Charakters); traditionale Herrschaft und charismatische Herrschaft (WuG § 2, S. 159 sowie S. 702). Wer sich nun weiter mit der Bemerkung Parsons auseinandersetzen will, der müßte auf dieser Grundlage die Analyse der drei Typen der Herrschaft weiterverfolgen. Robert Bierstedt hat in seinem Aufsatz: „The Problem of Authority“, in M. Berger, T. Abel und C. Page (Hrsg.): Freedom and Con trol in Modern Society, New York 1954, auf die Notwendigkeit einer Differenzierung zwischen „Führung“ und „Autorität“ hingewiesen, und Reinhard Bendix hat diese Unterscheidung ausdrücklich in die Darstellung der Herrschaftssoziologie Max Webers aufgenommen; vgl. R. Bendix: Max Weber — Das Werk, München (Piper & Co.) 1960, S. 226. Bendix gelangt damit zu einer Einteilung, die Herrschaft in drei Klassen differenziert: Herrschaft auf der Grundlage von (bestehender) Autorität (legale — unpersönliche — Herrschaft; traditionale Herrschaft und charismatische Herrschaft, die beide Formen persönlicher Herrschaft sind); Herrschaft auf der Grundlage von Führung (außeralltägliche, auf besonderen Eigenschaften einer Person begründete Herrschaft, die sich dann in der Nachfolgeproblematik zu anderen Formen verändern kann und in der Regel verändern wird); Herrschaft auf der Grundlage von Interessenkonstellation (insbesondere kraft monopolistischer Lage), den reinsten Typus bildet „die monopolistische Herrschaft auf dem Markt“ (WuG, S. 692 mit ausführlicher folgender Darstellung dieser Verhältnisse). Diese Andeutungen und Literaturhinweise mögen dem Interessierten ein Ausgangspunkt sein für weitere eigene Nachforschungen auf den Pfaden, die Parsons mit Weber verbinden. Google Scholar
  53. 52.
    Ich selbst habe diese früher einmal akzeptiert — vgl. The Social System; New York (The Free Press) 1951, Kapitel V: 161–163.Google Scholar
  54. 53.
    Das Paradigma selbst ist noch immer unvollständig, und selbst in dieser Form ist es noch nie als Ganzes publiziert worden. Die ersten Aussagen zum Problem (sozialer) Prozesse stammen von Parsons und Smelser, Economy and Society, insbesondere Kapitel II, und wurden in bestimmter Richtung in Smelsers beiden folgenden Büchern weiterentwickelt Social Change in the Industrial Revolution und Theory of Collective Behavior. Ich selbst habe bestimmte Aspekte, die inzwischen einer Überarbeitung bedürfen, in dem Aufsatz „Pattern Variables Revisited“ veröffentlicht. (American Sociological Review, August 1960, Wiederabdruck in Sociological Theory and Modern Society). Frühe und partielle Fassungen der Anwendung auf politische Zusammenhänge finden sich in meinen Beiträgen zu Roland Young (Hrsg.): Approaches to the Study of Politics und Burdick and Brodbeck (Hrsg.): American Voting Behavior (Wiederabdruck in Politics and Social Structure). Anm. d. Übers.: Die neueste — und durch Parons’ Tod nunmehr auch letzte — Version des Paradigmas findet sich in der American University, Cambridge (Harvard University Press) 193, unter dem Stichwort „ Technical Appendix, S. 423–447, sowie in dem letzten Buch Parsons, Action Theory and the Human Condition, New York und London (Free Press) 1978, Kapitel 15. Google Scholar
  55. 54.
    Ein äußerst kritischer Problembereich bleibt die Natur der Austausch-Prozesse zwischen einer Gesellschaft als System in unserem Sinne und ihrer Umwelt. Auf diesen Problemkompex kann leider hier nicht eingegangen werden.Google Scholar
  56. 55.
    Investitionsprozesse, die ich für einen sehr wichtigen Sonderfall in den Abläufen dieses Austausch-Systems halte, scheinen folgendermaßen zu erfolgen: Die Machtkomponente eines Kredites ist die Gewährung einer Einsatzmöglichkeit (opportunity). Dadurch wird ein Zuwachs eines sonst nicht erreichbaren Grades an Produktivitätskontrolle gewonnen. Der Empfänger dieses „Zuschusses“ (grant) ist nun — durch den Einsatz (individueller oder kollektiver) Dienste — in der Lage, diese Ressourcen zu nutzen, um die künftige ökonomische Produktivität in irgendeiner Weise zu steigern. Dies ist ein Sonderfall, weil die Ressourcen auch für irgendwelche anderen Zwecke genutzt werden könnten, beispielsweise zur Linderung von Not oder für wissenschaftliche Forschung oder ähnliches.Google Scholar
  57. 1.
    Es wird hier vorausgesetzt, daß in diesem Gebiet keine formale Standardisierung der Terminologie existiert, und daß somit unvermeidlich eine gewisse Willkür darin liegt, einem so allgemeinen Terminus wie „Einfluß“ eine fachtechnische Bedeutung zu geben. Ich möchte mich dafür nicht entschuldigen, weil in den Sozialwissenschaften die einzige Alternative in vielen Fällen darin bestünde, Neuschöpfungen zu prägen, gegen die unzählige Einwände möglich wären.Google Scholar
  58. 2.
    Roman Jacobsen und Morris Halle: Fundamentals of Language; Den Haag (Muton & Co.) 1956.Google Scholar
  59. 3.
