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Das Forschungsdesign

  • Oliver Geden
Chapter
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Part of the Forschung Soziologie book series (FS, volume 200)

Zusammenfassung

Konstruktionsprozesse von Männlichkeit innerhalb einer rechtsextremen Organisation wie der FPÖ empirisch rekonstruieren zu wollen, erfordert die detaillierte Ausarbeitung eines Forschungsdesigns. Hier stellen sich vor allem Fragen nach der Planung der konkreten Untersuchungsschritte, nach der Konzipierung von Feldzugang, Datenerhebung und Auswertung sowie der Gestaltung der Auswahl des empirischen Materials (vgl. Flick 2000). Bezogen auf die in der vorliegenden Untersuchung gewählten Fragestellung bedarf es zum einen der Entscheidung, auf welchen Parteiebenen welche Arten von Daten erhoben und analysiert werden sollen, zum anderen einer Festlegung, mit welchen Methoden dies bewerkstelligt werden kann. Die den entsprechenden Auswahlentscheidungen zugrundeliegenden Überlegungen methodologischer und methodischer Art sollen im folgenden ausgeführt werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den spezifischen Problemen einer qualitativ-empirischen Erforschung des organisierten Rechtsextremismus, zum einen, weil diese Probleme die Planung und Durchfüihrung meiner Untersuchung wesentlich beeinflusst haben, zum anderen, da in deren Nicht-Bewältigung wohl der Hauptgrund für die bislang weitgehend ausgebliebene Erforschung rechtsextremer Organisationen mit qualitativen Methoden und der dadurch entstandenen Forschungslücken liegen dürfte.

