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Einleitung

  • Talcott Parsons
Chapter
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Part of the Studienbücher zur Sozialwissenschaft book series (STBS, volume 39)

Zusammenfassung

Dieser Band bildet den Anschluß an die vorangegangene AufsatzSammlung Talcott Parsons’ zur Theorie sozialer Systeme1 . Während es sich bei dem früheren Band um einige der wichtigsten Beiträge Parsons’ zur soziologischen Systemtheorie handelt, stellen die folgenden vier Aufsätze den theoretisch originärsten und bedeutsamsten Beitrag zur sozialwissenschaftlichen Theoriebildung überhaupt dar, den Parsons in den letzten fünfzehn Jahren entwickelt hat.2

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Anmerkungen

  1. 1.
    Stefan Jensen (Hrsg.): Talcott Parsons — Zur Theorie sozialer Systeme Opladen (Westdeutscher Verlag) 1976, zitiert als Jensen 1976. Google Scholar
  2. 2.
    Der Ursprung dieser Konzeption dürfte weiter zurückliegen und zunächst in der gemeinsamen Arbeit mit Neil J. Smelser — einem Harvard-Ökonomen — zu suchen sein, deren erstes Ergebnis der 1956 veröffentlichte Band Economy and Society war, und die sich dann mit dem Bemühen um eine exakte Analyse der Input/Output-Prozesse in Sozialsystemen fortsetzte, wie sie sich etwa in dem Beitrag Parsons‘ über die „Grundzüge des Sozialsystems“ findet (vgl. „Grundzüge des Sozialsystems“, in Jensen 1976: 161–274; hier insbesondere 220 ff.). Den theoretischen Ausgangspunkt bilden dabei die Austauschprozesse in der Wirtschaft, die durch entsprechende Modelle der Wirtschaftstheorie erfaßt werden. Parsons selbst bemerkt dazu: The primary reference model of interchange for us became the Keynesian focus of interchange between households and firms ...“ („On Building Social System Theory; A Personal History“. DAEDALUS 1970/4:826–881; Zitat Seite 846. Deutsche Fassung in: Soziologie — autobiographisch: Stuttgart (Ferdinand Enke/DTV) 1975.) Das Studium dieser Austausch-Modelle führte Parsons zur Geldtheorie. Während aber dort Geld als einzigartiges Phänomen angesehen wird, faßte es Parsons als allgemeines Paradigma für einen sozialen Mechanismus der Steuerung von Austauschprozessen auf. Diese „kopernikanische Wendung“ bildet den entscheidenden Ausgangspunkt dafür, nach weiteren Mitgliedern dieser Klasse von Steuerungsmechanismen zu suchen und zugleich ihre allgemeinen theoretischen Grundlagen zu erforschen.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. vor allem das Buch von Talcott Parsons und Gerald M. Platt: The American University, Cambridge, Mass. (Harvard University Press) 1973.Google Scholar
  4. 4.
    Einerseits wäre hier vor allem Niklas Luhmann mit seiner — zwar von Parsons ausgehenden, dennoch völlig originären — Medienkonzeption zu nennen sowie auf der anderen Seite die an Parsons anschließenden Diskussion in den USA, die ihren Niederschlag — nach einer Reihe von früheren Diskussionsbeiträgen, die hier nicht bibliographisch nachgewiesen werden sollen, — vor allem in der sogenannten „Parsons-Festschrift“ gefunden haben, nämlich dem Doppelband von Jan J. Loubser, Rainer C. Baum, Andrew Effrat und Victor Meyer Lidz (Hrsg.): Explorations In General Theory In Social Science. Essays in Honor of Talcott Parsons New York (Free Press) 1976. (Zitiert als Loubser et al. 1976).Google Scholar
  5. 5.
    So definiert Niklas Luhmann den Begriff der „Stabilität“ nicht als „Erhaltung von Beständen“, was von der Kritik allzu oft mißverstanden wurde, sondern als „erleichterte Reproduzierbarkeit von Problemlösungen“; Soziologische Aufklärung 2, Opladen (Westdeutscher Verlag) 1975: 180, in einem Beitrag, der ohnehin für diesen Abschnitt von größter Bedeutung ist: „Einführende Bemerkungen zu einer Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien.“Google Scholar