    Diese Perspektive von Geld als einer Sprache wird gestützt durch die klassischen Ökonomen (z. B. Adam Smith, Ricardo und J. S. Mill), die von der „Doppelnatur“ des Geldes sprechen: einmal als „Tauschmedium“ (Übertragung von Botschaften) und zum zweiten als „Wertmaßstab“ (Code).Google Scholar
  60. 4.
    Es ist wichtig zu erkennen, daß hier eine linguistische Parallele besteht. Das Ergebnis einer Begegnung mit einem wütenden Hund kann in Worte umgesetzt werden, indem zum Beispiel der Betroffene einem anderen davon erzählen und entsprechende Reaktionen auslösen kann. Umgekehrt kann eine linguistische Warnung uns auf den Hund vorbereiten, ohne daß man ihn direkt wahrnehmen müßte. Die linguistischen Symbole haben weder die Eigenschaft, gefährlich zu sein, noch die Fähigkeit, eine Gefahr zu bewältigen, aber sie können den wirklichen Prozeß vermitteln, indem sie den Aktoren entsprechend der Gefahr „orientieren“.Google Scholar
  61. 5.
    Es gibt zwei Arten des Tausches, denen das fehlt, was ich als „Marktebene“ bezeichne, nämlich askriptiven Tausch — der Fall obligatorischer Geschenke, der den Anthropologen wohlbekannt ist (Marcel Mauss: The Gift; Glencoe (Free Press) 1945 — und den Fall von Kompensationsgeschäften. Beiden fehlt das generalisierte Medium, das Nutzen spezifisch symbolisiert, nämlich Geld.Google Scholar
  62. 6.
    Am nächsten kommt diesem Paradigma in der mir bekannten Literatur Herbert P. Kelman: “,Processes of opinion change“, Public Opinion Quarterly, Band 25 (1961): 57–78.CrossRefGoogle Scholar
  63. 7.
    Dieser Fall und sein Bezugsrahmen wird sehr viel ausführlicher im ersten Aufsatz dieses Buches analysiert.Google Scholar
  64. 8.
    Anm. d. Übers.: Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Eine Mutter (Ego) kann ihr Kind (Alter) auf folgende Weise zu manierlichem Benehmen bei Tisch veranlassen: (1) „Anreiz“: Anbieten von Belohnungen (2) „Einschüchterung“: Anbieten von Prügel (3) „Appell an Wertbindungen“: „Wenn Du Mutti lieb hast, dann wirst Du jetzt ganz manierlich essen!“ (4) „ Überredung“: „Es ist nur zu Deinem eigenen Besten, wenn Du es lernst, manierlich zu essen.“ Google Scholar
  65. 9.
    Ego kann diese Drohung durch Verwendung der (intentionalen) Sanktion der Verurteilung wahrmachen. Im Fall von Kooperation kann er Alter mit dem Ausdruck der Zufriedenheit belohnen. Anm. d. Übers.: Noch ein Beispiel dazu; diesmal aus dem Wirtschaftsleben: Ein Produzent (Ego) kann einen Händler (Alter) gemäß dem Schema vonParsons in folgender Weise zur Abnahme zusätzlicher Angebote veranlassen: (1) Wenn Alter die Ware nimmt, erhält er von Ego einen Sonderrabatt (Anreiz/Geld). Anm. d. Übers.: Noch ein Beispiel dazu; diesmal aus dem Wirtschaftsleben; Ein Produzent (Ego) kann einen Händler (Alter) gemäß dem Schema von Parsons in folgender Weise zur Abnahme zusätzlicher Angebote veranlassen: (1) Wenn Alter die Ware nimmt, erhält er von Ego einen Sonderrabatt (Anreiz/Geld). (2) Wenn Alter die Sonderware nicht nimmt, entzieht Ego ihm das gesamte Depot (Einschüchterung/Macht). (3) Wenn Alter die Sonderware (nicht) nimmt, so verhält er sich (nicht) als loyaler Partner des Produzenten (Appell an Wertbindungen/Commitment) (4) Wenn Alter die Sonderware nimmt, so handelt er damit nur in „seinem eigensten Interesse“ — mehr Umsatz, mehr Profit. Der schwierigste Fall dürfte bisland in der Möglichkeit (3) liegen, weil sie bislang in der Systematik von Parsons noch nicht ausgearbeitet wurde. Dieser Mangel wird im folgenden dritten Aufsatz überwunden. Vorab dazu folgender Hinweis: Der „Appell an Wertbindungen“ besteht darin, sich auf die gemeinsamen Wertvorstellungen zu beziehen, die die Handelnden verbinden oder doch verbinden sollten. Solche Wertvorstellungen (und die „innerliche Bindung’ daran können höchst allgemein sein („Menschlichkeit“, „Christ-Sein“), aber ebenso auch höchst partial („Du als mein Kind . . . Geschäftspartner . . . Nachbar), sie können sich auch auf Werte beziehen, die Ego und Alter keineswegs gemeinsam teilen (so mag Ego an Alter in dessen Eigenschaft als Tierfreund appellieren, ohne selbst Tierfreund zu sein; bekanntlich pflegen auch viele Leute an soziale Werte zu erinnern, die sie selbst nicht für sich akzeptieren). Für einen „Appell an Wertbindungen“ genügt also regelmäßig allein die Vorstellung, daß ein anderer (Alter), dessen Handeln man zu beeinflussen lussen wünscht, innerlich an diesen Wert „gebunden“ und ihm „verpflichtet“ sei. Das Medium, das diesen Zusammenhang von Egos Selektion und Alters Übernahme dieser Selektion (den Selektionstransfer) steuert, soll nach Parsons mit dem Begriff „Commitment“ bezeichnet werden. Commitment symbolisiert die Kapazität, sich für bestimmte Werte — allgemeiner oder partialer Art — zu „engagieren“. Der Fall (3) ist in Parsons Schema der Sanktion nach als negativ gekennzeichnet. Dies bedeutet, daß man das Beispiel auch negativ lesen muß: Wenn Alter sich nicht so verhält, wie Ego es wünscht, so war der Appell an den bei Alter als „verbindlich“ vorausgesetzten Wert vergeblich. Die Sanktion besteht nunmehr darin, Alter vorzuhalten, daß er von einem Wert abgewichen sei, der „eigentlich“ für ihn hätte verbindlich sein müssen. Es liegt immer nahe, diesen moralischen Vorwurf mit sozialen Konsequenzen zu verbinden. So hat sich typischerweise die Kirche eben gerade nicht damit begnügt, den Sünder zu ermahnen, sondern ihn vor allem mit Strafen bedroht (Fall (2)). Der „reine Fall“ in dieser Systematik besteht jedoch in dem Verzicht auf jede Drohung und allein in dem Appell an das jeweilige Wertmuster. Google Scholar
  66. 10.
