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Die FPÖ und ihre Vergeschlechtlichung

  • Oliver Geden
Chapter
Part of the Forschung Soziologie book series (FS, volume 200)

Zusammenfassung

Aus den skizzierten Defiziten und Lücken des Forschungsstandes lassen sich zwei wesentliche Forderungen für Studien zum Themenkomplex „Rechtsextremismus und Männlichkeit“ ableiten. Erstens gilt es empirische Ansatzpunkte zu finden, um Rechtsextremismus unter männlichkeitstheoretischen Gesichtspunkten untersuchen zu können. Zum zweiten ist es bei der Untersuchung rechtsextremer Organisationen geboten, zunächst einmal zu rekonstruieren, wie männliches Geschlechtshandeln von den Akteuren selbst thematisiert und kontextualisiert wird, statt primär Befunde in klassischen Politikfeldern geschlechtertheoretisch zu interpretieren (etwa die migrations- und ausländerpolitischen Positionen einer rechtsextremen Partei) oder lediglich Repräsentationsformen männlicher Parteiführer zu analysieren.

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Literatur

  1. 23.
    Er erreichte bei den Nationalratswahlen 1949 11,7%, im Jahr 1953 10,9% der abgegebenen Stimmen.Google Scholar
  2. 25.
    1991 benannte sich die SPÖ in Sozialdemokratische Partei Österreichsum.Google Scholar
  3. 26.
    Diese benannte sich später in Liberale Internationaleum, aus der die FPO 1993 austrat, um einem drohenden Ausschluss zuvorzukommen (vgl. Bailer-Galanda/Neugebauer 1997: 190f).Google Scholar
  4. 28.
    Die Stimmenanteile für die einzelnen Nationalratsparteien in der XXI. Gesetzgebungsperiode 1999–2002: SPÖ 33,15%, FPÖ 26,91%, ÖVP 26,91%, Grüne 7,40%. Auf der Ebene der Bundesländer sind Formen der Konkordanzdemokratie nach wie vor relativ stark ausgeprägt. In fünf der neun Lander, darunter auch in Kärnten, wird die Regierung nicht allein durch die stärkste Partei und einen eventuell vorhandenen Koalitionspartner gebildet, sondern vielmehr nach einem Proporzsystem. Der Landeshauptmann wird in der Regel von der stärksten Partei gestellt, die aus Landesräten bestehende Regierung allerdings durch (fast) alle im Landtag vertretenen Parteien, gemäß ihrer Stimmenanteile. Bemerkenswert ist zudem auch das Phänomen permanenter Hegemonie auf Landesebene. In fünf Bundesländern kann seit 1945 immer dieselbe Partei die meisten Stimmen auf sich vereinigen, gar in sieben Ländern wird der Landeshauptmann seither durchweg von derselben Partei gestellt (vgl. Pelinka/Rosenberger 2000: 97ff, 211 ff).Google Scholar
  5. 29.
    Vgl. auch die detaillierte Darstellung des diskursiven Kontextesder Datenerhebung in Kap. 4.Google Scholar
  6. 30.
    Da die den Nationalratswahlen 2002 folgende XXII. Gesetzgebungsperiode weit jenseits des Untersuchungszeitraumes des empirischen Teils dieser Studie liegt, wird sie im folgenden nicht detailliert berücksichtigt.Google Scholar
  7. 32.
    Die umfangreichsten Sammlungen entsprechender Belege finden sich in der politischjournalistischen Literatur, vgl. etwa Scharsach/Kuch 2000; Bailer-Galanda/Neugebauer 1997: 55ff. Für eine politikwissenschaftliche Analyse des Parteiprogramms von 1998 vgl. Amesberger/Halbmayr 2002c: 255ff, für die einer Vorfeldorganisation vg1. Gärtner 1996.Google Scholar
  8. 33.
    Folgt man Cas Muddes (1996) Analyse, dass sich die sozialwissenschaftlichen Begriffsdefinitionen und -verwendungen von „Rechtsextremismus“ und „Rechtspopulismus“ ohnehin stark überschneiden, so verspricht der für die Erforschung von Rechtsaußenparteien charakteristische Streit um die jeweils korrekte Einordnung nur wenig heuristischen Gewinn.Google Scholar
