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Schlußfolgerungen

  • Jens Lachmund
  • Gunnar Stollberg

Zusammenfassung

Im Anschluß an die Medizinkritik Illichs (1983) ist oft unterstellt worden, daß der gesellschaftliche Erfolg der Medizin zu einer tendenziellen Austrocknung krankheitsbezogener Kompetenzen geführt habe und die Laien von einer ständig expandierenden Alleinzuständigkeit des medizinischen Experten abhängig gemacht habe (Huerkamp 1985; Ferber 1989). Andere haben dem widersprochen und behauptet, es habe vielmehr vorher schon eine entsprechende Nachfrage der Patienten nach einer besseren medizinischen Versorgung gegeben, auf die die Medizin mit der Ausweitung ihres Dienstleistungsangebotes nur reagiert habe (Gelis 1988; Faure 1990; Loetz 1993). Der Prozeß der „Medikalisierung“, dem die modernen westlichen Gesellschaften seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert unterworfen sind, ist jedoch sehr viel verwickelter, als daß er sich einfach negativ als imperialistische Verdrängung alternativer Denk- und Handlungsformen oder positiv als Erfüllung eines an die Medizin herangetragenen Bedarfs charakterisieren ließe. Er vollzog sich in Form vielfältiger kultureller Aushandlungsprozesse, in denen die Problemlösungsangebote der sich professionalisierenden Medizin und die kulturellen Kategorien, in denen die Patienten ihre Bedürfnisse artikulierten, sich wechselseitig aufeinander bezogen, sich durchdrangen und umdefinierten. Sowohl die Krankheit als kulturelles Objekt wie auch die sozialen Figuren des Arztes und des Patienten, mit ihren spezifischen Abhängigkeiten und Zuständigkeiten, wurden damit auf eine völlig neue auf neue Weise bestimmt.

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Jens Lachmund
  • Gunnar Stollberg

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