    Der wichtigste Grund liegt in der Rolle des Bank- und Kreditwesens, deren Wirkungen auf das Funktionieren von Einfluß später behandelt werden.Google Scholar
  67. 11.
    Anm. d. Obers.: Im Original: „ . . . we come to the conception that, while in one context the value of money rests on its „backing“ by convertibility into a secure utility, for example metal, in another and probably more important context, it rests on the effective funktioning of a ramified system of monetary exchanges and markets.“ Hier irritiert zunächst einmal der Begriff der „Konvertibilität“, der in der Regel nicht bedeutet, daß Geld in „utility“, beispielsweise Metall, umgewandelt werden kann, sondern sich auf den freien Austausch zwischen Währungen bezieht. Zu vage ist auch formuliert, daß der Wert des Geldes auf seiner „Konvertibilität in Güter“ beruht; die gebräuchliche Formel lautet: Der Wert des Geldes wird durch seine Kaufkraft bestimmt (und diese wiederum durch den reziproken Wert des Preisindex: Erhöht sich der Preisindex, so fällt die Kaufkraft, bzw. der Geldwert). Zu dem folgenden Satz: „No economist would suppose that . . . productivity can be created simply by adding to the supply of monetary gold“ vgl. den Exkurs über „Internationale Goldbewegung“ bei P. A. Samuelson, Volkswirtschaftslehre; 3. Auflage, Köln (Bund-Verlag) 1964, Bd. 1, S. 402 ff Parsons schwebt bei diesem Satz vermutlich der alte merkantilistische Trugschluß vor, daß der Reichtum eines Landes auf der verfügbaren Geldmenge beruhe. Man muß nur an die spanischen Silberimporte und die dadurch ausgelöste Inflation denken, um den Trugschluß zu erkennen. Wenn andererseits aufgrund der internationalen Handelsbeziehungen beispielsweise durch Exportüberschüsse Goldüberweisungen in ein Land strömen, so führt dies zu einer Gutschrift bei der Zentralbank in Höhe des Goldpreises, und dies ist gleichbedeutend mit einer Erhöhung der Aktiva. Google Scholar
  68. 12.
    Aus Platzmangel wird diese Aussage hier nicht weiter begründet. Vgl. dazu den Beitrag über Macht in diesem Band.Google Scholar
  69. 13.
    Um ein extremes Beispiel zu wählen: Ein Mann im mittleren Alter kann es wegen seiner Unsterblichkeits-Phantasie hartnäckig ablehnen, sein Testament zu machen. Wenn ihm jedoch ein Arzt sagt, daß er wegen unheilbaren Krebses nur noch ein paar Monate zu leben hätte, könnte dies ausreichen, ihn zu überreden, sein Testament zu machen. Diese Vorstellung von Information und Intention als primäre Typen intrinsischer Meinungsbildner ist in jüngster Zeit modifiziert worden.Google Scholar
  70. 14.
    Aus vielen Gründen haben Okonomen „Güter und Dienstleistungen“ als die beiden fundamentalen „Bedürfnisbefriediger“ verklammert. Für bestimmte Zwecke der ökonomischen Soziologie ist es jedoch wichtig, sie zu unterscheiden, besonders weil der Begriff „Dienstleistung“ eine Dimension der Arbeit als Produktionsfaktor bildet. Vergleiche Talcott Parsons und Neil J. Smelser: Economy and Society; Glencoe (Free Press) 1956, S. 157, wo sich eine Diskussion der Bedeutung dieser Unterscheidung findet.Google Scholar
  71. 15.
    Der Terminus „Rechtfertigung“ (justification) bezieht sich hier auf die Normenebene. Es ist wohl zweckmäßig, ihn von dem Begriff „Legitimation“ zu unterscheiden, womit ich eine Beziehung auf der Ebene von Werten meine. Vgl. „Grundzüge des Sozialsystems“ in Jensen, S. (Hrsg.): Talcott Parsons — Zur Theorie sozialer Systeme; Opladen (Westdeutscher Verlag) 1976: 161–262Google Scholar
  72. 16.
