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Unmögliche Trennung Vom Umgang der Batemi mit den Toten jenseits des Ahnenkults

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Zusammenfassung

Jean Baudrillard stellt in seinem Buch ‚Der symbolische Tausch und der Tod‘ einen Gegensatz zwischen dem neuzeitlichen Umgang mit dem Tod, der auf Ausgrenzung zielt, und einem archaischen Umgang heraus, für den der Tote Teil jener symbolischen Realität bleibt, in der man sich bewegt. „Wir haben den Tod desozialisiert, indem wir ihn bio-anthropologischen Gesetzen unterstellten, ihm die Immunität der Wissenschaft beilegten und ihn als individuelles Schicksal verselbständigten. Aber die physische Materialität des Todes, die uns durch das ‚objektive‘ Vermögen, welches wir ihm gegeben haben, paralysiert, schreckt die Wilden nicht. Sie haben den Tod niemals ‚naturalisiert‘, sie wissen, daß der Tod (wie der Körper oder ein Naturereignis) eine soziale Beziehung ist, daß seine Definition gesellschaftlich ist. Darin sind sie größere ‚Materialisten‘ als wir, da die wahre Materialität des Todes für sie — ebenso wie die Materialität der Ware für Marx — in seiner Form liegt, die immer eine soziale Beziehung ist. Statt dessen erstrebt all unser Idealismus die Illusion einer biologischen Materialität des Todes: ein Diskurs der ‚Realität‘, der in Wirklichkeit ein Diskurs des Imaginären ist und den die Wilden durch die Einführung des Symbolischen überbieten“ (Baudrillard 1982, S. 206). Den Versuch, die Beziehung zum Tod dadurch zu neutralisieren, daß man den Tod naturalisiert, ihn als real-biologisches Ende definiert, kann Baudrillard nur als den Versuch verstehen, durch eine Trennung von Tod und Leben den Tod als ein Ende vorzustellen, das als solches den Eigenwert des Lebens verabsolutiert. Die Trennung von Leben und Tod, die über die Naturalisierung des Todes erfolgt, macht es unmöglich, das Verhältnis der Lebenden zu den Toten als eine in sozialer Terminologie symbolisierbare Beziehung zu bestimmen. Von dieser Unmöglichkeit her ist auch der schon ausgrenzende Umgang mit dem Sterben zu verstehen: Die Trennung der Lebenden von den Toten findet schon vor dem Tode statt — durch Überantwortung der Sterbenden an Kliniken, der Gestorbenen an Bestattungsunternehmen.

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Literatur

  1. Baudrillard, J.: Der symbolische Tausch und der Tod, München 1982Google Scholar
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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1999

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