  6. 6.
    Das Gegenteil behaupten Bliss C. Cartwright und R. Stephen Warner: „The Medium is not the Message“. In: Loubser et al. 1976: 639–660.Google Scholar
  7. 7.
    Dies gilt am stärksten für demokratische Staatswesen. Dagegen liegt in Diktaturen oft der größte Teil des gesellschaftlichen Reichtums ebenso wie die gesamte Macht, die Kontrolle über Einfluß usw. in Händen des (oder der) Machthabers und bei den nachgeordneten „Teilhabern“ der Macht, meist einflußreichen Familien oder anderen Oligarchien. Typische Beispiele der Gegenwart bieten Staaten wie Persien, Indonesien und bestimmte südamerikanische Länder.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. den Abschnitt über Organisationsebenen der Sozialstruktur in dem Aufsatz „Zur Allgemeinen Theorie in der Soziologie“ von Parsons in Jensen 1976: 85 ff.Google Scholar
  9. 9.
    Die Medien werden hier unter zwei Aspekten betrachtet: dem Aspekt ihrer „Hintergrundstruktur“, nämlich dem Netzwerk von Regeln, das den „interchange“ von Input/Output-Größen bei der gesellschaftlichen Interaktion steuert, und dem Aspekt der „Tauschmittel“, die in bestimmten Größen bei diesen Austauschprozessen eingesetzt werden. Der Begriff der „Medien“ umfaßt stets beide Aspekte. Wenn es nun im Text heißt, daß die „Hintergrundstruktur“, also das Regelwerk, mit der allgemeinen normativen Struktur der Gesellschaft (ihren Kulturmustern) kongruent oder direkt identisch sei, so denke man dabei am besten an normative Zusammenhänge wie das System des ökonomischen Marktes, des Vertragsrechtes, der Eigentumsideologie; an das politische Recht mit seiner besonderen Fassung der bürgerlichen Rechte, dem modernen Staatsrecht, usw. Es ist eine besondere Leistung von Niklas Luhmann, deutlich herauszuarbeiten, in welcher Weise solche normativen Strukturen als ein Code — als symbolisch generalisierte Regeln — für die Medien fungieren; vgl. seinen äußerst wichtigen Band über Macht; Stuttgart (Ferdinand Enke Verlag) 1975, insbesondere Abschnitt III, S. 31.Google Scholar
  10. 10.
    „Kontrolle“ im kybernetischen Sinne liegt vor, wenn ein Prozeß — z. B. ein Handlungsablauf — durch bestimmte Eingriffe gesteuert oder durch Mechanismen, die im Prozeß selbst angelegt sind, geregelt wird. Fahrzeuge werden in der Regel von Menschen gesteuert; Abläufe in Computern von Programmen geregelt. Sozialsysteme (oder allgemein: Handlungssysteme) können als Programme zur Steuerung menschlichen Verhaltens betrachtet werden. Medien sind spezifische Mechanismen zur Regelung solcher Verhaltensabläufe. Eine sehr gute Einführung in die kybernetischen Aspekte einer solchen Konzeption bietet Hans-Joachim Flechtner, Grundbegriffe der Kybernetik; 4. Auflage, Stuttgart (Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH) 1969; vgl. hier insbesondere S. 26 ff.Google Scholar
  11. 11.
    Der Begriff des „Politischen“ darf bei Parsons — und ebenso in dieser Einleitung — nicht im engen Sinne auf den Alltagsbegriff der „Politik“ bezogen werden, der für uns in der Regel mit Staatsämtern, Staatsfunktionen, Parteien, Funktionären u. dgl. identifiziert wird. Dies wäre ein Politikbegriff, wie ihn etwa die Nachrichtensendungen des Fernsehens verwenden, wenn sie von „politischen Ereignissen“ und „politischen Meldungen“ sprechen. Parsons hat, um sich von diesem Politikbegriff abzusetzen, den Ausdruck „polity“ verwendet, der im Text mit dem Kunstwort „Politbereich“ wiedergegeben