    Es sollte festgehalten werden, daß dies von der Annahme formell bindender Verpflichtungen unabhängig ist.Google Scholar
  73. 17.
    Berelson, B., Lazarsfeld, P. und W. McPhee: Voting; Chicago (University of Chicago Press) 1954.Google Scholar
  74. 18.
    Talcott Parsons:“ ,Voting‘ and the Equilibrium of the American Political System“, in Eugene Burdick und Arthur J. Brodbeck (Hrsg.): American Voting Behavior; Glencoe (The Free Press) 1959. Wiederabdruck in Talcott Parsons, Politics and Social Structure; New York und London (The Free Press und Collier MacMillan) 1969, Kap. 9.Google Scholar
  75. 19.
    Damit die Analyse relevant bleibt, muß die fragliche Vereinigung natürlich nicht „voll“ demokratisch sein, jedoch braucht uns dieses Problem der Grade von Demokratie in dieser sehr begrenzter Diskussion nicht zu beschäftigen.Google Scholar
  76. 20.
    Amtsinhaber sind trotz ihrer Macht oft sehr vorsichtig, wenn sie für irgendwelche Maßnahmen plädieren, um klar herauszustellen, daß sie ihre Macht in dem bestimmten Falle nicht direkt ausüben wollen. Ein gutes Beispiel sind Amtsinhaber, die einer bestimmten Partei angehören, aber ihren Einfluß streng überparteilichen Zwecken leihen: So wird ein republikanischer Gouverneur alle Menschen (ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit) auffordern, für das Rote Kreuz zu spenden. (Er nützt also den Einfluß seines Status und nicht die Macht seines Amtes.)Google Scholar
  77. 21.
    Für das Kollektiv als Einheit ist die relevante Mitgliedschaftsbeziehung die Zugehörigkeit zu umfassenderen Kollektiven; so ist zum Beispiel ein Fachbereich ein Subkollektiv einer Universitätfakultät.Google Scholar
  78. 22.
    Vgl. zur Klärung Talcott Parsons: „Pattern Variables Revisited“‘ American Sociological Review, Bd. 25 (1960: 467–483. (Wiederabdruck in T. Parsons: Sociological Theory and Modern Society; New York (Free Press) 1967: 192–219)Google Scholar
  79. 23.
    Dies bezieht sich auf ein generalisiertes Paradigma der Analyse von vier funktionalen Kategorien. Eine ausführliche Darstellung bietet der Aufsatz „Grundzüge des Sozialsystems“ (in deutscher Fassung erschienen in Jensen 1976) sowie der Aufsatz „Pattern Variables Revisited“, op. cit.Google Scholar
  80. 24.
    Dies scheint zum Beispiel die Position von Harold D. Lasswell und Abraham Kaplan zu sein: Power and Society; (New Heaven, Yale University Press) 1950.Google Scholar
  81. 25.
    Zum Begriff des „circular flow“ vergleicht J. A. Schumpeter, The Theory of Economic Development; Cambridge (Harvard University Press) 1934, Kapitel 1.Google Scholar
  82. 26.
    Die McCarthy-Ära war das klassische Beispiel einer deflationären Periode im Bereich von Einfluß, die auf ihrem Höhepunkt das Ausmaß einer Panik erreichte: Die Forderung nach „absoluter Loyalität“ entsprach der Forderung nach Rückkehr zum Goldstandard im monetären Bereich. Vgl. E. A. Shils: The Torment of Secrecy; op. cit. sowie T. Parsons: „Social Strains in America“ (Kap. 7 der Aufsatzsammlung Structure and Process in Modern Society; Glencoe (Free Press) 1960.Google Scholar
  83. 27.
    Diese Konzeption war in meinem frühen Essay zur Schichtentheorie schon angelegt und wurde in einem späteren „revidierten“ Ansatz weiterentwickelt. Beide Essays sind in der Ausgabe von 1954 meiner Essays in Sociological Theory als Kapitel IV und XIX wiederabgedruckt.Google Scholar
  84. 28.
    In beschränktem Maße erstreckt sich dieses Muster auch auf die Marktsituation. In der Konkurrenz der Käufer bei der Akquisition von Vermögenswerten wird in der Regel die Offerte des höchsten Bieters zum Zuge kommen. Dies kann zu Recht als eine Form des Einsatzes von „ökonomischer Macht“ angesehen werden, d. h. der Verwendung überlegener finanzieller Ressourcen — oder der Bereitschaft, derartige Ressourcen in diesem Kontext einzusetzen —, um über einen Konkurrenten im gleichen System zu dominieren. Hier wird Geld als ein „Machtinstrument“ eingesetzt. Die Allokation der Ressourcen gewinnt ihre verbindliche Wirkung durch die Institution des Vertrags.Google Scholar
  85. 1.