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Literatur

  1. 48.
    Unter Forschungsfeld verstehe ich im Kontext der Planung und Durchführung qualitativempirischer Untersuchungen „natürliche soziale Handlungsfelder im Gegensatz zu künstlichen situativen Arrangements [...], die extra für Forschungszwecke geschaffen werden“ (Wolff 2000: 335). Insofern unterscheidet sich der im empirischen Teil dieser Studie verwendete Feldbegriff deutlich von dem auf Bourdieu zurückgehenden, strukturtheoretischen Gebrauch des Terminus Feld in den bisherigen Kapiteln.Google Scholar
  2. 49.
    Ich belege die Akteure im Feld im folgenden nicht etwa deshalb mit der begrifflichen Passivkonstruktion Erforschte (bzw. in der Vorstufe: zu Erforschende), weil ich diese nicht als handelnde Subjekte wahrnehmen würde. Für mich reflektiert diese Begriffswahl die „Richtung“ wesentlicher Schritte im Forschungsprozess. Forschungsprojekte werden in der Regel nicht von den Akteuren im Feld angestoßen, entsprechende Veröffentlichungen ausschließlich von den Forschern produziert, primär entlang wissenschaftsinterner Verwertungskriterien. Zur Subjekt-Objekt-Relation im qualitativen Forschungsprozess vgl. Behnke/Meuser 1999: 16f; King 1992.Google Scholar
  3. 50.
    Insofern ist der Feldzugang auch mehr als fortwährender Prozess denn als einmalige Tätigkeit zu verstehen. Vgl. Wolff 2000: 334ffGoogle Scholar
  4. 51.
    Vgl. etwa Lindner 1981; Gans 1982; Wolff 2000; Girtler 1992: 54ff; Flick 1998: 70ff. Viele dieser Darstellungen gehen implizit, die Realität der meisten Forschungsprojekte durchaus angemessen nachzeichnend, von einer asymmetrischen Machtverteilung zwischen Forschern und Erforschten aus, mit einem Überhang an ökonomischem und kulturellem Kapital auf Seiten der Wissenschaftler. Für die speziellen Probleme in research upForschungsvorhaben vgl. Warneken/Wittel 1997.Google Scholar
  5. 52.
    Für Mechanismen der Behinderung des Feldzugangs vgl. ausführlich Wolff 2000Google Scholar
  6. 54.
    Damit soll keineswegs behauptet werden, dass in akademischen oder studentischen Milieus keinerlei Sympathien für rechtsextreme Ideologien und rechtsextreme Organisationen vorzufinden wären (vgl. Demirovic/Paul 1996; Butterwegge/Hentges 1999; Gehler 1998). Aber von einer weitaus überwiegenden Gegnerschaft zum Rechtsextremismus kann sicherlich ausgegangen werden, zumal in den Sozial- und Kulturwissenschaften. Der Umstand allein, dass eine qualitativ-empirische Untersuchung in einem umkämpften Feld angesiedelt ist, muss den Feldzugang aber keineswegs dauerhaft erschweren. So dürfte es etwa bei Studien über die Anti-Atom-Bewegung häufig zu Solidarisierungseffekten zwischen Forschern und Erforschten kommen.Google Scholar
  7. 55.
    Vgl. Röösslhumer 1999: 159ff. Die Autorin gibt leider nicht an, wie sie ihr Forschungsvorhaben gegenüber den interviewten Politikerinnen inhaltlich begründet hat.Google Scholar
  8. 56.
    Im Rahmen eines von mir 1999/2000 am Institut für Europäische Ethnologie der HU Berlin geleiteten studentischen Projekts zu Männlichkeitskonstruktionen im Rechtsextremismus habe ich, zusammen mit jeweils einer weiteren Studentin, bei den REP zwei Beobachtungen von Großveranstaltungen sowie zwei Gruppendiskussionen zum Themenkomplex Familie/Familienpolitik durchgeführt.Google Scholar
  9. 57.
    Vgl. etwa Hafeneger 1997: 18ff Schon dessen Bitte um die Übermittlung sozialer Strukturdaten von kommunalen REP-Mandatsträgern wurde vom betreffenden Landesverband sowie mehreren Kreisverbänden mit dem Verweis auf Hafenegers Veröffentlichungen zurückgewiesen.Google Scholar
  10. 64.
    Zum Verhältnis von Forschungsethik und Forschungspraxis vgl. insbesondere Kap. 4.3.Google Scholar
  11. 66.
    Pelinka hatte Haider in einem Interview mit der italienischen RAI eine Verharmlosung des Nationalsozialismus vorgeworfen, weil dieser die Vernichtungslager als „Straflager“ bezeichnet habe. Er wurde daraufhin im Mai 2000 vom Landesgericht für Strafsachen Wien wegen „übler Nachrede“ verurteilt (vgl. Noll 2000). Im März 2001 erfolgte die letztinstanzliche Aufhebung dieses Urteils, das auch international Aufsehen erregt hat und selbst im Weisen-Bericht gerügt worden war.Google Scholar