  9. 34.
    Zum Verhältnis von liberalen und autoritären Elementen im Parteiprogramm der FPÖ vgl. Amesberger/Halbmayr 2002c: 256ff. In ihren Argumentationsweisen betont die FPÖ zwar häufig die Freiheit des Individuums vor staatlichen Eingriffen, aber grundsätzlich nur in solchen Politikbereichen, in denen sie keinen Bedarf an politischer Steuerung sieht. Dementsprechend greift sie etwa in der Wirtschaftspolitik häufig auf neoliberale Ideologeme zuruck. Liegt nach Ansicht der FPÖ allerdings in einer konkreten realpolitischen Frage ein Steuerungsbedarf vor, so bringt sie grundsätzlich ein als vorrangig zu behandelndes Kollektivinteresse in die Diskussion ein.Google Scholar
  10. 35.
    Eine entsprechende empirische Erforschung von politischen Organisationen steht noch weitgehend aus. Sie würde mutmaßlich zeigen können, dass für die Engagierten neben dem Interesse, mit einer spezifischen inhaltlichen Ausrichtung in politische und sozialen Prozesse zu intervenieren, noch weitere Motive von Bedeutung sind, vor allem in professionalisierten Strukturen auch solche, die mit der „Berufsethik“ des Politikers deutlich kollidieren (vgl. in einer theoretischen Perspektive Bourdieu 2001a). Der rasante Aufstieg der FPÖ seit 1986 hatte beispielsweise auch zur Folge, dass die Partei zwar kontinuierlich Mandatszuwachse verzeichnen konnte, zugleich aber ein großer Mangel an geeigneten Mandatsträ- gern herrschte. In den neunziger Jahren dürfte es in keiner anderen österreichischen Partei so leicht gewesen sein, als Politikneuling Karriere zu machen — und das nicht nur für prominente Quereinsteiger.Google Scholar
  11. 39.
    Die hier angegebenen Zahlen beziehen sich fast ausschließlich auf die Jahre 1999–2001 und geben somit den Ist-Zustand während des Untersuchungszeitraums des empirischen Teils dieser Studie an. Bei den folgenden Wahlen haben sich die Verhältnisse in der Regel leicht zugunsten von Frauen verändert, allerdings nicht nur bei der FPÖ, sondern im gesamten politischen Feld Österreichs.Google Scholar
  12. 40.
    Stand 1999. Vgl. Rösslhumer/Appelt 2001: 26. 32.Google Scholar
  13. 41.
    Stand 1998. Vgl. Amesberger/Halbmayr 2002c: 351 ff. Für die Gemeindeebene liegen parteienvergleichende Zahlen nicht vor. Für 1997 lässt sich ein Männeranteil unter FPÖGemeinderäten von 87,3% angegehen (vgl Rööcslhum-r 1999. 62)Google Scholar
  14. 42.
    Stand 1999 (ohne Landesgruppe Kärnten). Vgl. Amesberger/Halbmayr 2002c: 357.Google Scholar
  15. 43.
    Vgl. ergänzend zur Geschlechterpolitik der schwarz-blauen Koalition Rosenberger 2001.Google Scholar
  16. 44.
    Zu einer ähnlichen Einschätzung war bereits Rösslhumer in der Analyse von Interviews mit 14 Mandatsträgerinnen auf Bundes- bzw. Europaebene gelangt (vgl. Rösslhumer 1999).Google Scholar
  17. 45.
    Dies deckt sich mit den Ergebnissen von Interviewstudien mit Funktionärinnen der bundesdeutschen Republikaner (vgl. Büchner 1995; Skrzydlo/Thiele/Wohllaib 1992).Google Scholar
  18. 46.
    Zitat aus einem Wahlinserat der FPÖ im Jahre 1999, das mit drei Kärntner FPÖLandespolitikern bei der Sportausübung illustriert ist (vgl. Ottomeyer 2000: 25f).Google Scholar
  19. 47.
    Zitiert nach Ottomeyer 2000: 21, 27.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2004

Authors and Affiliations

  • Oliver Geden

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