    Anm. d. Übers.: An dieser Stelle befindet sich im Original eine Fußnote, die inhaltlich mittlerweile überholt ist. Parsons berichtet darin andeutungsweise von Arbeiten, die dazu beitragen könnten, das Medienkonzept zu vervollständigen. Inzwischen sind folgende Beiträge erschienen, die der interessierte Leser berücksichtigen sollte: In dem Sammelband von John C. McKinney und Edward A. Tiryakian (Hrsg. ): Theoretical Sociology — Perspectives and Developments: New York (Meredith Corporation) 1970, erschien der Aufsatz Some Problems ofGeneral Theory in Sociology“ (S. 27–68). Darin wiederholt Parsons in derknappsten möglichen Form seine gesamte Handlungstheorie, einschließlich der Medientheorie, die hier bereits über den Rahmen der vier gesellschaftlichen Medien hinaus verallgemeinert ist und auch die Medien auf der allgemeinen handlungstheoretischen Ebene umfaßt. Seit 1970 erschien eine Folge von Arbeiten, in denen Parsons sich dem Bereich des (akademischen) Bildungswesens zuwandte und dabei das Konzept der Medien zunehmend entfaltete. Bei diesen Arbeiten handelt es sich vor allem um die Aufsätze: „Higher Education as a Theoretical Focus“, in Herman Turk und Richard Simpson (Hrsg.): Institutions and Social Exchange; Indianapolis (Bobbs Merrill) 1971: 233–252; sowie „Theory in the Humanity and Sociology“, Daedalus 1970: 495–523; „The Impact of Technology on Culture and Emerging New Modes of Behavior“, International Social Science Journal, 22(4/1970): 607–627; „Stability and Change in the American University“, Daedalus (American Higher Education — Toward an Uncertain Future) 1974: 269–277, mit weiteren Nachweisen. Die bei weitem wichtigste Arbeit in diesem Rahmen bildet das Buch von Parsons und Gerald M. Platt: The American University, Cambridge (Harvard University Press) 1973. Ausdrücklich erinnert sei nochmals in diesem Zusammenhang an Band 2, Teil IV („Generalized Media in Action“) der sogenannten „Parsons-Festschrift“ von Loubser et. al. 1976, die in der Einleitung zu diesem Band ausführlich zitiert wurde. Schließlich ist noch auf die beiden letzten Aufsatzbände Parsons’ hinzuweisen, nämlich Social Systems and the Evolution of Action Theory, 1977; sowie Action Theory and the Human Condition, 1978 (beide erschienen in der Free Press, New York und London). Google Scholar
  86. 2.
    Anm. d. Übers.: Implementation = Erfüllung, Aus- oder Durchführung. Vollendung. Eine deutsche Form dieses Wortes gibt es (nach dem Duden) nicht. Dennoch ist es im Zusammenhang der Planungstheorie üblich geworden, von der „Implementation“ eines Planes, seiner „Implementationsphase“ o. ä. zu sprechen. Implementation ist ein zentraler Begriff im folgenden Aufsatz. Keiner der Übersetzungsvorschläge, die eingangs zitiert wurden, paßt befriedigend. In der Übersetzung wurde daher der Terminus „Implementation, Implementierung“ beibehalten. Es geht dabei um die „Implementation von Werten“. Werte — als „conceptions of the desirable“ — verwirklichen sich nicht „von selbst“. Es handelt sich um abstrakte Konzeptionen, die in einer vagen begrifflichen Fassung in den Vorstellungen der Menschen existieren und in Ausdrücke wie „Frieden“, „Gerechtigkeit“ oder „kognitive Rationalität“ gefaßt sind. Wer an einen Wert „glaubt“, spürt zugleich eine moralische Verpflichtung, in irgendeiner Form diesem Wert zu „dienen“, das heißt, ihn in seinem Handeln zum Ausdruck zu bringen und damit zu verwirklichen. Diese innerliche Verpflichtung — den Zustand inneren Verpflichtet-Seins — bezeichnet Parsons mit dem Begriff des „value-commitment“, der in der Regel als „Wert-Bindung“ übersetzt wird. Der Prozeß der „Wert-Implementation“ bezieht sich nun auf das Bemühen, einen Wert (oder Wertkomplex), dem man innerlich verpflichtet ist, durch sein Handeln zu verwirklichen, das heißt, ihn effektiv in der sozialen Interaktion durchzusetzen.Zwar ist jede Wertvorstellung notwendig immer die Wertvorstellung eines Individuums, aber in der Regel nicht nur eines einzelnen. Zahlreiche Menschen haben gemeinsame Wertvorstellungen. Eine wichtige Ausgangsvorstellung von Parsons in diesem Aufsatz ist es nun, daß gemeinsame Wertvorstellungen die Basis für die Bildung von „associations“ darstellen, von Gemeinschaften aller Art, die von Liebesbeziehungen bis zu streng sachlichen Zweckverbänden reichen können. Jeder einzelne, der einer solchen Gemeinschaft beitritt, bringt in diese Vereinigung sein inneres „commitment“ gegenüber den tragenden Wertvorstellungen der Gemeinschaft ein. Die Kumulation dieser individuellen Commitments gestattet es dann der Vereinigung als Kollektiv, sich in sehr viel stärkerer und effizienterer Weise für den relevanten Wertkomplex einzusetzen, als der einzelne dies für sich allein tun könnte. Wir alle, die wir in großen und komplexen Gesellschaften mit einem hohen Grad an Differenzierung und Segmentierung der Sozialstrukturen leben, sind Mitglieder sehr vieler Kollektive, deren Anforderungen sich teilweise ergänzen, teilweise überschneiden und teilweise auch widersprechen. Dadurch gibt es für jeden einzelnen eine gewisse Zahl „höchster“ und zugleich sehr abstrakter Werte sowie darunter eine große Zahl spezifischer SubWerte, die jeweils in den einzelnen Bezugsgruppen zum Tragen kommen. Diese Wertvorstellungen werden von klein auf durch die Sozialisationsprozesse in uns erzeugt und kontinuierlich verstärkt, aber auch durch neue Erfahrungen in neuen Gruppenbildungen erschüttert oder verändert. Eine wesentliche These von Parsons besteht nun darin, daß Menschen in jeder Interaktionssituation an die relevanten Werte des jeweiligen Bezugssystems „erinnert“ und zu ihrer aktiven Erfüllung (implementation) angehalten werden können. Parsons spricht hier von einem „activation of commitments“. Allein aufgrund der Zugehörigkeit zu den einzelnen Kollektiven unserer Lebenswelt, in die wir teils freiwillig, teils ohne unser Zutun hineingelangt sind, werden wir gezwungen, gewisse Wertvorstellungen zu übernehmen und uns ihnen innerlich zu verpflichten. Dieses innerliche Engagement bezeichnet Parsons als „Eingehen eines Commitments“ (d. h. einer Verpflichtung gegenüber einem Wert oder Wertkomplex). Mit dem „Eingehen eines Commitments“ wird zugleich der Prozess eingeleitet, der dann zur Implementation, also zur Durchsetzung des Wertes, führt, demgegenüber das Commitment besteht. Google Scholar
  87. 3.