  12. 67.
    Eine Anfrage bei Google (http://www.google.com) ergab am 5.1.2001 beim Suchbegriff „Oliver Geden“ insgesamt 192 Treffer. Von den ersten 70 Ergebnissen bezogen sich 41 auf das Sachbuch Rechte Ökologie (vgl. Geden 1996), das in der Antfa-Edition des Verlags ElefantenPress veröffentlicht wurde, in der wiederum neben dem Handbuch Deutscher Rechtsextremismus auch eine kritische Monographie zur FPÖ erschienen ist. Andere Google-Treffer verwiesen u.a. auf das von mir an der HU Berlin geleitete Projekt zu „Männlichkeit im Rechtsextremismus“ oder auf von mir verfasste Zeitungs- und Zeitschriftenartikel zum Rechtsextremismus.
  13. 69.
    Mit dem wenig gebräuchlichen Begriff Text/Diskursanalyse soll an dieser Stelle hervorgehoben werden, dass sich die weitaus überwiegende Zahl der sich selbst als Diskursanalysen bezeichnenden Untersuchungen auf medial (bereits vor der Erhebung) produzierte (Schrift-)Texte als empirisches Material bezieht. Zur besseren Unterscheidung der beiden in dieser Untersuchung kombinierten methodischen Zugange wird im folgenden der Begriff Diskursanalyse dann verwendet, wenn auf institutionell-textbasierte Diskurse Bezug genommen wird. Andere Ebenen und Formen der Diskursproduktion und -aktualisierung, wie etwa verfestigte Bestände von Alltagswissen oder lebensweltlich verankerte Deutungsmuster, deren Analyse bislang kaum unter diskursanalytischen Gesichtspunkten erfolgt (vgl. Keller et al. 2001b: 12f; Keller 2001), werden mit den jeweils innerhalb der qualitativen Forschung eingeführten Begriffen gefasst.Google Scholar
  14. 71.
    Für eine Übersicht von Starken, Schwachen und Anwendungsbereichen verschiedener Methoden zur Erhebung verbaler Daten vgl. Flick 1998: 143ff.Google Scholar
  15. 73.
    Vgl. Keller et al. 2001b: 9ff; Niedermüüller 1997: 249. Hervorzuheben sind vor allem die im Umfeld des Arbeitskreises Diskursanalyse entstandenen Arbeiten (vgl. etwa Keller 1997; Keller 1998; Keller et al 2001a). In den wenigen Aufsätzen in Überblicksdarstellungen zur Qualitativen Forschung wird die Diskursanalyse in der Regel nur sehr selektiv dargestellt (vgl. etwa Parker 2000), in gleicher Weise verfährt der diskursanalytisch orientierte Sprachwissenschaftler Siegfried Jäger in seiner Rezeption der Qualitativen Sozialforschung (vgl. Jager 1999: 52f.Google Scholar
  16. 74.
    Einen weitaus umfassenderen Ansatz verfolgen etwa Ruth Wodak et al. (1990; 1998) sowie die Mitarbeiter am Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung/DISS (vgl. Jager, M. 1996; Jager S. 1996; 1999: 236ff). Sie rekonstruieren neben institutionellen auch Alltagsdiskurse, sowohl in Einzelinterviews als auch in Gruppendiskussionen. Vor allem bei den Analysen des DISS bleibt das Verhältnis zwischen den verschiedenen Datenarten methodologisch weitgehend ungeklärt.Google Scholar
  17. 75.
    Vgl. auch die Gesamtdarstellung qualitativer Forschungsperspektiven bei Flick/Kardorff/Steinke 2000b: 18ff.Google Scholar
  18. 76.
    Vgl. Jäger 1999: 159ff. Zwar stimme ich mit Jägers diskurstheoretischen Bezügen nur bedingt überein, sein Modell einer elementaren Diskursstruktur aber weist ein hohes Maß an Konsistenz auf, zudem auch die Starke, sowohl inhaltliche als auch strategische Dimensionen zu erfassen. Demgegenüber legen die von mir ergänzend und vertiefend berücksichtigten Ansätze von Keller und Schwab-Trapp den Schwerpunkt entweder auf die Untersuchung inhaltlicher Dimensionen (vgl. Keller 2001: 131 ff) oder auf jene der strategischen Aspekte (vgl. Schwab-Trapp 2001: 266ff), schließen aber zugleich stärker an die sozialwissenschaftliche Diskussion zum Verhältnis von Struktur und Akteur an.Google Scholar
  19. 77.
    Jäger 1999: 159: Jager versteht unter Thema den inhaltlichen Kern einer Aussage, je nach Untersuchungsinteresse kann auch eine Aufgliederung in Haupt- und Unterthemen erfolgen.Google Scholar
  20. 79.