wurde. Damit ist ein funktional definiertes System des Handelns gemeint, in dem es unter dem Bezugsaspekt der „Ziel-Orientierung“ um den Ausgleich divergierender Interessen und die Formulierung eines gemeinsamen Zieles sowie der Methoden seiner Erreichung angesichts von pluralistischen Meinungen, Wünschen und Überzeugungen geht. Solche Prozesse des „Ausgleichs“, die übrigens keineswegs immer einen „echten“ Ausgleich und äußere oder gar innere Übereinstimmung bei allen Beteiligten erzeugen, beginnen auf der „untersten“ Interaktionsebene in den Kleingruppen und reichen über alle Organisationsebenen bis hinauf zur Weltgesellschaft — sie alle sind „politisch“ im angedeuteten funktionalen Sinne des Wortes.Google Scholar
  12. 12.
    Charles Ackermann und Talcott Parsons: „Der Begriff ‚Sozialsystem‘ als theoretisches Instrument“, abgedruckt in Jensen 1976. Google Scholar
  13. 13.
    Im Gegensatz zu Parsons hat Niklas Luhmann, der im gewissen Sinne zugleich Mit- und Gegenspieler Parsons‘ auf dem Felde der soziologischen Systemtheorie ist, versucht, Systemtheorie, Evolutionstheorie und Medientheorie auseinanderzuziehen, um im gegenseitigen Ausspielen der theoretischen Prämissen dieser drei Ansätze Theoriegewinne auf einer höheren Abstraktionsebene zu realisieren. Vgl. dazu den Aufsatz: „Systemtheorie, Evolutionstheorie und Kommunikationstheorie“, in: Soziologische Aufklärung 2, op. cit.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. Parsons‘ Aufsatz „Some Problems of General Theory in Sociology“, in John C. McKinney and Edward A. Tiryakian (Hrsg.): Theoretical Sociology New York (Meredith Corp.) 1970: 27–68;Google Scholar
  15. 15.
    Wer Parsons kennt, wird erraten, daß dieses Buch nicht „eng“ auf die Universitäten beschränkt bleibt: Es liefert zugleich den Ansatz zu einer allgemeinen Theorie des Bildungswesens, und es enthält darüber hinaus zahlreiche Elemente zur Theorie der Kultursysteme, die ihre erste große Ausarbeitung in dem Beitrag fand: „Culture and the Social System‘ — Introduction“ in Parsons, T., Shils, E. A., Nägele, K. D. und J. R. Pitts (Hrsg.): Theories of Society. Foundations of Modern Sociological Theory New York, London (Collier — MacMillan) 1961: 963–993. Dieser Beitrag zur Theorie der Kultursysteme bildet den Begleit-Aufsatz zu dem Essay „An Outline of the Social System“ im selben Band (übersetzt in: Jensen 1976). Weitere Beiträge Parsons’ zum engeren Bereich des Bildungswesens finden sich beispielsweise in dem Aufsatz „Considerations of the American Academic Profession“ (zusammen mit G. M. Platt) in MINERVA, Vol. VI, Nr. 4, 1968, oder in dem Beitrag „Higher Education as a Theoretical Focus“ in: Turk, H. und R. Simpson (Hrsg.): Institutions and Social Exchange Indianapolis (Bobbs-Merrill Company) 1971: 233–252.Google Scholar
  16. 16.
    Ist Bildung ein Medium? Parsons selbst hat an keiner Stelle etwas Derartiges gesagt. In dem Buch über die American University wird als Grundkonzept das Medium der „intelligence“ verwendet. Dennoch dürfte es möglich sein, eine Bildungstheorie zu entwickeln, die Parsons‘ Medienkonzept verwendet und den Begriff der „Bildung“ als Medium thematisiert. Es ist aber nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß diese Idee durch Parsons nicht gedeckt wird, obwohl sich in der American University eine Vielzahl von Formulierungen findet, in denen der Ausdruck „intelligence‘ durch „Bildung“ hervorragend übersetzt wäre.Google Scholar
  17. 17.
    Friedrich Paulsen: Geschichte des gelehrten Unterrichts auf den deutschen Schulen und Universitäten vom Ausgang des Mittelalters bis zur Gegenwart. Leipzig 1896.Google Scholar