    Blumer, H.: An Appraisal of Thomas and Znaniecki’s „The Polish Peasant in Europe and America“; New York (A Social Science Research Council Monograph) 1939.Google Scholar
  88. 4.
    Leon H. Mayhew: Law and Equal Opportunity; Cambridge (Harvard University Press) 1968, Kap. I.Google Scholar
  89. 5.
    Clyde Kluckhohn: „Values and Value-Orientations in the Theory of Action: An Exploration in Definition and Classification“, in: Talcott Parsons and Edward A. Shils (Hrsg.): Toward A General Theory of Action; Cambridge (Harvard University Press) 1951.Google Scholar
  90. 6.
    Ich habe verschiedentlich ausführlich über die Stellung von Werten in Sozialsystemen gesprochen. Die bisher wohl vollständigsten Aussagen finden sich im 2. Teil der „General Introduction“ zu dem Sammelband Theories of Society, New York (Free Press) 1961, sowie in dem — zusammen mit Winston White geschriebenen — Artikel: „The Link between Character and Society“; der in meiner Aufsatzsammlung Social Structure and Personality, New York (Free Press) 1964, enthalten ist. (der zuerst genannte Aufsatz ist in deutscher Fassung in Jensen 1976 erschienen).Google Scholar
  91. 7.
    Vgl. den technischen Anhang im ersten Aufsatz dieses Bandes.Google Scholar
  92. 8.
    Die Theorie der Kybernetik wurde zuerst von Norbert Wiener entwickelt; vgl. Cybernetics, Cambridge (MIT Press) 1948 (dt. Kybernetik, Düsseldorf und Wien (Econ) 1963 sowie Rowohlt (rde 294/295) 1968; und The Human Use of Human Beings, Garden City (Anchor Books) 1954 (dt. Mensch und Menschmaschine, Frankfurt und Berlin, 1952, sowie Ullstein Bücher 184, Berlin 1958). Eine gute Einführung für Sozialwissenschaftler findet sich bei K. W. Deutsch, The Nerves of Government, New York (The Free Press) 1963 (dt. Politische Kybernetik, Freiburg (Rombach) 1969). Die Theorie gibt eine analytische Übersicht über die Bedingungen, unter denen Systeme mit viel Energie und wenig Information von Systemen mit den entgegengesetzten Charakteristika, also wenig Energie und viel Information, gesteuert werden können. Der Thermostat, der den Energieausstoß eines Heizsystems kontrolliert, ist ein einfaches Beispiel — die relevante Information ist die registrierte Differenz zwischen der Raumtemperatur und der Temperatur, auf die der Thermostat programmiert ist.Google Scholar
  93. 9.
    Den Terminus benutze ich im Sinne von Chester I. Barnard, The Functions of the Executive; Cambridge (Harvard University Press) 1938.Google Scholar
  94. 10.
    Dies ist offensichtlich ein ungewöhnlicher Gebrauch des Wortes, das meist auf die Verhaltensweisen von Individuen angewandt wird. Es in dieser Weise zu benutzen, verrät meine Überzeugung, daß der eigentliche Ursprung eines zielgerichteten Beitrages zum Funktionieren eines Sozialsystems stets kollektiver Natur ist. Der Fall eines reinen „Einzelbeitrages“ ist der Grenzfall eines „Ein-Mann-Kollektivs“. Vgl. „Some Theoretical Considerations bearing on the Field of Medical Sociology“, Kapitel 12 in meinem Buch Social Structure and Personality; New York (Free Press) 1964.Google Scholar
  95. 11.
    Talcott Parsonsund Neil J. Smelser, Economy and Society; Glencoe (Free Press) 1956.Google Scholar
  96. 12.
    Wegen des evolutionären Zusammenhangs zwischen der genetischen Komponente in der Struktur von Organismen und der Kulturkomponente in der Struktur von Handlungssystemen liegt der Schwerpunkt dieser stabilisierenden und „reproduzierenden“ Funktion im Code-Bereich des Symbolsystems, der als Kern das kulturelle System enthält. Symbolische Codes sind durchaus nicht immun gegen Veränderung, aber wie jene verändern sie sich langsamer und sind in der Regel schwieriger zu verändern. Sie ändern sich auch durch andere Prozesse als die anderen Handlungskomponenten. Wertstrukturen werden hier als Code-Elemente betrachtet, die die Strukturierung des Handelns „programmieren“.Google Scholar
  97. 13.