    Dabei ist zu beachten, dass die Funktion spezifischer Diskursivierungen von Männlichkeit füür die politische Strategie der FPÖ nur bedingt aus dem Zusammenwirken der Diskursfragmente ermittelt werden kann. Für eine eingehende Untersuchung bedürfte es einer (noch nicht geleisteten und forschungspraktisch sicherlich auch nur schwer umsetzbaren) systematischen Erweiterung der Diskurs- hin zu einer Dispostivanalyse, die das „Gesamt der materiellen, handlungspraktischen, sozialen, kognitiven und normativen Infrastruktur der Produktion eines Diskurses und der Umsetzung der dadurch erzeugten ‚Problemlösung‘“ (Keller 2001: 134) ins Blickfeld rückt.Google Scholar
  21. 80.
    Deutlich wird dies zum Beispiel, wenn man die im Februar 1999 vorgestellte Freiheitliche Frauencharta mit der hochgradig selektiven Reartikulation vergleicht, denen die in der Charta erhobenen Einzelforderungen in den Folgemonaten in NFZ und ZZ unterliegen.Google Scholar
  22. 81.
    Im selektiven Rückgriff auf Antonio Gramsci folgt der metapolitische Ansatz der intellektuellen Neuen Rechten dem Primat der Erlangung der kulturellen Hegemonie. Durch die Erlangung der theoretischen Meinungsführerschaft soll einer machtpolitischen Wende der Boden bereitet werden. Vgl. Brauner-Orthen 2001: 114ff; Zogholy 2002.Google Scholar
  23. 83.
    Dementsprechend unterbleibt der vor allem in staatstheoretisch orientierten Analysen vorgenommene Versuch, die Einlagerung von Männlichkeit in klassischen Politikfeldern, also etwa für die Forschungs- und Technologiepolitik (vgl. Doge 1999), nachzuweisen.Google Scholar
  24. 84.
    Vgl. auch die Darstellung des diskursiven Kontextes in Kap. 4.Google Scholar
  25. 86.
    Vgl. etwa Loos/Schaffer (2001: 59f), die den Begriff „Diskurs“ zwar verwenden, sich aber deutlich von der „poststrukturalistische[n] Vorstellung eines gesamtgesellschaftlich zu verortenden und wirksamen Symbolsystems“ abgrenzen.Google Scholar
  26. 87.
    Im Anschluss an die methodologischen Arbeiten von Ralf Bohnsack sind bereits einige anschlussfähige männlichkeitstheoretische Untersuchungen veröffentlicht worden, die maßgeblich auf Gruppendiskussionen beruhen (vgl. Meuser 1998; Behnke 1997; Loos 1999). Bei Meuser findet sich neben der Analyse des Alltagsdiskurses auch eine Rekonstruktion des medialen Diskurses der Männerverständigungsliteratur, wenn auch keine theoretische Verknüpfung der beiden Diskursebenen.Google Scholar
  27. 88.
    Diese Trennung von saying und doing ist in erster Linie eine methodologische. Alltagsdiskurse stehen grundsätzlich in einer engen Verbindung mit Alltagspraktiken. Zudem kann dem saying durchaus ein großer Stellenwert im alltäglichen Geschlechtshandeln von Männern zukommen (vgl. etwa Tertilt 1996: 181 ff). Dies kann aber nicht vorausgesetzt werden, sondern allenfalls Ergebnis einer empirischen Untersuchung korrespondierender Handlungspraktiken sein (vgl. auch Loos/Schaffer 2001: 40f).Google Scholar
  28. 89.
    Theoretical sampling beruht darauf, zwischen den einzelnen Schritten der Datenerhebung bereits erste Analysen des Materials vorzunehmen um auf dieser Basis zu entscheiden, „wie auf dem jeweiligen Wissensstand eine ergänzende Stichprobe aussehen müsste, um den erreichten Wissensstand zu überprüfen oder auch abzusichern“ (Merkens 2000: 296).Google Scholar
  29. 93.
    Die stärkste Teilgruppe dieses Spektrums stellten Männer in Schul- und Berufsausbildung. Die Spitzenposition bei den Jungwählern hat die FPÖ bei der Nationalratswahl 2002, bei der sie nur noch 10 % der Gesamtstimmenzahl erreichte, selbstredend nicht halten können.Google Scholar
  30. 94.
    Ich habe in Anlehnung an die von Meuser, Behnke und Loos durchgeführten Gruppendiskussionen die Frage „Was heißt es für Euch, ein Mann zu sein?“ gewählt.Google Scholar
  31. 96.
    Zu Notwendigkeit des Einsatzes von Abkürzungsstrategien in der qualitativen Forschung vgl. auch Flick 2000a: 263fGoogle Scholar
  32. 97.
    Dies reflektiert die Unterschiede in Art und Weise der gegenseitigen Bezugnahme der Sprecher im Verlauf der Diskussion. Vgl. Loos/Schäffer 2001: 64fffGoogle Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2004

Authors and Affiliations

  • Oliver Geden

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