  18. 17a.
    Ders.: Das Deutsche Bildungswesen in seiner geschichtlichen Entwicklung Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1966.Google Scholar
  19. 17b.
    Wilhelm Roessler: Die Entstehung des modernen Erziehungswesens in Deutschland Stuttgart (W. Kohlhammer) 1961.Google Scholar
  20. 18.
    Den Begriff der „Funktion“ hat Parsons dabei in folgender Weise definiert: „Eine Funktion ist ein ... Output eines Handlungssystems in ein anderes System, der informationell durch die adaptiven Mechanismen des (empfangenden) Rezeptorsystems gesteuert wird. Der Output fließt „auswärts“ über die zielfunktionale Grenze des abgebenden Systems; der Input fließt „einwärts“ über die adaptive Grenze des empfangenden Systems. Funktionen sind im zielfunktionalen Sektor des jeweiligen Ausgangssystems lokalisiert. In Funktionen sind immer Richtung und Beitrag enthalten: eine Funktion gibt „an etwas“ ab und trägt „zu etwas“ bei. Sie ist ein Output eines abgebenden Systems.“ (Zitat aus Jensen 1976, S. 76).Google Scholar
  21. 19.
    Wie Robert Ornstein bemerkt: „Wir können unmöglich die Welt in ihrer vollen Existenz erfahren — sie würde uns überwältigen. Wir sind durch unsere physische Evolution auf einige wenige Sinnesdimensionen beschränkt.“ Die Psychologie des Bewußtseins Frankfurt (Fischer Taschenbuch Verlag) 1976: 32 et pass.Google Scholar
  22. 20.
    Ich beziehe mich hier auf eine Unterscheidung, die Niklas Luhmann in seinem Band Soziologische Aufklärung 2, Opladen (Westdeutscher Verlag) 1975, mit der Folge seiner Aufsätze über „Interaktion, Organisation, Gesellschaft“, „Allgemeine Theorie organisierter Sozialsysteme“ und „Die Weltgesellschaft“ ausgearbeitet hat.Google Scholar
  23. 21.
    Eine in diesem Zusammenhang bemerkenswerte Komponente des „politischen Terrorismus“ ist es, daß diese Gruppen der Staatsgewalt nicht allein auf der Ebene der Macht, des Zwangs und des Einsatzes von Gewalt trotzen, sondern vor allem auch die ethische Berechtigung der etablierten staatlichen (und sozialen) Ordnung in Zweifel stellen; eine Bedrohung, die von reinen Kriminalitäten niemals ausgeht. Umgekehrt besteht ein zentrales und stets wiederkehrendes Verteidigungsargument des jeweils betroffenen Staates darin, den bewaffneten politischen Widerstand zu kriminalisieren, d. h. seine ethische Begründung zu negieren. Vgl. zu diesem Themenkreis die hervorragende Darstellung von Otthein Rammstedt: Soziale Bewegung Edition Suhrkamp, Band 844, 1978, sowie Derselbe (Hrsg.): Gewaltsverhältnisse und die Ohnmacht der Kritik Edition Suhrkamp, Band 775, 1974.Google Scholar
  24. 22.
    Ein weiterer, oft analysierter Zusammenhang dieser Art ist der Aufstieg Hitlers unter Mitwirkung der nationalistischen Kräfte, die sich nicht zuletzt im Bereich der Schwerindustrie und Hochfinanz konzentrierten. Hier zeigt sich übrigens zugleich ein weiterer Beleg für die These, daß der Griff nach der politischen Herrschaft in der Regel mit dem Versuch einhergeht, Macht moralisch zu fundieren: Es gelang Hitler nicht zuletzt durch die Beschwörung der Prinzipien preußischer Tradition (im Staatsakt von Potsdam am 21.3.1933), das auf Pflichterfüllung und „nationale Ehre“ eingeschworene Beamtentum und Heer für sich zu gewinnen. Die spätere Übung, Beamte und Heer direkt auf die Person Hitlers zu vereidigen, vertiefte diese moralische Dimension der Macht und verstärkte den Mechanismus der Wertbindung. Vgl. O. Rammstedt: Soziale Bewegung, op. cit.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1980

Authors and Affiliations

  • Talcott Parsons

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