    Ich würde deshalb behaupten, daß die Logik des Prozesses der Implementation von Wertbindungen im Grunde dieselbe Logik des „Mehrwertes“ ist wie im Prozeß ökonomischer Produktion. Dieses Argument wurde von Smelser ganz deutlich in seinem Buch formuliert Social Change in the Industrial Revolution, Chicago (University of Chicago Press) 1959, ebenso auch in seinem Buch Theory of Collective Behavior, New York (Free Press) 1963.Google Scholar
  98. 14.
    Hier liegt ein Problem der analytischen Feinheit, das ich aus Platzgründen nicht durcharbeiten kann, der Leser sollte sich aber seiner bewußt sein. Dieses Problem betrifft die analytische Unterscheidung zwischen der kulturellen und der gesellschaftlichen Ebene von Wertkomponenten des Handlungssystems. Soweit es darauf ankommt, diese Unterscheidung zu betonen, sollte der Terminus „moralisch“ verwendet werden, um die Kulturebene zu bezeichnen als der im kybernetischen Sinne normativen Struktur höchster Ordnung des Handelns überhaupt. Die moralischen Komponenten befinden sich im integrativen Subsystem der Kultur und verbinden das religiöse System mit Gesellschaft, Persönlichkeit und Organismus. Gesellschaftliche Werte bilden die Interpenetrationszone des Moralsystems und der Gesellschaft, im idealtypischen Sinne, ihrer Institutionalisierung. In ihrem Kulturbezug sind sie „moralisch“, ohne die Kategorie des Moralischen zu erschöpfen; insbesondere haben „reine“ kulturelle Wertbindungen sowie persönliche — unabhängig gesellschaftlicher Bezüge — die Qualität moralischer Verbindlichkeit. Es ist jedoch nur an wenigen Stellen dieser Arbeit erforderlich, auf diese allgemeineren Beziehungen der Moralkategorie einzugehen. Bei der Behandlung von Commitments als gesellschaftlichem Tauschmedium gelten sie als Bindungen an gesellschaftlich institutionalisierte Werte. Analytisch parallel wird im ökonomischen Nutzenbegriff das Konzept „technologische Relevanz“ unter den vielen Möglichkeiten einer technologisch „effizienten“ Produktion physischer Güter auf solche beschränkt, die in den institutionalisierten Zusammenhängen der „Bedürfnisbefriedigung“ gehören, wie es die älteren Ökonomen ausdriickten_Google Scholar
  99. 15.
    Talcott Parsons und Neil J. Smelser, Economy and Society; op. cit., S. 25.Google Scholar
  100. 16.
    Parsons und White, op. cit.Google Scholar
  101. 17.
    Man muß sich hier die Relativität von Systembezügen vor Augen führen. Was auf einer Ebene eine Einheit ist, wird auf einer anderen im allgemeinen ein System sein. Es gibt Wertbindungen für Gesellschaften als ganze, somit eine Definitionsvorschrift der Implementationsbedingungen für die gesamte Gesellschaft. Die Diskussion bewegt sich hauptsächlich auf der Ebene von Gesellschaften als System und bezieht sich auf die Wertbindungen, die seine Einheiten, Subkollektive und Individuen in Rollen,verpflichten.Google Scholar
  102. 18.
    Diese Behauptung wird durch Technologie nicht widerlegt. Die Leitung technologischer Prozesse erfordert nicht, daß der verantwortliche Leiter die physischen Anlagen selbst bedient; er sagt dem Bedienungspersonal, was, wann und gegebenenfalls wie es arbeiten soll. Ähnlich feuert ein kommandierender General nicht selbst noch fliegt er Bomber, sondern er gibt „Anweisungen an einen Unterteufel“.Google Scholar
  103. 19.
    Das Argument bezog sich hier absichtlich auf die Bedingungen in Sozialsystemen. Wir behaupten, daß die „Ebene“ der Commitments, die die relative Bedeutung der Commitment-Komponenten im Faktorensystem der Gesellschaft als ganzer betrifft, eine Funktion des Status von Aktor-Einheiten in der Kontrollhierarchie ist. In gewissem Sinne kommt dies der Behauptung gleich, daß die „Intensität“ von Commitments wahrscheinlich eine Funktion der Position der Aktor-Einheiten in der Hierarchie sei. Dies ist keine psychologische Verallgemeinerung über die Persönlichkeiten von Individuen. Als regelmäßiges Muster der Variation soll hier folgendes postuliert werden: Personen in ihrem Status sind als Persönlichkeitssysteme mehr oder weniger intensiv der Implementation der Wertmuster verpflichtet, die in ihrem jeweiligen Status institutionalisiert sind.Google Scholar
  104. 20.
    Kognitive Rationalität wird kurz diskutiert in Talcott Parsons und Gerald M. Platt: „Some Considerations on the American Academic Profession“; Minerva, Vol. VI, Nr. 4,1968: 497–523.CrossRefGoogle Scholar
  105. 21.
    Diese Spezifizierung geht in sogenannten „legalistischen“ Ethik-Systemen sehr weit, wie beispielsweise in der talmudischen Tradition des orthodoxen Judentums und in vielen Teilen des islamischen Rechts. Die Implementation von so detaillierten Systemen von Obligationen ist nur in sehr beschränkten sozialen Umständen möglich, und selbst dann muß der Kasuistik als kulturellem Sicherheitsventil ein ziemlich großer Spielraum eingeräumt werden.Google Scholar
  106. 22.
    Diese Beziehungen bilden ein Kernproblem bei der schwierigen Aufgabe, die Grenzen funktionaler Subsysteme zu definieren. So würden viele Ökonomen den „Haushalt“ im analytischen Sinne in die Wirtschaft einbeziehen, mit der Begründung, daß er sehr stark in monetäre Austauschprozesse einbezogen sei. Ähnlich tendiert ein politischer Theoretiker wie David Easton dazu, das von mir so genannte „gesellschaftliche Gemeinwesen“ wegen seiner Rolle bei Austauschprozessen von Macht in das politische System einzubeziehen.Google Scholar
  107. 23.
    Dieser Austausch wird ausftihrlich, jedoch mit etwas anderen Bezügen, in Parsons und Smelser 1956 diskutiert.Google Scholar
  108. 24.
    In modernen Gesellschaften müssen Einheiten mit nicht-ökonomischen Zielen in einem modifizierten Sinne zahlungsfähig (solvent) bleiben. Man erwartet zwar, daß das Einkommen die Ausgaben deckt, dies muß jedoch keineswegs vollständig oder auch nur zum Teil aus den finanziellen Erträgen des Betriebes stammen. Im Falle einer (privaten) Non-Profit-Organization, wie einer Universität, besteht ein großer Teil des Einkommens aus Spenden, Zuwendungen etc. und nicht aus den Beiträgen der Studenten.Google Scholar
  109. 25.
    Vgl. die Kapitel über formale Organisation in meinem Buch Structure and Process in Modern Societies; New York (Free Press) 1960.Google Scholar
  110. 26.
    In einer Gesellschaft, in der es sehr verbreitet ist, Handeln einen krassen Egoismus zu unterstellen, ist es wichtig, diesen Punkt zu unterstreichen. Wo Eigeninteressen und die Chance zur Wertimplementation eine Entscheidung in dieselbe Richtung drängen, neigt man zu dem Urteil, daß „natürlich“ das egoistische Moment den Ausschlag gab. Weiterhin ist folgendes bedeutsam: Wo Wertbindungen wirklich internalisiert sind, liegt es konkret im Eigeninteresse eines Individuums, ihrer Implementierung hohe Priorität einzuräumen; anderenfalls müßte mit Schuldgefühl sowie mit möglichem Verlust an Reputation „bezahlt“ werden. Die Verwendung des Ausdrucks „Prostitution“ im Zusammenhang mit Talenten deutet auf diesen Zusammenhang hin.Google Scholar
  111. 27.
    Weber bezeichnet dies als „Gesinnungsethik“ (von Parsons mit „ethic of the absolute value“ übersetzt) und stellt ihr die „Verantwortungsethik“ — „ethic of responsibility“ gegenüber. Letztere betont die Freiheit, aus einer größeren Menge von Alternativen zu wählen, aber auch die Verantwortung für die Konsequenzen einer solchen Wahl. Vgl. Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie; Tübingen (J. C. B. Mohr/Paul Siebeck) 1920.Google Scholar
  112. 28.
    Anstelle von „Fundamentalismus“ könnte man auch den Begriff „moralischen Absolutismus“ verwenden, falls der erste Ausdruck in seiner Bedeutung zu restriktiv scheint, um das zu umfassen, was als ein sehr allgemeines Phänomen verstanden werden muß. Ich verallgemeinere den Gebrauch des Begriffes „Fundamentalismus“ nur deswegen, weil ich meine, daß die heutigen fundamentalistischen religiösen Bewegungen ein treffendes und relativ gut analysiertes Beispiel für das allgemeinere Phänomen abgeben. Wir sollten natürlich peinlich darauf achten, durch den unkritischen Gebrauch des Terminus keinen ethno-zentrischen Bezugsrahmen für die Analyse anderer Fälle der Deflation von Commitments zu schaffen.Google Scholar
  113. 29.
    Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, op. cit., sowie Wirtschaft und Gesellschaft, op. cit.Google Scholar
  114. 30.
    Vgl. die Diskussion über Charisma in meinem Buch Structure of Social Action; New York (Mac Graw-Hill) 1937, S. 662 ff.Google Scholar
  115. 31.
    Vgl. meine Einleitung zu der amerikanischen Ausgabe von Max Weber, The Sociology of Religion, Translated by E. Fischoff from Wirtschaft und Gesellschaft. Boston (The Beacon Press) 1963.Google Scholar
  116. 32.
    Paul Hollander: „The New Man and his Enemies: A Study of the Stalinist Conception of Good and Evil Personified“, unveröffentlichte Dissertation, Princeton University, 1963.Google Scholar
  117. 33.
    Der Rückzug der christlichen religiösen Orden durch ihre Gelübde des Zölibats, der Armut und des Gehorsams aus den „normalen“ Lebensbedingungen christlicher Laien, ist ebenfalls ein gutes Beispiel für diesen Prozeß der Ent-Differenzierung.Google Scholar
  118. 34.
    Bemerkenswerterweise scheint die große öffentliche Krise unserer Tage, nämlich der Krieg in Vietnam, der sehr stark als moralisches Problem empfunden wird, die religiösen Gruppen der amerikanischen Gesellschaft nicht in eindeutiger Weise zu involvieren: Es gibt keine besondere katholische, jüdische oder protestantische Position bezüglich des Krieges.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1980

Authors and Affiliations

  • Talcott Parsons

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